Ein Stent auf Wanderschaft

Stentgrafts haben sich zur Behandlung von Aortenaneurysmen oder anderen Aortenanomalien gutbewährt, können jedoch im Laufe der Zeit brechen oder instabil werden. Mithilfe der CT-Angiographie (CTA) der Aorta kann frühzeitig festgestellt werden, ob die Gefäßprothese beschädigt oder instabil ist und ob bzw. welcher Korrektureingriff vonnöten ist.

Dr. Geoffrey Rubin
Dr. Geoffrey Rubin

Die CTA wird einer der zentralen Diskussionspunkte des 7. Internationalen Symposiums Mehrschicht CT in Garmisch-Partenkirchen sein. Einer der Pioniere der Multidetektor- Computertomographie (MDCT) zur Visualisierung des kardiovaskulären Systems ist Gastredner Dr. Geoffrey Rubin, Direktor der Radiologie der Duke University, Durham, North Carolina, USA. Er wird Fragen der Aorta- und peripheren CTA diskutieren. 

Rubin wird insbesondere auf die Bildgebung von Aorten-Stentgrafts eingehen, die zur Behandlung von Aortenaneurysmen und anderen Aortenanomalien implantiert wurden und zeigen, wie „die CT dazu beitragen kann, wesentliche Veränderungen dieser Prothesen zu erkennen“. Rubin, der Leiter der kardialen Bildgebung in der Radiologie an der Stanford University war, bevor er nach North Carolina wechselte, erläutert die potenziellen Schäden, die an Stentgrafts auftreten und massive Konsequenzen für den Patienten nach sich ziehen können.

„Stents können wandern“, erklärt er, „was dazu führt, dass erneut Druck auf das Aneurysma ausgeübt wird und es unter Umständen zu einer Ruptur kommt. Mithilfe der CT können jedoch feststellen, ob die Stents noch an Ort und Stelle und voll funktionsfähig sind.“ Je nachdem, welche Beschädigung der Stent aufweist oder wie schwerwiegend die Beschädigung ist – das akute Aortensyndrom stellt einen lebensbedrohlichen Notfall dar –
wird eine chirurgische oder radiologische Intervention erforderlich. „Welche Art von Eingriff dabei gewählt wird, hängt auch von dem jeweiligen Krankenhaus ab“, soder Experte. „Am Duke University Medical Centre tritt in diesen Fällen meist der Chirurg auf den Plan.“ 

Gating und Triggering spielen in der modernen kardiovaskulären CT eine bedeutende Rolle. Dabei wird die Bildakquisition von einem Signal des parallel zur Bildgebung aufgezeichneten EKGs ausgelöst. Gating-Techniken sind besonders hilfreich, da die Datenakquisition von der Bildrekonstruktion getrennt ist und letztere aus der Phase des Herzzyklus mit der geringsten Bewegung erfolgen kann, was Artefakte deutlich reduziert.

Im Fokus von Rubins Vortrag steht das kardiale Gating bei der Beurteilung der Aorta und der Aortenklappen, um Bewegungsartefakte zu unterdrücken und eine höhere Detailschärfe zu erzielen: „Mit dem kardialen Gating wird die Bewegung des Herzens mithilfe des CTScanners quasi eingefroren. Das heißt, wir erstellen über ein EKG ein Bild, das nicht durch die Herzbewegung beeinträchtigt wird. Die Technik hilft uns, Aorta und insbesondere Aortenklappen besser darzustellen.“

Die Gating-Technik wird auch angewendet, so Rubin weiter, „wenn bestimmte Gefäßanomalien an der Aortenwurzel, wie bikuspidale Aortenklappen, angenommen werden oder bei einer Aortendissektion oder einer valvulären Aortenstenose. Sie zeigt die Aortenwurzel deutlicher, was eine bessere Eingriffsplanung ermöglicht.“ Rubin ist überzeugt, dass die MDCT die optimale Modalität zur Beurteilung des akuten Aortensyndroms ist, da sie Lumen und Wand der Aorta und der Aortenwurzel sowie die Koron-ararterien insgesamt höchst detailliert abbildet, Blutungen zeigt und eine schnelle Bildakquisition ermöglicht, die auch für schwerstkranke Patienten geeignet ist.

 

Im Profil

Dr. Geoffrey Rubin ist seit August 2010 Direktor der Abteilung für Radiologie der Duke University in Durham, North Carolina. Mit seiner Forschung und seiner klinischen Arbeit war Rubin ein Wegbereiter der Spiral-CT und
der Multidetektor-CT (MDCT) in der Bildgebung des kardiovaskulären Systems.

Sein aktueller Forschungsschwerpunkt liegt auf der Verbindung von kardialer und pulmonaler CT und MRT in innovativen Bildverarbeitungstechniken zur Erkennung, Charakterisierung und Visualisierung von Strukturen zur Unterstützung der Diagnose und Therapieplanung.

Rubin ist derzeit Präsident der North American Society for Cardiovascular Imaging und der Society of Computed Body Tomography & Magnetic Resonance sowie Vorsitzender des Committee on Cardiovascular Imaging des American College of Radiology.

05.01.2012

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