Gefahr liegt auf der Hand

Intensive Smartphone-Nutzung kann Armnerven schädigen

Mehr als 5.000 Mal täglich tippen intensive Smartphone-Nutzer auf den Touchscreen ihrer Mobiltelefone. Wie eine auf dem Kongress der European Academy of Neurology in Amsterdam vorgestellte Studie zeigt, kann diese Fingerakrobatik die Hand- und Armnerven erheblich belasten. Im schlimmsten Fall können intensive Nutzer ein Karpaltunnel-Syndrom entwickeln.

Auf ihrem 3. Kongress beschäftigt sich die European Academy of Neurology (EAN)...
Auf ihrem 3. Kongress beschäftigt sich die European Academy of Neurology (EAN) mit den schädlichen Auswirkungen des täglichen Smartphone-Gebrauchs.
Quelle: shutterstock/SFIO CRACHO

Smartphones sind aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Nutzten 2012 noch 1,06 Milliarden Menschen weltweit die Vorteile der mobilen Kommunikation, hatte sich ihre Anzahl in den nur vier Jahren bis 2016 auf 2,1 Milliarden verdoppelt. Wie US-amerikanische Marktforscher erhoben haben, surfen, liken und texten wir inzwischen durchschnittlich 145 Minuten pro Tag. Das belastet nicht nur Augen und die  Konzentrationsfähigkeit, sondern stellt auch hohe Anforderungen an die Motorik der Arme und Hände. Immerhin berühren Smartphone-Nutzer ihren Touchscreen im Durchschnitt 2.617 Mal pro Tag. Intensive Nutzer bringen es sogar auf täglich 5.427 – oder auf das Jahr hochgerechnet rund zwei Millionen – Fingerkontakte.

Türkische Forscher haben untersucht, ob diese extreme Fingerakrobatik negative Auswirkungen auf die Nerven der Hände und Arme haben kann. „Der Mediannerv ist hauptverantwortlich für die Muskelbewegungen, die wir bei der Benutzung von Smartphones ausführen“, erklären Dr. Faik Ilik von der Universität in Baskent und Dr. Huseyin Buyukgol von der Karatay Universität. „Wir wissen, dass die häufige Wiederholung von bestimmten Bewegungen zu einem Karpaltunnel-Syndrom führen kann und wollten herausfinden, ob die Smartphonenutzung einen solchen Effekt hat“. Dafür teilten die Wissenschafter insgesamt 62 Studienteilnehmer in drei Gruppen ein: 22 nutzten ein herkömmliches Mobiltelefon ohne Computerfunktionen, 19 pflegten einen moderaten und 22 weitere einen intensiven Umgang mit einem Smartphone. Danach wurden die Probanden gebeten, allfällige Schmerzen oder sonstige Probleme auf einer visuellen Skala (VAS) und mit einem speziellen Fragebogen zur Erfassung von Beschwerden der Arme, Schultern und Hände (Quick DASH - Disabilities oft Arm, Shoulder, Hand) zu bewerten. Zusätzlich wurde die Leitfähigkeit der Armnerven mit elektrophysiologischen Messungen erhoben.

Das auf dem 3. Kongress der European Academy of Neurology (EAN) in Amsterdam präsentierte Ergebnis werden nicht alle Handynutzer „liken“. „Es hat sich gezeigt, dass die Nutzung eines klassischen Mobiltelefons nur selten negativen Einfluss auf die Sensorik des Mediannervs oder die motorische Leitfähigkeit hat“, so Dr. Ilik. „Die intensive Verwendung eines Smartphones kann aber den Mediannerv ungünstig beeinflussen“. So stuften Mobiltelefonbenutzer ihre Beschwerden mit einen Q-Dash-Score von durchschnittlich 16,63 ein. Moderate Smartphone-Nutzer lagen etwas darunter, während Hardcore-Nutzer einen Wert von 19,80 erreichten. Zudem lag die motorische Leitfähigkeit bei den Vielsurfern rund zehn Prozent unter dem Wert der moderaten Nutzer. Um auszuschließen, dass individuelle Faktoren die Ergebnisse verfälschten, verglichen die Studienautoren aber nicht nur die Teilnehmergruppen untereinander, sondern erhoben auch die Unterschiede zwischen der gerätehaltenden und der anderen Hand. Auch dabei zeigte sich das gleiche Bild: So lag die Nervenleitfähigkeit der dominanten Hand bei den Heavyusern rund zwölf Prozent unter dem Wert der weniger strapazierten Hand.

 

Quelle: Pressestelle EAN Kongress

27.06.2017

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