News • CIK-Killerzellen gegen aggressiven Blutkrebs
Neue Zelltherapie zeigt vielversprechende Ergebnisse gegen Leukämie-Rückfälle
Erfolgreiche Testung eines neuen Zelltherapeutikums in früher klinischer Studie

Bildquelle: Universitätsmedizin Frankfurt; Foto: privat
Ein Forschungsteam aus der Universitätsmedizin Frankfurt um Prof. Dr. Eva Rettinger, Advanced Clinician Scientist und Oberärztin in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, konnte in einer frühen klinischen Studie erstmals die Sicherheit und Wirksamkeit einer von ihrer Arbeitsgruppe neu entwickelten Zelltherapie mit Zytokin-induzierten Killerzellen (CIK-Zellen) in der Behandlung von Menschen mit aggressivem Blutkrebs nachweisen. Die Ergebnisse der klinischen Studie wurden nun in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology publiziert.
Patientinnen und Patienten mit einer Hochrisiko-Leukämie-Erkrankung erhalten meist eine allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation: Gesunde Blutstammzellen eines Fremdspenders werden auf die erkrankte Person übertragen, um deren entartete Blutzellen zu ersetzen und das Immunsystem wieder in die Lage zu versetzen, Krebszellen zu kontrollieren. Nach der Stammzelltransplantation können die Patientinnen und Patienten zusätzlich Lymphozyten – spezialisierte weiße Blutkörperchen – des Spenders erhalten, um den Erfolg der Stammzelltransplantation zu unterstützen. Die Spenderlymphozyten fördern beim Empfänger den Aufbau eines neuen Immunsystems, das verbliebene Tumorzellen vernichtet (graft-versus-leukemia effect). In manchen Fällen greifen die Spenderlymphozyten jedoch das Gewebe des Empfängers an (graft-versus-host disease), oder es kommt zu einem Rückfall der Erkrankung, da nicht alle Tumorzellen vollständig beseitigt wurden. In diesem Fall sind die therapeutischen Optionen stark eingeschränkt, weshalb die Stabilisierung des Transplantationserfolgs und damit die Prävention eines Rückfalls von großer Bedeutung ist.
Unser Zellprodukt hat sich in dieser frühen Phase als sicher und wirksam in der Anwendung beim Menschen erwiesen, sodass nun weitere klinische Studien mit einer größeren Zahl von Patientinnen und Patienten vorbereitet werden können
Eva Rettinger
Genau hier setzt die Forschung des Teams um Prof. Dr. Eva Rettinger an: Ziel ist es, die Nebenwirkungen zu reduzieren und gleichzeitig die antitumorale Wirkung der Spenderlymphozyten zu verstärken. Erste Studien in präklinischen Modellen sowie bei einzelnen Patientinnen und Patienten deuteten darauf hin, dass der Therapieerfolg einer Stammzelltransplantation verbessert und diese Zellen sicher verabreicht werden können, wenn sie zuvor in Kultur gezielt aktiviert wurden.
Weiterführende Untersuchungen zeigten, dass diese aktivierten Zellen sowohl die gewünschten immunologischen T-Zell-Eigenschaften aufweisen als auch eine den natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) ähnelnde leukämiezellschädigende Wirkung besitzen. Diese Zellpopulation – sogenannte Zytokin-induzierte Killerzellen (cytokine-induced killer cells, kurz CIK-Zellen) – richtet sich gezielt gegen Leukämiezellen, und verursacht dabei sogar im Rahmen einer Stammzelltransplantation mit nur teilweise passenden Merkmalen weniger Nebenwirkungen und Komplikationen als herkömmliche, unbehandelte Spenderlymphozyten.
Prof. Dr. Eva Rettinger und ihr Team konnten in Vorarbeiten zur aktuellen klinischen Studie zeigen, dass eine Stimulation mit Interleukin-15 (IL-15) – einem Signalprotein, das Immun- und Entzündungsreaktionen steuert – zur Ausbildung der gewünschten CIK-Zell-Funktion führt. Im Vergleich zu konventionellen, mit IL-2 stimulierten CIK-Zellen zeigten IL-15-aktivierte CIK-Zellen deutlich verbesserte Eigenschaften hinsichtlich ihrer Vermehrung, ihres Überlebens sowie ihrer leukämiezellschädigenden Wirkung.
In einem zweiten Schritt wurde dieses in Frankfurt neu entwickelte Zelltherapeutikum in einer multizentrischen Phase-I/II-Studie mit 53 Patientinnen und Patienten, darunter auch mehrfach stammzelltransplantierten Kindern, in insgesamt fünf Studienzentren erprobt. Dabei zeigte sich, dass die CIK-Zell-Therapie ein Wiederauftreten der Leukämie in Abhängigkeit vom Schweregrad und Ausmaß der Erkrankung bei Therapiebeginn über einen längeren Zeitraum verhinderte und damit den langfristigen Erfolg der Stammzelltransplantation stabilisieren konnte. Außerdem verursachte die Therapie mit IL-15-aktivierten CIK-Zellen deutlich weniger schwere Nebenwirkungen als in diesem Hochrisiko-Setting eingesetzte konventionelle Spenderlymphozyten.
„Dass dieses Zelltherapeutikum in Frankfurt entwickelt und anschließend auch hier in einer klinischen Studie geprüft wird, ist ein besonders schönes Beispiel für erfolgreiche Translation“, betont Prof. Dr. Eva Rettinger. „Der Standort Frankfurt bietet dafür hervorragende Voraussetzungen von exzellenter Grundlagenforschung über präklinische Modelle bis hin zu einer starken Infrastruktur für frühe klinische Studien. Diese enge Verzahnung ermöglicht es uns, neue Therapieansätze rasch vom Labor in die klinische Anwendung zu überführen“, ergänzt Prof. Dr. Peter Bader, Leiter des Schwerpunkts Stammzelltransplantation und Immunologie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.
„Die Ergebnisse dieser frühen klinischen Studie stimmen uns hoffnungsvoll, dass der Einsatz von IL-15-aktivierten CIK-Zellen künftig als alternative Behandlungsoption zur konventionellen Lymphozytengabe das Risiko eines Wiederauftretens der Leukämie nach einer Stammzelltransplantation deutlich verringern kann. Unser Zellprodukt hat sich in dieser frühen Phase als sicher und wirksam in der Anwendung beim Menschen erwiesen, sodass nun weitere klinische Studien mit einer größeren Zahl von Patientinnen und Patienten vorbereitet werden können“, so Prof. Dr. Eva Rettinger weiter.
Finanziert wurden die präklinischen Testungen und die Studie unter anderem durch Fördermittel des LOEWE-Zentrums für Zell- und Gentherapie Frankfurt (Förderzeitraum 2011 bis 2018) sowie durch die Else Kröner-Fresenius-Stiftung. Darüber hinaus wurde Prof. Dr. Eva Rettinger zur Durchführung ihrer Forschungsarbeiten neben der klinischen Tätigkeit durch das Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum (MSNZ) Frankfurt-Marburg sowie durch den Verein Hilfe für krebskranke Kinder e.V. unterstützt.
Über die Studie
Die Studie ist ein Ergebnis enger interdisziplinärer Zusammenarbeit innerhalb des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT) der Universitätsmedizin Frankfurt, unter Leitung von Prof. Dr. Eva Rettinger, Oberärztin und Advanced Clinician Scientist in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin (Direktor Prof. Dr. Jan-Henning Klusmann, Leitung der Stammzelltransplantation Prof. Dr. Peter Bader), und dem Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie Frankfurt des DRK-Blutspendediensts Baden-Württemberg – Hessen (Direktor Prof. Dr. Torsten Tonn), wo das Zellprodukt unter der Verantwortung von Prof. Dr. Dr. Halvard Bönig unter strengen Qualitäts- und Sicherheitsstandards für Arzneimittel gleichbleibend hochwertig produziert wurde. Die präklinische Testung fand zudem in Kooperation mit dem Georg-Speyer-Haus, Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie, statt. Die klinische Erprobung der IL-15-aktivierten CIK-Zellen wurde unter anderem im Rahmen von Einzelheilversuchen sowie in der vorliegenden Phase-I/II-Studie in fünf Studienzentren durchgeführt (Leitung: Prof. Dr. P. Bader/Prof. Dr. E. Rettinger, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie Prof. Dr. H. Serve/PD Dr. G. Bug, Medizinische Klinik 2, Universitätsmedizin Frankfurt; Prof. Dr. R. Meisel, Universitätsklinikum Düsseldorf; PD Dr. J. Greil, Universitätsklinikum Heidelberg; Dr. E. M. Wagner-Drouet, Universitätsmedizin Mainz).
Quelle: Universitätsmedizin Frankfurt
12.04.2026



