Die schonende Alternative

CT-Koronarangiographie bei Untersuchungen im Herzkatheterlabor

PD Dr. Thomas W. Schlosser vom Universitätsklinikum Essen wurde für seine Forschung über die Herzbildgebung mit dem Röntgenpreis 2012 ausgezeichnet

PD Dr. Thomas W. Schlosser
PD Dr. Thomas W. Schlosser

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen mit Abstand zu den häufigsten Todesursachen in den Ländern der westlichen Welt. Dazu gehören auch Erkrankungen, deren frühzeitige Entdeckung eine wichtige Aufgabe der Herzbildgebung ist – insbesondere Verengungen der Herzkranzgefäße. Zumeist wird die Diagnose im Herzkatheterlabor gestellt. Dieses für den Patienten belastende Untersuchungsverfahren hat mit der Weiterentwicklung der Computertomographie eine schonende Alternative bekommen. In unterschiedlichen Studien konnte PD Dr. Thomas W. Schlosser, Leitender Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie am Universitätsklinikum Essen, zeigen, dass die CT-Koronarangiographie dem Herzkatheter bei vielen Fragestellungen ebenbürtig ist und mit einer geringen Belastung für den Patienten verbunden ist.
Im Rahmen seiner kumulativen Habilitationsarbeit ging PD Dr. Schlosser verschiedenen Fragen nach. Er untersuchte unter anderem die Einflussfaktoren für die Beurteilbarkeit von Koronarstents im CT und analysierte die links- und rechtsventrikuläre Funktion aus CT-Koronarangiographie-Datensätzen. Durch die Quantifizierung des Koronarkalks mittels CT ließen sich zudem Rückschlüsse auf das Herzinfarktrisiko der Patienten ziehen. „Bei technisch adäquater Untersuchung und einem unauffälligen Befund können durchblutungsrelevante Verengungen und arteriosklerotische Wandveränderungen der Koronararterien sicher ausgeschlossen werden, was die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts minimiert“, erklärt PD Dr. Schlosser. Im Rahmen der CT-Untersuchungen können die Herzkranzgefäße direkt dargestellt werden – eine Aufgabe, die sonst von der invasiven Koronardiagnostik, also im Herzkatheterlabor, wahrgenommen wird. Bei einem Vergleich beider Methoden konnte nachgewiesen werden, dass mittels CT Engstellen der Herzkranzgefäße, die zu einer Minderdurchblutung des Herzmuskels führen, mit sehr hoher Genauigkeit einerseits ausgeschlossen und andererseits auch nachgewiesen werden können.
In Deutschland werden etwa 700.000 Untersuchungen pro Jahr im Herzkatheterlabor durchgeführt. Fast zwei Drittel der Untersuchungen sind diagnostischer Art und nur ein Drittel erfolgt im Rahmen einer Intervention. „Das häufigste Ergebnis dieser Untersuchungen ist ein unauffälliger Befund, also der Ausschluss einer koronaren Herzerkrankung – und genau diese Patienten würden wir natürlich gern im CT untersuchen, weil wir mit einer entsprechend hohen diagnostischen Genauigkeit zu dem gleichen Ergebnis kommen können. Da eine Untersuchung ohne auffälligen Befund ohne Konsequenzen im Herzkatheterlabor bleibt, könnte den Patienten diese nicht risikolose Untersuchung erspart werden“, so der Experte. Die Arbeit von PD Dr. Schlosser liefert damit einen weiteren Beitrag zur Etablierung der CT bei Herzuntersuchungen, wie sie in den gemeinsamen Richtlinien der Deutschen Röntgengesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in diesem Jahr festgeschrieben wurde.
Dosisreduktion als Motor der CT-Angiographie
Die Etablierung der Computertomographie bei Herzuntersuchungen wurde maßgeblich durch die großen Fortschritte in der CT-Technologie ermöglicht. Neben der deutlich besseren räumlichen und zeitlichen Auflösung, weniger Bewegungsartefakten und einem schärferen Kontrast hat die Dosisreduktion maßgeblich zur Etablierung der Koronar-CT beigetragen. „Vor zehn Jahren betrug die Strahlenbelastung bei der CT-Angiographie noch ungefähr 15 mSv und vor etwa fünf bis sechs Jahren noch etwa 7 mSv. Mit den neuesten Geräten kann man Untersuchungen im Bereich von 1 mSv und darunter durchführen, ohne dass die Bildqualität leidet. Damit liegt die Strahlenexposition deutlich unter dem Wert einer Katheteruntersuchung von 3 bis 5 mSv und auch unter dem Wert der natürlichen jährlichen Strahlenexposition von 3 mSv“, resümiert der Röntgenpreisträger 2012.
Der eigentliche Scanvorgang dauert bei modernen Geräten heute nur noch wenige Sekunden. Im Universitätsklinikum Essen steht PD Dr. Schlosser mit dem Somatom Definition Flash das neueste Highend-Gerät von Siemens mit Dual-Source-Technologie (2 x 128 Zeilen) zur Verfügung. PD Dr. Schlosser schätzt nach eigenen Worten die Weiterentwicklung der Technik sehr, da sie aufgrund einer damit verbundenen exzellenten Bildqualität die Auswertung der CT-Untersuchungen ungemein vereinfacht. Er selbst konnte diese Entwicklung der Technik im Laufe seiner Studien selbst sehr gut beobachten.
Die unbestreitbaren Vorteile der CT-Koronarangiographie haben inzwischen auch zu einer hohen Akzeptanz bei den Kardiologen geführt, die dem Verfahren zunächst kritisch gegenüberstanden. Die CT-Koronarangiographie ist ein konkurrenzlos gutes nichtinvasives Verfahren zur Beurteilung der Herzkranzgefäße. „Die MRT kann prinzipiell auch die Koronararterien darstellen, allerdings ist das Verfahren noch nicht so robust wie bei der CT. Die MRT eignet sich gut für die Darstellung von Gefäßanomalien, jedoch ist sie für den Nachweis von Verengungen der Herzkranzgefäße noch nicht genügend ausgereift. Die Stärken der MRT liegen ganz eindeutig in der Funktionsanalyse des linken und rechten Ventrikels und in der Darstellung des Myokards, um zum Beispiel kleinere Herzinfarktnarben sichtbar zu machen und um die Durchblutung des Herzmuskels zu bestimmen“, so PD Dr. Schlosser.
Mit der CT-Koronarangiographie steht mittlerweile ein Verfahren zur Verfügung, das mit sehr hoher Genauigkeit Stenosen der Herzkranzgefäße nachweisen und ausschließen kann. Sie erreicht bei Ausschluss von signifikanten Stenosen die gleiche Genauigkeit wie der Herzkatheter, sodass es sich hierbei um zwei vergleichbare Verfahren handelt. Mittels der CT können zudem bereits kleinste Veränderungen der Herzkranzgefäße – im Grunde schon der Beginn der Arteriosklerose – nachgewiesen werden. Im gleichen Untersuchungsgang können zudem auch die Funktion des Herzens und gegebenenfalls koronare Bypässe dargestellt werden – und das seit etwa zwei Jahren mit einer sehr niedrigen Dosis im Bereich von 1 mSv und darunter.

Im Profil
PD Dr. Thomas W. Schlosser absolvierte sein Medizinstudium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Bereits während seines praktischen Jahres erwachte seine Vorliebe für die Radiologie. Von 1996 bis 2002 war er Mitglied der Arbeitsgruppe „Experimentelle und klinische Echokardiographie“ am Universitätsklinikum Bonn. Seine Facharztausbildung absolvierte er am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie des Universitätsklinikums Essen, wo er seit 2011 auch Leitender Oberarzt ist.
BU: CTA-Bilder eines 54-jährigen Patienten mit atypischen Thoraxschmerzen. Zum Ausschluss einer koronaren Herzerkrankung wurde eine CT-Koronarangiographie durchgeführt. Die Bilder zeigen eine normale Anatomie der Koronararterien. Darüber hinaus konnten Stenosen der Herzkranzgefäße sicher ausgeschlossen werden.
 

29.10.2012

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