Moderne Arbeit

„Die Ausbildung muss mit der digitalisierten Welt harmonieren“

Jeder benutzt digitale Technik, doch verstehen wir sie wirklich? Michael Engelhorn vom ExperMed Consulting Team meint: Nein. Denn in Krisensituation sehen wir oft nur einen Ausschnitt und nicht das große Ganze. Dies kann zu ernsten Problemen führen. Wie man die Probleme eindämmen kann, erklärt er im Gespräch mit uns.

Interview: Simone Ernst

In Notfallsituationen ist ein kühler Kopf wichtig.
In Notfallsituationen ist ein kühler Kopf wichtig.
Quelle: (c) Bildagentur PantherMedia - 13643596 / brijit vijayan

Herr Engelhorn, sind wir nicht alle schon längst und selbstverständlich in der digitalisierten Arbeitswelt angekommen?

Das glauben wir, aber es ist nicht so. Wir nutzen zwar die Technologie schon seit vielen Jahren, wissen aber immer noch nicht, wie wir richtig damit umgehen sollten. Denn nach wie vor kommt es zu „‚verdeckten“ Überraschungen, die dazu führen, dass Nutzer nicht richtig reagieren. Denken Sie nur an die NSA-Spähaffäre. Viele wissen offenbar nicht, wie sie am besten ein sicheres Telefonat führen oder wie es gelingt, keine Datenspuren zu hinterlassen. Wir scheinen oftmals nicht über den Tellerrand hinaus schauen zu können. Es gibt zu viele Facetten, die berücksichtigt werden müssen. Ein Beispiel:  wenn ich eine Maschine bediene, weiß ich eigentlich kaum etwas darüber, wie sie funktioniert. Und wenn sie defekt ist, weiß ich in der Regel nicht, wie ich richtig darauf zu reagieren habe. Darüber hinaus spielen Fehlbedienungen von Maschinen eine Rolle, die uns vor weitere Schwierigkeiten stellen.

Wenn man nun an Krankenhäuser und ihre vielfältigen Mensch-Maschine-Schnittstellen denkt: Wo sehen Sie besondere Gefahren?

Es kam in der Vergangenheit schon zu Todesfällen, weil Maschinen falsch bedient wurden. Das ist schon länger her und die damaligen User-Interfaces waren nicht darauf programmiert, Fehler selbstständig abzufangen. Doch es bleiben Probleme: tritt beim Nutzer ein Problem auf, das nicht logisch durchdringbar ist, reagiert er oft panisch. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass verschiedene Knöpfe wild gedrückt werden. Die Reaktion einer Maschine kann dann nicht mehr vorhergesagt werden. In der Radiologie gibt es mittlerweile ausgereifte Systeme, die relativ einfach zu bedienen sind. Nichtsdestotrotz kommt es auch heute noch zu Zwischenfällen, vornehmlich aus Unkenntnis über das Verhalten der Systeme.

Sie sprachen die Datensicherheit im Zuge der NSA-Affäre an. Wie ist es denn generell um die Datensicherheit im Gesundheitswesen bestellt?

Wir unterscheiden sehr genau zwischen Datensicherheit und Datenschutz. Was den Datenschutz betrifft, sind wir in Deutschland sehr sensibel und haben sehr stringente Bestimmungen – die leider nicht immer eingehalten werden. Die Probleme liegen eher im Bereich der Verarbeitung von großen Datenmengen. Wäre jemand in der Lage, an die kompletten Daten eines Krankenhauses zukommen, würde das viel Schaden anrichten.

Es ist die Datensicherheit, die ein Problem verursacht, wenn beispielsweise das Bedienpersonal Fehler macht, sich dieser Fehler aber nicht bewusst ist. Etwa wenn Daten gelöscht werden, die Anwender aber nicht wissen, dass diese Daten weiterhin bestehen bleiben. Denn sie werden lediglich als gelöscht markiert und können gegebenenfalls neu überschrieben werden. Und zudem gibt es die Möglichkeit, Daten mithilfe eines Spezialisten wieder herzustellen. Kurz und gut: dem Anwender fehlt oft die „digitale Kompetenz“, ein Bewusstsein dafür, mit digitalen Systemen umzugehen.

Was empfehlen Sie, um diese „digitale Kompetenz“ zu erreichen?

Wir brauchen eine bessere Ausbildung, die mit der digitalisierten Welt harmoniert. Dazu gehört auch, dass wir aufhören uns mit einzelnen Geräten zu beschäftigen, sondern uns das ganze System anschauen. Systeme sind vernetzt und das heißt, wenn in einem System etwas passiert, hat dies Auswirkungen auf ein anderes. Darüber hinaus ist die Prozesskette wichtig: Wenn ich in einem Krankenhaus arbeite und mein Vorgänger hat etwas ins System eingegeben, dann kann ich das nicht mehr beeinflussen. Gebe ich Daten ein, kann das wiederum mein Nachfolger nicht beeinflussen. Das heißt, wir müssen über den Tellerrand hinausschauen und über den eigenen Arbeitsplatz hinausdenken. Dieses Verständnis muss gelehrt und trainiert werden. Leider sind wir heute noch nicht so weit. Hinzu kommt, dass die gesamte Arbeitswelt im Umbruch ist. Wir arbeiten heute beispielsweise im Homeoffice. Das erfordert einen ganz anderen Umgang mit der Arbeit, mit Kollegen und den zur Verfügung stehenden Systemen. Hier muss künftig vieles neu bedacht werden.

 

PROFIL:
Michael Engelhorn studierte Informatik an der Technischen Universität Berlin und ist bereits seit über 14 Jahren Berater des Expermed Consulting Teams.

17.06.2015

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