Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke

Nephrologische Patienten als „Ganzes“ sehen

Professorin Julia Weinmann-Menke ist neue Ärztliche Direktorin der Klinik für Nephrologie des Universitätsklinikums Heidelberg

Portraitfoto von Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke
Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke

Bildquelle: Universitätsklinikum Heidelberg 

Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke wird zum 1. März 2026 die Ärztliche Direktion der Klinik für Nephrologie am Zentrum für Innere Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg – vormals Nierenzentrum Heidelberg – übernehmen. Sie folgt auf Prof. Dr. Martin Zeier, der zum Jahresende 2025 verabschiedet wurde. Zugleich wurde Julia Weinmann-Menke auf die neu eingerichtete W3-Professur für „Nephrologie“ an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg berufen. 

Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke kommt von der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Hier war sie in den vergangenen Jahren maßgeblich am Aufbau des nephrologischen Schwerpunkts in der Inneren Medizin beteiligt, zuletzt als Ko-Direktorin der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik. Neben den komplexen Erkrankungen der Nieren gehören die Transplantationsmedizin und die möglichen Komplikationen nach einer Nierentransplantation zu ihren Schwerpunkten in Klinik und Forschung. „Wir freuen uns, dass wir mit Prof. Weinmann-Menke eine klinisch exzellente Nephrologin und Transplantationsmedizinerin gewinnen konnten“, sagt Professor Dr. Dr. Jürgen Debus, Vorstand Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD). „Mit ihrer Expertise wird sie die Heidelberger Nephrologie weiter ausbauen und das Heidelberger Transplantationsprogramm gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen Fachbereiche stärken. Ihre Forschungsarbeit wird dazu beitragen, neue Therapiemöglichkeiten für Patientinnen und Patienten mit Nierenerkrankungen zu entwickeln.“ 

Darüber hinaus plant Prof. Julia Weinmann-Menke, in Heidelberg weitere nephrologische Spezialambulanzen aufzubauen, zum Beispiel für Patientinnen und Patienten mit glomerulären Nierenkrankheiten, bei denen die Filterfunktion der Nieren gestört ist. In diesem Zusammenhang ist es ihr ein wichtiges Anliegen, die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen in der Region zu pflegen und zu intensivieren. „Nephrologische Patientinnen und Patienten haben in der Regel mehrere Erkrankungen. Sie sind regelmäßig bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, die ihre Patienten entsprechend gut kennen – es ist wichtig, dass wir uns gegenseitig informiert halten“, so Prof. Weinmann-Menke. 

Ich möchte das differenzialdiagnostische Denken junger Medizinerinnen und Mediziner in den Fokus nehmen und sie befähigen, auch über die Fachgebietsgrenzen hinaus zu denken und zu forschen

Julia Weinmann-Menke

„In der Nephrologie sieht man immer den ganzen Patienten, denn bei den entzündlichen Systemerkrankungen kann jedes Organ betroffen sein“, beschreibt Prof. Julia Weinmann-Menke. Behandlungs- und Forschungserfolge beruhten auch auf einer guten Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachgebieten, insbesondere der Kardiologie. „Das funktioniert in Heidelberg sehr gut, und das möchte ich selbstverständlich fortführen. Dass die Klinik für Nephrologie in direkter Nachbarschaft von Chirurgie, Innerer Medizin und in Zukunft auch des neuen Herzzentrums liegt, ist für mich ein großes Geschenk.“ 

In der Lehre sei es ihr ein Anliegen, dass die angehenden Ärztinnen und Ärzte über den Tellerrand blicken – zum Beispiel durch gemeinsame Projekte mit Pflegepersonal, praktische Übungen mit Schauspieler-Patienten und die Möglichkeit für Studierende, frühzeitig zu forschen. „Ich möchte das differenzialdiagnostische Denken junger Medizinerinnen und Mediziner in den Fokus nehmen und sie befähigen, auch über die Fachgebietsgrenzen hinaus zu denken und zu forschen“, so die Professorin. In Mainz war Prof. Julia Weinmann-Menke seit 2017 Akademische Direktorin der Mainz Research School of Translational Biomedicine (TransMed) – ein multidisziplinäres Graduiertenprogramm, das Nachwuchsforschende aus Humanmedizin und Naturwissenschaften fördert und für den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Anwendung schult. Eine derartige Vernetzung und Qualifikation von Naturwissenschaftlern und Klinikern möchte sie auch in Heidelberg stärken. 

Durch die Einrichtung der W3-Professur für „Nephrologie“ an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg werden die Forschungsschwerpunkte – insbesondere in der Transplantationsimmunologie, bei Systemerkrankungen und in interdisziplinären Querschnittsbereichen – strategisch erweitert und gestärkt. Damit entsteht ein Umfeld, in dem translationale Ansätze weiterentwickelt und in die klinische Anwendung überführt werden können. 

„Mit Frau Prof. Julia Weinmann-Menke gewinnen wir eine ausgewiesene Expertin für unsere Fakultät, um innovative Forschungsvorhaben von der Grundlagenforschung bis hin zu klinischen Studien weiter auszubauen. Durch ihre Arbeit werden nicht nur Forschung und Lehre an der Medizinischen Fakultät Heidelberg gestärkt, sondern auch das Translations- und Transferpotenzial des Innovationscampus Health + Life Science Alliance Heidelberg Mannheim insgesamt“, sagt Professor Dr. Michael Boutros, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg. 

Neben Fragestellungen aus der Transplantationsmedizin liegt Prof. Weinmann-Menkes Forschungsschwerpunkt auf chronischen Nierenkrankheiten, von denen in Deutschland mehr als neun Millionen Menschen betroffen sind. Die Chronische Nierenkrankheit (Chronic Kidney Disease, CKD) und die glomerulären Nierenerkrankungen (Glomerunephritiden), hier insbesondere die Lupus-Nephritis, waren bereits in Mainz zentrale Forschungsthemen der Nephrologin. Glomerunephritiden sind komplexe entzündliche Erkrankungen der Glomeruli, der kleinsten Filtereinheiten der Niere. Eine dieser Erkrankungen ist die Lupus-Nephritis, die bei Patientinnen und Patienten mit der Autoimmunerkrankung „Systemischer Lupus erythematodes“ (SLE) auftritt. Die CKD bezeichnet einen langfristigen, über Monate bis Jahre fortschreitenden Verlust der Nierenfunktion. Ursachen können weit verbreitete Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus, aber auch seltene systemische Autoimmunerkrankungen wie die Lupus-Nephritis sein. Sie alle schädigen sukzessive die empfindlichen Filtergefäße der Nieren. Die CKD verursacht anfangs oft kaum Beschwerden, später unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Wassereinlagerungen (Ödeme), Juckreiz oder Übelkeit, was eine frühe Diagnose erschwert. Im fortgeschrittenen Stadium ist eine Blutwäsche (Dialyse) erforderlich. 


Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg 

27.02.2026

Verwandte Artikel

Photo

Dr. Maria Rosenthal

Neuen Therapien gegen Viren mit Pandemiepotenzial auf der Spur

Dr. Maria Rosenthal hat ihre Professur für Strukturelle Virologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf angetreten. Die Professur wird…

Photo

News • Forschung zu MicroOrganoSpheres

Darmkrebs: Mit 3D-Mikrotumoren zur passenden Therapie

MicroOrganoSpheres (MOS) – winzige 3D-Tumormodelle aus dem Tumorgewebe einzelner Patienten – sollen künftig zeigen, welche Chemotherapie gegen fortgeschrittenen Darmkrebs wirkt.

Photo

Prof. Dr. Alexander Mosig

Organ-Chips für Infektionsforschung ohne Tierversuche

Prof. Dr. Alexander Mosig hat seit diesem Monat die neu eingerichtete Professur für Tierversuchsersatzmethoden in der Infektions- und Entzündungsforschung am Universitätsklinikum Jena inne.

Newsletter abonnieren