Prof. Harald Ehrhardt

Frühgeborene und ihre Familien im Fokus

Harald Ehrhardt hat zum 1. Februar die Professur für Neonatologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin übernommen.

Portraitfoto von Prof. Harald Ehrhardt
Prof. Harald Ehrhardt

© Charité | Katharina Kiebacher 

Mit der Berufung ist die Leitung der Klinik für Neonatologie am Campus Charité Mitte und am Campus Virchow-Klinikum verbunden. Er folgt auf Prof. Christoph Bührer, der die Klinik seit 2008 geleitet hat und nun in den Ruhestand geht. 

Etwa jedes zehnte Kind in Deutschland kommt zu früh zur Welt. Besonders Frühgeborene mit sehr niedrigem Geburtsgewicht benötigen eine intensive, multiprofessionelle Betreuung und gezielte Förderung in einer neonatologischen Spezialklinik. Mit bundesweit rund 65.000 Kindern pro Jahr bilden die Frühgeborenen die größte Patientengruppe innerhalb der Kinder- und Jugendmedizin. In der Klinik für Neonatologie der Charité arbeiten Ärzte, Pflegende und Mitarbeitende weiterer Fachdisziplinen mit großem Einsatz daran, für die Kinder die beste Versorgung sicherzustellen. Bei den Hochrisikofällen mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm ist die Neonatologie der Charité die führende Einrichtung in Deutschland. 

Prof. Ehrhardt ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit dem Schwerpunkt Neonatologie. Er wechselt vom Universitätsklinikum Ulm an die Charité. Dort hatte er zuletzt die Professur für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin inne sowie die Leitung der gleichnamigen Sektion an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. „Der Wechsel an die Charité ist für mich eine große Ehre und zugleich eine spannende neue Aufgabe“, sagt Prof. Ehrhardt. „Die Charité bietet hervorragende Voraussetzungen, um die Versorgung von Früh- und Neugeborenen kontinuierlich weiterzuentwickeln und Forschung, Lehre sowie die klinische Praxis noch enger miteinander zu verknüpfen.“ 

Neben der medizinischen Versorgung der Kinder ist es uns ein großes Anliegen, die Eltern ab dem Tag der Geburt eng in die Versorgung einzubeziehen und auch psychosozial zu unterstützen

Harald Ehrhardt

Bei sehr vielen Frühgeborenen, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren werden, ist die Lunge funktionell noch nicht vollständig entwickelt. „Eines unserer großen Ziele ist es, die Entwicklung der unreifen Lunge von Früh- und Neugeborenen so zu unterstützen, dass lebenslange Funktionseinschränkungen verhindert werden können“, betont Prof. Ehrhardt. Moderne und schonende Beatmungsstrategien spielen dabei eine zentrale Rolle: „Mit verbesserten, möglichst nicht-invasiven Beatmungsverfahren wollen wir die Spontanatmung der Kinder gezielt unterstützen, die Sauerstoffversorgung stabilisieren und so die Belastung insbesondere für die unreife Lunge und das sich entwickelnde Gehirn weiter reduzieren.“ 

Prof. Ehrhardt wird nach seinem Wechsel an die Charité die Forschung in europäischen und globalen Netzwerken weiter ausbauen. Er ist überzeugt, dass sich nur durch die enge Zusammenarbeit vieler Experten und führender Kliniken die Chancen für Frühgeborene und Kinder mit einem schwierigen Start ins Leben nachhaltig verbessern lassen: „Unsere aktuellen Forschungsergebnisse zeigen, dass die Unterschiede im Outcome bei kleinen Frühgeborenen zu einem beachtlichen Teil auf Differenzen in der Versorgung zurückzuführen sind. Diese Erkenntnis bietet die große Chance, die Perspektiven dieser Risikokinder kurzfristig und global zu verbessern.“ 

Eine Besonderheit in der neonatologischen Medizin ist der enge Kontakt mit den Eltern sowie die konsequente Einbindung der Familie in die Versorgung der Kinder auf den Intensiv- und Normalstationen. Der frühe Start ins Elterndasein trifft viele Familien unerwartet und ist häufig mit erheblichen emotionalen Belastungen verbunden. „Neben der medizinischen Versorgung der Kinder ist es uns ein großes Anliegen, die Eltern ab dem Tag der Geburt eng in die Versorgung einzubeziehen und auch psychosozial zu unterstützen“, erklärt Prof. Ehrhardt. Er fügt hinzu: „Wir möchten in weiteren Studien untersuchen, wie wirksam und nachhaltig die enge Zusammenarbeit auf der Station ist und wie wir die Entwicklung und Lebensperspektiven der Kinder nach der Entlassung in ein gut begleitetes häusliches Umfeld weiter verbessern können. Dafür benötigen Familien insbesondere in den ersten Lebensjahren eine engmaschige Begleitung und spezialisierte Betreuung.“ 

Wissenschaftlich ist Prof. Ehrhardt mit der Verbindung von grundlagenwissenschaftlicher und klinischer Forschung gut vorbereitet, neue Erkenntnisse in der Versorgung von Frühgeborenen zeitnah umsetzen zu können. In der Lehre, der postgradualen Aus- und Weiterbildung sowie der Nachwuchsförderung von Medizinern und Wissenschaftlern ist es dem gebürtigen Münchner besonders wichtig, schon die Studierenden frühzeitig für die universitäre Medizin und speziell für die Neonatologie zu begeistern. „Wichtig sind für uns eine praxisnahe Ausbildung, moderne Therapien und die Verknüpfung von Forschung und Klinik als Grundlage für die unmittelbare Überführung des medizinischen Fortschritts in den klinischen Alltag“, betont Prof. Ehrhardt. „Gleichzeitig sind kommunikative und soziale Kompetenzen unverzichtbar, um eine sichere, verantwortungsvolle und familienzentrierte Versorgung zu gewährleisten.“ 


Profil:

Harald Ehrhardt wird am 15. November 1972 in München geboren. 1993 beginnt er sein Studium der Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und promoviert dort im Jahr 2000. Von 2000 bis 2006 absolviert er am Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München als Assistenzarzt die Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, schon damals mit dem besonderen Schwerpunkt Neonatologie und Fokus auf die bestmögliche Versorgung kleiner Frühgeborener. Von 2006 bis 2012 arbeitet er am Perinatalzentrum Großhadern der LMU München als Oberarzt der Neonatologie. Dort leitet er u. a. die Arbeitsgruppe „Einfluss von Inflammation und Apoptose auf die Entstehung der chronischen Lungenerkrankung des Frühgeborenen“. Im April 2012 wechselt er als Leiter der Neonatologie an das Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen. 2015 habilitiert sich Harald Ehrhardt im Fach Kinder- und Jugendmedizin an der LMU München. Im Juni 2020 übernimmt er in Gießen die Professur für Neonatologie. Im Dezember 2022 folgt der Wechsel an das Universitätsklinikum Ulm, wo er als Leiter der Sektion Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin tätig ist und die gleichnamige Professur innehat. 


Quelle: Charité – Universitätsmedizin Berlin 

02.02.2026

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