© Mirella Callage – unsplash.com

News • Cybersecurity für Neurotechnologien

Hirnimplantate im Visier von Hackern

Ein interdisziplinäres Team entwickelt Schutzmaßnahmen für Brain Computer Interfaces und andere Neurotechnologien.

Neurotechnologien wie Gehirn-Computer-Schnittstellen und neuromodulatorische Implantate haben sich rasant entwickelt. Was lange als Science-Fiction galt, findet heute Anwendung in der medizinischen Therapie – von der Wiederherstellung motorischer Funktionen bis hin zur Behandlung neurologischer Erkrankungen. Damit wächst jedoch auch eine bislang unterschätzte Herausforderung: die Cybersicherheit neurotechnologischer Systeme. Das Forschungsprojekt BrainGuard entwickelt neuartige Sicherheitskonzepte zum Schutz sensibler neuronaler Daten und vor Manipulationen. Es wird für drei Jahre im EFRE-Programm vom Land Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union gefördert. Beteiligt sind die Arbeitsgruppen der Ruhr-Universität Bochum um Projektleiter Prof. Dr. Christian Klaes und Prof. Dr. Christian Zenger sowie die Firmen PHYSEC und snap Discovery aus Bochum.

Unbefugter Zugriff könnte nicht nur hochsensible Informationen über Gedanken, Emotionen oder Intentionen offenlegen, sondern im schlimmsten Fall auch körperliche oder mentale Zustände beeinflussen

Christian Klaes

Brain-Computer Interfaces, kurz BCI, und neuromodulatorische Systeme lesen neuronale Signale aus und greifen teilweise direkt durch elektrische Stimulation in Gehirnprozesse ein. Diese Eigenschaften machen sie therapeutisch äußerst wirkungsvoll, zugleich aber anfällig für neuartige Cyberangriffe. „Je enger solche Geräte mit dem Nervensystem interagieren, desto größer sind die potenziellen Risiken bei unzureichender Absicherung“, sagt Christian Klaes, Leiter der Arbeitsgruppe Neurotechnologie der Ruhr-Universität Bochum. „Unbefugter Zugriff könnte nicht nur hochsensible Informationen über Gedanken, Emotionen oder Intentionen offenlegen, sondern im schlimmsten Fall auch körperliche oder mentale Zustände beeinflussen.“ Besonders bei implantierten Systemen wie der Tiefenhirnstimulation sind die möglichen Folgen gravierend. 

Im Mittelpunkt von BrainGuard steht daher der Aufbau eines systematischen Neuro-Cybersecurity-Ansatzes. Dieser verbindet technische, regulatorische und ethische Perspektiven und trägt der besonderen Sensibilität neuronaler Daten Rechnung. Das Projekt verfolgt dabei ein mehrstufiges Sicherheitskonzept: von der neuronalen Identifikation und Autorisierung über den datenschutzfreundlichen Umgang mit neuronalen Signalen bis hin zu umfassenden Schutzmaßnahmen gegen Cyberangriffe auf Hard- und Softwareebene. 

Portraitfoto von Prof. Dr. Christian Klaes
Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Christian Klaes ist Teil des Projektkonsortiums.

© RUB, Kramer 

„Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, wie neuronale Daten so verarbeitet werden können, dass ausschließlich die für eine medizinische Anwendung notwendigen Informationen genutzt werden – ohne unbeabsichtigt zusätzliche, hochpersönliche Inhalte preiszugeben“, erklärt Christian Zenger, Leiter der Arbeitsgruppe Secure Mobile Networking. Gleichzeitig werden neue Verschlüsselungs-, Authentifizierungs- und Monitoring-Verfahren entwickelt, die speziell auf implantierbare und vernetzte neurotechnologische Systeme zugeschnitten sind. 

Das Projekt reagiert auch auf bestehende regulatorische Unsicherheiten. Aktuelle gesetzliche Rahmenwerke sind häufig nicht spezifisch genug, um den Schutz neuronaler Integrität, mentaler Privatsphäre und individueller Autonomie angemessen zu berücksichtigen. BrainGuard leistet hier einen wichtigen Beitrag, indem es wissenschaftliche Grundlagen für zukünftige Standards und Richtlinien schafft und das Bewusstsein für Neuro-Cybersecurity stärkt. 

Mit BrainGuard wird ein zentraler Baustein für die verantwortungsvolle Weiterentwicklung der Neurotechnologie gelegt. „Nur wenn Sicherheit, Datenschutz und ethische Aspekte von Anfang an mitgedacht werden, kann das enorme Potenzial dieser Technologien langfristig und zum Wohle der Gesellschaft genutzt werden“, so Klaes. Angesichts eines stark wachsenden globalen Marktes unterstreicht BrainGuard die Dringlichkeit, Neurotechnologien nicht nur leistungsfähig, sondern auch sicher und vertrauenswürdig zu gestalten. 


Quelle: Ruhr-Universität Bochum 

02.03.2026

Verwandte Artikel

Photo

News • Fortschritte und Herausforderungen

Neuroprothesen: kein Implantat wie jedes andere

Gehirnimplantate gelten als Hoffnung für viele Patienten mit neurologischen Beeinträchtigungen. Forscher ordnen die wichtigsten Fortschritte und Herausforderungen der Technik ein.

Photo

News • Anpassung des Gehirns an CI-Hörprothese

Hören mit Cochlea-Implantat: Auf dem Weg zu genauerer Diagnostik

Ein Cochlea-Implantat verbessert das Sprachverständnis – aber nicht bei jedem gleichermaßen schnell und gut. Forscher untersuchen nun, wie sich das Gehirn an das elektrische Hören anpasst.

Photo

News • Hirn-Stimulation "on demand"

Forscher behandeln Depressionen per Hirn-Implantat

Forscher der University of California, San Francisco (UCSF) haben ein Hirnimplantat entwickelt, mit dem sie Depressionen erfolgreich behandeln konnten. Laut den Wissenschaftlern könnten gezielte…

Newsletter abonnieren