Drei Mediziner sind an einem Schreibtisch vor einem Laptop versammelt, auf dem...
Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Carmen Villmann (Klinische Neurobiologie, UKW) entwickelte ein 3D-Zellkulturmodell, das die Veränderung des Netzwerks der Nervenzellen bei einem Brusttumor im Gehirn zeigt.

© Daniel Peter / UKW 

News • Veränderungen neuronaler Netzwerke

Hirnmetastasen nach Brustkrebs: 3D-Modell eröffnet neue Einblicke

Klinische Neurobiologie am UKW zeigt am 3D-Modell komplexen Prozess der Interaktionen von Brustkrebszellen im Gehirn

Hirnmetastasen bei Brustkrebs sind schwer zu behandeln und gehen mit einer schlechten Prognose einher. Eine aktuelle Studie von Esra Türker und Mateo Andrade Mier aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Carmen Villmann vom Würzburger Institut für Klinische Neurobiologie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) liefert neue Einblicke in die Frage nach den zellulären Partnern der Tumorzellen sowie deren Wechselwirkung mit dem umgebenden Hirngewebe. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Advanced Functional Materials veröffentlicht und auf der Rückseite des Einbandes visualisiert. 

Das Team um Carmen Villmann entwickelte ein 3D-Zellkulturmodell auf Basis eines speziellen Hydrogels, das wichtige Bestandteile der extrazellulären Matrix im Gehirn enthält, sowie strukturgebende Gerüste. In diese so genannten Scaffolds werden die verschiedenen Zelltypen eingebracht. Untersucht wurden HER2-positive Brustkrebszellen, die ein besonders hohes Risiko für Hirnmetastasen aufweisen. 

Die Forscher konnten zeigen, wie das Vorhandensein von Brustkrebszellen (lila)...
Die Forscher konnten zeigen, wie das Vorhandensein von Brustkrebszellen (lila) die Interaktion mit Neuronen und Astrozyten im Gehirn (türkis) verstärkt.

Bildquelle: Türker E, Andrade Mier MS, Faber J et al., Advanced Functional Materials 2026 (CC BY 4.0

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die aus der Brust stammenden Tumorzellen im Gehirn an ihre neue Umgebung anpassen und enge Kontakte zu Nervenzellen und Astrozyten ausbilden. Dabei nimmt die Aktivität der Nervenzellen deutlich zu. Elektronenmikroskopische Analysen deuten darauf hin, dass zwischen Tumorzellen und Hirnzellen synapsen-ähnliche Kontaktstellen entstehen, über die wachstumsfördernde Signale übertragen werden könnten. 

Auf Basis dieser Erkenntnisse eröffnen sich neue therapeutische Strategien: Künftig könnten Behandlungen darauf abzielen, zunächst diese Zellkontakte zu unterbrechen und erst anschließend die Tumorzellen gezielt zu zerstören. Das etablierte 3D-Modell eignet sich zudem für systematische Medikamententests und kann auf andere Tumorarten mit Hirnmetastasen übertragen werden. 


Quelle: Universitätsklinikum Würzburg 

24.02.2026

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