plate partly filled with food, symbolising the concept of intermittent fasting

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News • Überraschendes Studienergebnis

Intervallfasten – Gefahr für die Herzgesundheit?

Eine Analyse von mehr als 20.000 US-Bürgern ergab, dass Menschen, die ihre tägliche Nahrungsaufnahme auf ein achtstündiges Zeitfenster begrenzen, eine höhere Wahrscheinlichkeit zeigten, an kardiovaskulären Erkrankungen zu sterben.

Die vorläufigen Forschungsergebnisse wurden jetzt auf dem Jahrestreffen der American Heart Association in Chicago vorgestellt. Sie stehen im Kontrast zu bisherigen Untersuchungen, die Intervallfasten vor allem mit gesundheitlichen Vorteilen wie besseren Blutdruck-, Blutzucker- und Cholesterinwerten in Zusammenhang bringen. 

"Die tägliche Essenzeit auf ein 8-Stunden-Fenster zu limitieren erfreut sich seit einigen Jahren zunhemender Beliebtheit, um dadurch Gewicht zu verlieren und die herzgesundheit zu verbessern", sagt Victor Wenze Zhong, Ph.D., Letztautor der neuen Studie und Leiter der Abteilung für Epidemiologie und Biostatistik an der chinesischen Shanghai Jiao Tong University School of Medicine. "Allerdings sind die Langzeiteffekte auf die Gesundheit bislang unbekannt – das gilt auch für das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen."

Obwohl diese Art von Diät aufgrund ihrer potenziellen kurzfristigen Vorteile beliebt ist, zeigt unsere Untersuchung eindeutig, dass sie im Vergleich zu einer typischen Essenszeit von 12-16 Stunden pro Tag nicht mit einem längeren Leben verbunden ist

Victor Wenze Zhong

In der neuen Studie untersuchten die Forscher die potenziellen langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen einer zeitlich begrenzten Ernährungsweise nach dem 16:8-Schema (tägliche Nahrungsaufnahme in einem achtstündigem Zeitfenster, gefolgt von einem 16-stündigen Essensverzicht). Sie überprüften die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmer an den jährlichen National Health and Nutrition Examination Surveys (NHANES) von 2003 bis 2018 – etwa 20.000 Erwachsene – und vergleichen sie mit den Menschen, die nach den Daten des National Death Index der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zwischen 2003 und Dezember 2019 in den USA gestorben sind. 

Die Analyse ergab, dass Menschen, die ihre gesamte Nahrung in weniger als acht Stunden pro Tag zu sich nahmen, ein 91% höheres Risiko hatten, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Ein derart erhöhtes Risiko  wurde auch bei Menschen mit einer Herzerkrankung oder Krebs festgestellt. Auch bei Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen war ein tägliches Essens-Zeitfenster zwischen acht und zehn Stunden mit einem 66% höheren Risiko verbunden, an einer Herzkrankheit oder einem Schlaganfall zu sterben. Andererseits fanden die Forscher keine Hinweise darauf, dass Intervallfasten das Gesamtrisiko für diese oder andere Todesursachen verringert. Zudem assoziierten sie bei Menschen mit Krebs ein geringeres Sterblichkeitsrisiko an Krebs, wenn diese ihre Nahrungsaufnahmen auf mehr als 16 Stunden pro Tag verteilten. 

"Wir waren überrascht, dass Menschen, die einen Essensplan nach dem 16:8-Muster einhielten, mit größerer Wahrscheinlichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen starben," kommentiert Zhong. "Obwohl diese Art von Diät aufgrund ihrer potenziellen kurzfristigen Vorteile beliebt ist, zeigt unsere Untersuchung eindeutig, dass sie im Vergleich zu einer typischen Essenszeit von 12-16 Stunden pro Tag nicht mit einem längeren Leben verbunden ist."

Der Studienleiter betont darüber hinaus, dass sich insbesondere Menschen mit bestehenden Herzerkrankungen oder Krebs sich dieses Zusammenhangs bewusst sein sollten. "Unsere Studienergebnisse könnten zu einem vorsichtigeren, individuelleren Ansatz bei Ernährungsempfehlungen beitragen, um sicherzustellen, dass sie mit dem Gesundheitszustand des Einzelnen und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen übereinstimmen." 

Obwohl in der Studie ein Zusammenhang zwischen einem 16:8-Intervallfasten und kardiovaskulärem Tod festgestellt wurde, bedeutet dies nicht, dass die zeitlich eingeschränkte Ernährung den kardiovaskulären Tod verursacht, gibt Zhong zu bedenken. Als Limitation nennt er, dass sich die Studie lediglich auf selbst gemachte Angaben der NHANES-Teilnehmer stützt und somit womöglich ein verzerrtes Bild der Ernährungsgewohnheiten liefert. Zudem wurden andere Faktoren, die neben der täglichen Essdauer und der Todesursache ebenfalls eine Rolle für die Gesundheit spielen können, nicht in die Analyse einbezogen. Die Rolle solcher Faktoren, erklären die Studienautoren, könnten im Rahmen künftiger Forschungsarbeit ausgewertet werden – ebenso, ob der beobachtete Zusammenhang auch in anderen Regionen auftritt. Auch Christopher D. Gardner, Ph.D. von der Stanford University, der den Abstract als Fellow der American Heart Associaten vorab begutachten konnte, zeigte sich gespannt auf die Präsentation der vollständigen Studie, deren Ansatz er als "interessant und provokativ" bezeichnete. 


Quelle: American Heart Association

19.03.2024

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