Studie

Frauen sterben häufiger an Aortendissektion

Frauen mit akuter Aortendissektion sind nicht nur älter, auch ist ihre Krankheit, wenn sie medizinische Hilfe suchen, fortgeschrittener als bei Männern. Folglich sterben sie auch wahrscheinlicher, wie eine Studie unter der Leitung des Brigham and Women's Hospital zeigt.

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Herz: Frauen erkranken häufig anders

Quelle: pixabay.com, OpenClipart-Vectors

Bei einer akuten Aortendissektion handelt es sich um einen spontanen und verhängnisvollen Riss in einer der Hauptarterien des Körpers. 40 Prozent der Patienten sterben sofort. Das Sterberisiko steigt mit jeder Stunde, in der sich Diagnose und OP verzögern, um rund ein Prozent.

Die Forscher haben die Interventional Cohort (IVC) der International Registry of Acute Aortic Dissection (IRAD) abgefragt, um geschlechtsspezifische Unterschiede beim Auftreten, dem operativen Ansatz und den Ergebnissen bei Patienten mit Typ A akuter Aortendissektion Typ A (TAAD) zu erforschen. IRAD ist weltweit der größte Zusammenschluss von Einrichtungen, der Daten zu den klinischen Aspekten von Aortendissektionen sammelt und analysiert. Daran sind 55 Institutionen in zwölf Ländern beteiligt. Die IVC wurde gegründet, um genauere Einblicke in die chirurgischen Techniken und Verfahren zu gewinnen.

In der IRAD-IVC Datenbank konnten die Experten 2.823 Patienten beobachten, die zwischen 1996 und 2018 eine akute Aortendissektion Typ A erlitten und bei denen ein operativer Eingriff oder ein chirurgischer Ansatz als Teil einer Hybridreparatur eingesetzt wurde. Rund 34 Prozent der Patienten waren Frauen. Obwohl sie seltener betroffen sind, waren die Patientinnen mit 65,4 Jahren respektive 58,6 Jahren bei Männern deutlich älter. Zudem waren auch ihre Symptome wie Hypotonie und mehr Hinweisen auf eine Malperfusion, einer verringerten Blutversorgung von wichtigen Organen, anders. Dazu kam mit 31,3 Prozent das häufigere Auftreten eines Schocks als mit 22,2 Prozent bei Männern sowie ein Koma bzw. eine veränderte Bewusstseinslage mit 11,5 respektive 7,5 Prozent bei Männern.

Im Zweifelsfall schnell handeln

Auch bei Tomografien fanden sich Unterschiede. Patientinnen erlitten mit 19,4 Prozent versus 13,2 Prozent bei Patienten eher intramurale Hämatome. Ähnliche Unterschiede konnten bei einer vollständigen Lumenthrombose (17,2 versus 10,2 Prozent), einer teilweisen (24,8 versus 19,4 Prozent) und einer falschen Lumenthrombose mit 24,8 versus 19,4 Prozent festgestellt werden. Laut Forschungsleiter Thomas G. Gleason kommen Frauen meist später in die Notaufnahme als Männer. Ärzte sollten daher auch bei nicht eindeutigen Symptomen früh eine Aortendissektion in Betracht ziehen und damit eine Verzögerung der Behandlung verhindern. Insgesamt verfügten die Teilnehmerinnen über eine erhöhte Sterblichkeit. 

Zur Studie

Quelle: Brigham and Women's Hospital

07.06.2021

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