Zöliakie-Diagnose

Gluten-Unverträglichkeit zuverlässig auch ohne OP erkennen

Über Jahrzehnte war eine Magenspiegelung bei Kindern und Jugendlichen unumgänglich, um die Diagnose einer Gluten-Unverträglichkeit zu bestätigen. Eine internationale Studie konnte nun zeigen, dass in über 50 Prozent der Fälle die Diagnose zuverlässig ohne diesen Eingriff gestellt werden kann.

Die ProCeDE Studie zeigt, dass die Kombination aus sehr hohen tTGA-IgA und...
Die ProCeDE Studie zeigt, dass die Kombination aus sehr hohen tTGA-IgA und positiven EMA-IgA in einer zweiten Blutprobe bei Kindern mit Symptomen eine sichere Zöliakie-Diagnose erlaubt.
Quelle: Photographee.eu / Shutterstock

Das Getreideeiweiß Gluten löst bei einer Zöliakie eine abnorme Reaktion des Immunsystems aus; die Dünndarmschleimhaut wird geschädigt. Etwa ein Prozent der Kinder und Jugendlichen in Europa sind von dieser Autoimmunkrankheit betroffen, die häufig im Kleinkindalter beginnt. Zur Diagnosestellung veranlasst der Arzt eine Blutuntersuchung auf Auto-Antikörper gegen Gewebs-Transglutaminase (tTGA-IgA). Das sind Eiweißstoffe, die Immunzellen gegen körpereigenes Gewebe im Darm bilden. Sind sie erhöht, ist eine Zöliakie sehr wahrscheinlich. Um den Verdacht zu bestätigen, wird eine Magenspiegelung mit Entnahme kleiner Gewebeproben aus dem oberen Dünndarm zum Nachweis der Darmschädigung vorgenommen. Bei Kindern wird die Untersuchung in Narkose durchgeführt.

Neue Kriterien – wirklich sicher?

In den vergangenen Jahren gab es bereits Hinweise, dass bei Kindern mit sehr hohen tTGA-IgA-Werten im Blut (über dem Zehnfachen des Normwertes) Darmbiopsien verzichtbar sind, wenn bestimmte zusätzliche Kriterien erfüllt waren. Dazu gehörten das Vorliegen von für Zöliakie verdächtigen Beschwerden, der Nachweis weiterer Auto-Antikörper (EMA-IgA) sowie genetischer Risikomarker (HLA-DQ2/DQ8). Die Europäische Gesellschaft für Kindergastroenterologie (ESPGHAN) schlug 2012 diese Kriterien für eine Zöliakie-Diagnose ohne Biopsien vor. Um die neuen Kriterien auch in der klinischen Praxis auf den Prüfstand zu stellen, initiierten Prof. Dr. Sibylle Koletzko, Leiterin der Kindergastroenterologie im Dr. von Haunerschen Kinderspital, und ihre Mitarbeiterin Dr. Katharina Werkstetter im November 2011 die große multizentrische Studie ProCeDE. Insgesamt 33 Kliniken aus 21 Ländern sammelten prospektiv Daten, Labor- und Gewebeproben von mehr als 700 Kindern und Jugendlichen mit positiven Zöliakie-Autoantikörpern.

Zuverlässige Ergebnisse

Die ProCeDE Studie zeigt, dass die Kombination aus sehr hohen tTGA-IgA und positiven EMA-IgA in einer zweiten Blutprobe bei Kindern mit Symptomen eine sichere Zöliakie-Diagnose erlaubt. Die Zuverlässigkeit war unabhängig vom Land und dem verwendeten serologischen tTGA-IgA Test. Dabei kamen in den Kliniken zehn und bei Überprüfung im Zentrallabor acht verschiedene Tests zum Einsatz. Alle Patienten, die die Kriterien für eine Diagnose ohne Biopsien erfüllten (399/707), wiesen die genetischen Risikomarker auf, d.h. ihre Bestimmung ist für die Diagnose überflüssig. Die Bestätigung der Auto-Antikörper in einer zweiten Blutprobe ist dagegen immer notwendig, um seltene aber mögliche Verwechslungen auszuschließen. Ist der tTGA-IgA-Wert über die Norm erhöht, liegt aber unterhalb des Zehnfachen des Grenzwertes, wird nach wie vor die Durchführung der Magenspiegelung empfohlen. "Die Ergebnisse schaffen endlich Klarheit und bestätigen das von der europäischen Fachgesellschaft vorgeschlagene Vorgehen", sagt Prof. Koletzko, Leiterin der Kindergastroenterologie im Dr. von Haunerschen Kinderspital am LMU-Klinikum. "Das erspart vielen Kindern die belastende Magenspiegelung mit Narkose. Außerdem führt das zu erheblichen Kosteneinsparungen im Gesundheitssystem, da neben der Magenspiegelung auch die teure genetische Analyse nicht notwendig ist".


Quelle: Klinikum der Universität München

04.07.2017

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