Echokardiographie - die wichtigsten Basics für den Pädiater

Kinder- und Jugendmediziner sollten grundlegende Kenntnisse der Echokardiographie erwerben können.

Dr. Ulrich Schweigmann
Dr. Ulrich Schweigmann

0,8 Prozent aller Neugeborenen haben irgendeine Fehlbildung am Herzen, von ganz leichten bis hin zu schweren, komplexen Herzfehlern“, sagt Oberarzt Dr. Ulrich Schweigmann, Kinderkardiologe von der Universitätsklinik für Pädiatrie 3 der Medizinischen Universität Innsbruck: „Daher sollten nicht nur Kinderkardiologen in der Lage sein, zu erkennen ob ein Herz normal ausgebildet ist oder nicht, um das betroffene Kind im Fall des Falles einer weitergehenden kardiologischen Diagnostik zuzuführen.“ Zu diesem Zweck sollte in Schweigmanns Augen Pädiatern die Basics der pädiatrischen Echokardiographie – so auch der Titel seines Vortrages – zugänglich gemacht werden. Die Echokardiographie ist zwar keine Basisdiagnostik, sondern eine erweiterte Diagnostik, wird aber heute relativ großzügig, besonders in der Neonatologie und Intensivmedizin, eingesetzt. „Es geht nicht darum, dass jeder Kinderarzt in der Lage sein soll, einen komplexen Herzfehler auszudiagnostizieren“, bekräftigt der Kinderkardiologe.

Besonderheiten der Pädiatrischen Echokardiographie
Die Pädiatrische Echokardiographie unterscheidet sich ziemlich von der Kardiographie beim Erwachsenen. „Die Erkrankungen des kindlichen Herzens sind im Wesentlichen völlig andere als die klassischen kardiologischen Fragestellungen beim Erwachsenen“, erklärt Schweigmann: „Wir haben viel mehr mit morphologischen Fehlbildungsfragestellungen zu tun, wir haben eine andere Untersuchungssituation und wir haben einen anderen Umgang mit Invasivität – nämlich einen zurückhaltenderen Ansatz.“ Während Koronarerkrankungen für den Kardiologen zum täglichen Brot gehören, sind diese beim Kind sehr selten und kommen nur in Form von Fehlbildungen und entzündlichen Koronarveränderungen (z. B. beim Kawasaki-Syndrom) vor. Auch im Bereich der Herzmuskelerkrankungen ist das Spektrum unterschiedlich und die Verläufe sind ganz anders: In der Kinder- und Jugendmedizin sieht man viel raschere Krankheitsverläufe, aber auch eine viel höhere Erholungsrate.

Jedes Neugeborene wird klinisch untersucht, unter anderem auf auffällige Herzgeräusche. Allerdings ist der Auskultationsbefund einiger komplexer Herzfehler bei Neugeborenen oft unauffällig, etwa beim hypoklastischen Linksherzsyndrom mit noch offenem Ductus arteriosus Botalli. Daher sind neben der Auskultation zwei Untersuchungen ganz wichtig: erstens das Fühlen der Pulse an der unteren Extremität zum Erkennen abgeschwächter Pulse z.B. bei einer Aortenisthmusstenose sowie zweitens die screeningmäßige Sättigungsmessung zur Erkennung zyanotischer Herzfehler. Dabei wird an der rechten Hand (präduktal) und an der unteren Extremität (postduktal) die transkutane Sauerstoffsättigung gemessen; bei Sättigungswerten anhaltend (>1 Minute) unter 95 Prozent ist eine Echokardiographie indiziert.

Echokardiographie hat sich stark entwickelt
Die Technik hat sich in den letzten Jahren rasend schnell verbessert. „Die aktuellen Echokardiographiegeräte bieten eine Bildqualität, die wir uns vor 15 Jahren nicht hätten vorstellen können“, unterstreicht Schweigmann. Basis der echokardiographischen Diagnostik sind nach wie vor das zweidimensionale Bild mit Farbdoppler und Spektraldoppler. Die größten Einschränkungen des Verfahrens bestehen bei Kleinkindern in der mangelnden Kooperation. „Wir machen nur sehr ungern Untersuchungen in Sedierung“, sagt der Innsbrucker Kinderkardiologe „Da ist viel Einfühlungsvermögen gefragt, um die Kinder bei Laune zu halten!“. Die 3DEchokardiographie sei für das Kindesalter vorerst nur sehr eingeschränkt sinnvoll: „Die Auflösung und die Größe der Schallköpfe für Kinder sind noch ziemlich unbefriedigend.“

Ein etwas heikles Thema auch in Österreich ist die Zertifizierung in Sachen Pädiatrische Echokardiographie. Die Österreichische Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (ÖGUM) bietet für die Pädiatrische Echokardiographie eine Drei-Stufen-Zertifizierung an. Die Kinderkardiologen hingegen orientieren sich in der Praxis an den Empfehlungen der europäischen kardiologischen Fachgesellschaften AEPC und ESC. Dazu Schweigmannn: „Das Drei-Stufen-Konzept der ÖGUM ist ja etwas Sinnvolles. Man muss es aber auch leben und in einen gemeinsamen Kontext mit den kardiologischen Arbeitsgruppen und Fachgesellschaften bringen. Ich hoffe, dass es uns in absehbarer Zeit gelingen wird, gemeinsam zertifizierte Kurse für Pädiatrische Echokardiographie anzubieten und zu gemeinsamen Qualitätsstandards zu kommen.“

Im Profil:
Dr. Ulrich Schweigmann ist seit 2008 leitender Oberarzt der Ambulanz für Pädiatrische Kardiologie der Universitätskinderklinik Innsbruck – eine Position, die er schon von 2000 bis 2005 innehatte. Zwischenzeitlich war er zuständig für die intensivmedizinische Betreuung der kinderkardiologischen Patienten in Innsbruck. Der Fokus des Facharztes für Kinderheilkunde mit Schwerpunkt Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin, der in seiner Geburtsstadt Hannover studierte und in Passau, Leipzig und Berlin ausgebildet wurde, liegen auf Echokardiographie (inklusive Fetaler Echokardiographie), Herzkatheter/Interventionen, Schrittmachertherapie (Implantierbare Cardioverter Defibrillatoren, ICD), Pädiatrisch- Kardiologische Intensivmedizin sowie Herzinsuffizienz und mechanische Kreislaufunterstützung.

Veranstaltung:
Saal Igls
Mi., 29.10., 15:30–16:00 Uhr
Basics der pädiatrischen
Echokardiographie
für den Nichtkardiologen U.
Schweigmann, Innsbruck (AT)
Session: Pädiatrie, Teil 4:
Kinderkardiovaskulärer
Ultraschall (AWS5)

24.10.2014

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