CAR-T-Zelltherapie

Die nächste Stufe der Immuntherapie

Gerade erst wird in der Krebsmedizin eine neue, aufwändige Therapie etabliert – die sogenannte CAR-T-Zelltherapie (Chimäre AntigenRezeptor-T-Zellen).

Dabei werden körpereigene Immunzellen, die T-Zellen, gentechnisch außerhalb des Körpers so verändert, dass sie anschließend aggressiver gegen den Krebs vorgehen. Das Immunsystem des Patienten wird gleichermaßen scharf geschaltet. Sowohl die Behandlung in der Klinik als auch die gentechnische Manipulation der T-Zellen, die in speziellen Zentren stattfindet, sind komplexe Prozesse. Sie ermöglichen jedoch bei einigen Krebsformen, wie der akuten lymphatischen Leukämie (ALL), eine neue Behandlungsoption. Bislang standen lediglich Chemotherapie und Stammzelltransplantation zur Verfügung, die in vielen Fällen auch ausreichen. Einigen Patienten kann damit jedoch nicht mehr geholfen werden, sodass die Immuntherapie hier einen enormen Fortschritt bedeutet – auch wenn nicht alle Patienten davon profitieren können.

Photo
Prof. Dr. Sebastian Kobold
Quelle: Klinikum der Universität München

Am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München wird diese Therapieform sowohl in der Erwachsenenmedizin (Medizinische Klinik III) wie auch in der Kinderheilkunde (Dr. von Haunersches Kinderspital) eingesetzt. Das LMU Klinikum ist eines der besonders spezialisierten Unikliniken in Deutschland und Europa, das beide Therapieformen anbieten kann. Dazu wurden unter Einbindung mehrerer Fachgebiete Kompetenzstrukturen aufgebaut, wodurch Patienten in allen Phasen medizinisch begleitet werden können – und damit bestmögliche Qualität und Sicherheit bieten. Beteiligt sind die Transfusionsmedizin, die Onkologie und Kinderonkologie, die Intensivmedizin, die Neurologie sowie die Apotheke. Von der Betreuung bei der Eingangsuntersuchung, der Patientenaufklärung und Therapievorbereitung sowie der Entnahme der T-Zellen über die Infusion der außer Haus genveränderten Zellen bis hin zur Intensivmedizin und Neurologie sind damit alle Schritte abgedeckt.

Photo
Quelle: Klinikum der Universität München

Erste erfolgreiche Behandlungen mit dieser Immuntherapie konnten bereits realisiert werden. Doch damit nicht genug. Zeitgleich arbeiten Ärzte sowie Wissenschaftler in den Laboren des LMU Klinikums an der Verbesserung der immuntherapeutischen Methoden. Prof. Dr. Sebastian Kobold und sein Team (C. Karches und M. Benmebarek) von der Abteilung für Klinische Pharmakologie (Prof. Dr. Stefan Endres) haben nun einen Ansatz entwickelt, der eine Weiterentwicklung der immunonkologischen Verfahren darstellt. Dabei kommen doppelt-spezifische Antikörper zum Einsatz, mit denen gentechnisch modifizierte Immunzellen (T-Zellen) gezielt aktiviert werden und noch besser die Krebszellen aufspüren und zerstören können. Die T-Zellen selbst sind so modifiziert, dass sie alleine keine Wirkung und auch keine Nebenwirkung haben können. Sie benötigen den spezifischen Antikörper als Vermittler. Mit dieser Methodik könnte die T-Zelltherapie sicherer werden und die Hoffnung ist, dass damit auch schwere Nebenwirkungen weitgehend vermieden werden können. Noch handelt es sich um einen präklinischen Ansatz, vorrangig mit dem Fokus auf solide Tumore, vor allem Bauchspeicheldrüsenkrebs. "Doch in einigen Jahren", hofft Prof. Dr. Kobold, "könnte man in klinischen Versuchen testen, ob die Immuntherapie bei Krebs mit Hilfe der doppelt-spezifischen Antikörper der nächste Schritt hin zur Präzisionsmedizin sein kann."

Die wissenschaftliche Studie mit dem Titel "Bispecific antibodies enable synthetic agonistic receptor-transduced T cells for tumor immunotherapy" wird im Journal Clinical Cancer Research veröffentlicht.


Quelle: Klinikum der Universität München

17.07.2019

Mehr aktuelle Beiträge lesen

Verwandte Artikel

Photo

Hirntumoren

Typische Mutation in Krebszellen legt das Immunsystem lahm

Der Austausch eines einzelnen Aminosäurebausteins in einem Stoffwechselenzym kann nicht nur den Grundstein für eine Krebserkrankung legen. Er kann auch das Immunsystem aushebeln. Damit blockiert er…

Photo

T-Zellen und Medikation gegen AML

Erfolgreiche Kombinations-Therapie bei aggressiver Leukämie

Forscher des Universitätsklinikums Freiburg haben eine neue, sehr wirksame Therapie für die häufigste Leukämie bei Erwachsenen gefunden, die Akut Myeloische Leukämie (AML). Bei etwa jedem achten…

Photo

Onkologie

Krebs bekämpfen mit Diabetes- und Bluthochdruckmedikamenten

Mit einer Kombination aus einem Diabetesmedikament und einem Blutdrucksenker können Krebszellen effektiv bekämpft werden. Das Forscherteam unter der Leitung von Prof. Michael Hall vom Biozentrum…

Verwandte Produkte

Beckman Coulter – Access 25(OH) Vitamin D Total

Immunoassays

Beckman Coulter – Access 25(OH) Vitamin D Total

Beckman Coulter, Inc.
Beckman Coulter – Access Active B12

Immunoassays

Beckman Coulter – Access Active B12

Beckman Coulter, Inc.
Beckman Coulter – Access Procalcitonin (PCT)

Immunoassays

Beckman Coulter – Access Procalcitonin (PCT)

Beckman Coulter, Inc.
Beckman Coulter – Anti-Mullerian Hormone (AMH)

Immunochemistry

Beckman Coulter – Anti-Mullerian Hormone (AMH)

Beckman Coulter, Inc.
Beckman Coulter – phi (Prostate Health Index)

Immunochemistry

Beckman Coulter – phi (Prostate Health Index)

Beckman Coulter, Inc.