Das Screening mehrerer Rückkehrer aus Wuhan zeigte: Ein Ausbleiben von Symptomen ist kein sicheres Zeichen dafür, dass keine Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 vorliegt (Symbolbild).

Bildquelle: Centers for Disease Control and Prevention (CDC)/Holly Patrick, MS, MPH/Photo Credit: James Gathany

SARS-CoV-2-Screening bei Wuhan-Rückkehrern

Corona-Infektion auch ohne Symptome möglich

Experten aus dem Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikum Frankfurt und dem Gesundheitsamt Frankfurt am Main haben die Rückkehr von überwiegend deutschen Staatsangehörigen aus der von der neuen Lungenkrankheit COVID-19 betroffenen chinesischen Stadt Wuhan nach Deutschland am Flughafen begleitet.

Gemeinsam mit ihren Partnern der Infektiologie des Universitätsklinikum Frankfurt und des Instituts für Virologie der Philipps-Universität Marburg haben sie ihre Erkenntnisse in einem Beitrag zusammengefasst, der jetzt im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht wurde.

In dem Beitrag schildern die Experten um die Autoren Dr. Sebastian Hoehl und Prof. Sandra Ciesek aus dem Institut für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt den Screening-Prozess, den 126 China-Rückkehrer Anfang Februar in Frankfurt durchlaufen haben. Schon während des Fluges waren zehn Patienten isoliert worden, die entweder Kontakt zu potentiellen oder bestätigten Fällen von COVID-19 hatten, Symptome aufwiesen oder symptomatische Angehörige begleiteten. Bei keinem von ihnen bestätigte sich jedoch später eine Infektion mit dem Virus. Die übrigen Patienten wurden noch am Flughafen auf Symptome einer Atemwegsinfektion überprüft. Ein Patient hatte zwar Fieber, wurde in der Infektiologie des Universitätsklinikum Frankfurt jedoch ebenfalls negativ auf SARS-CoV-2 getestet.

Um größtmögliche Sicherheit herzustellen, entschlossen sich die betreuenden Experten, allen Reisenden einen Abstrich zum Ausschluss einer Infektion mit dem Virus anzubieten. Dabei wurden zwei Personen, die im symptombasierten Screening nicht aufgefallen waren, positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Die Ergebnisse konnten in der Virologie der Philipps-Universität Marburg bestätigt werden. Die beiden infizierten Personen wurden anschließend auf der Sonderisolierstation des Universitätsklinikums behandelt. Auch eine Woche später wies ein Patient keine, die andere Patientin nur sehr milde Symptome auf. Zwischenzeitlich konnten beide Patienten aus der stationären Behandlung entlassen werden.

Wir möchten mit unserer Forschungsarbeit unter anderem mehr darüber herausfinden, wie das Virus übertragen wird und welche Organe infiziert sind

Sandra Ciesek

Das symptombasierte Screening erwies sich hier also als nicht effektiv – die beiden mit SARS-CoV-2 Infizierten konnten erst durch einen Abstrich identifiziert werden. Zudem konnte aus den Abstrichen beider Patienten das Virus in Zellkultur erfolgreich isoliert werden. Auch war in diesen Fällen ein Rachenabstrich für den Virusnachweis ausreichend und nicht, wie bisher angenommen, eine Probe aus den tiefen Atemwegen erforderlich. Die Experten sehen hierin auch einen Hinweis auf eine Ansteckungsgefahr für Menschen.

Auch nach Entlassung der beiden Patienten am vergangenen Freitag wird am Universitätsklinikum umfangreich zum neuen Coronavirus geforscht. Nachdem es gelungen ist, SARS-CoV-2 in Zellkulturen anzuzüchten und so erforschen zu können, wird nun intensiv nach Wirkstoffen gesucht, die zur Therapie der Erkrankung dienen könnten. Das Institut für Medizinische Virologie hat diesbezüglich viel Erfahrung und bereits beim Ausbruch von SARS 2003 mehrere wirksame Stoffe entwickeln können, die auch Einzug in der klinischen Anwendung fanden.

Dieser Artikel könnte Sie auch interessieren

Photo

Versuchsreihe zu CoV-Lebensdauer (Update)

Wie lange überleben Coronaviren auf Flächen?

Wie lange leben Coronaviren auf Oberflächen wie Türklinken oder Krankenhausnachttischen? Mit welchen Mitteln lassen sie sich wirksam abtöten? Alle Antworten, die die Forschung zu solchen Fragen derzeit kennt, hat ein Forschungsteam aus Greifswald und Bochum zusammengestellt und jetzt im Journal of Hospital Infection veröffentlicht.

Aktuell wird außerdem die Stabilität von SARS-CoV-2 untersucht und mit dem SARS-Virus von 2003 verglichen. Damals hatte das Institut herausgefunden, dass SARS-CoV in eingetrocknetem Zustand bis zu sechs Tage lang auf Oberflächen infektiös bleibt – ob auch SARS-CoV-2 ähnlich stabil ist, sollen die laufenden Studien zeigen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Erforschung neuer Wirtsfaktoren, die SARS-CoV-2 für seine Vermehrung benötigt. Diese Erkenntnisse könnten zum Verständnis beitragen, warum einige Menschen nur leichte oder keine Symptome haben, während andere an der Erkrankung versterben. „Wir möchten mit unserer Forschungsarbeit unter anderem mehr darüber herausfinden, wie das Virus übertragen wird und welche Organe infiziert sind“, erläutert Prof. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie.


Quelle: Universitätsklinikum Frankfurt

21.02.2020

Mehr aktuelle Beiträge lesen

Verwandte Artikel

Photo

SARS-CoV-2

Den genetischen Ursprüngen des Coronavirus auf der Spur

Forschende ist es durch Anwendung phylogenetischer Netzwerkanalysen gelungen, den Ursprung und die Verbreitung des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) nachzuvollziehen, das die Lungenkrankheit…

Photo

Infektionsforschung zu SARS-CoV-2

Auf dem Weg zum Corona-Impfstoff

Seit das neue Coronavirus SARS-CoV-2 erstmals in China aufgetaucht ist, begleiten die Wissenschaftler und Ärzte im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) die Entwicklung mit ihren…

Photo

Camostat Mesilate gegen COVID-19

Vermehrung des Coronavirus im Menschen verhindern

Um eine Krankheit auszulösen, müssen Viren in Körperzellen eindringen. Dazu heften sie sich an geeignete Zellen an und schleusen ihre Erbinformation in diese Zellen ein. Infektionsforscher vom…

Verwandte Produkte

Atlas Genetics - Atlas Genetics io system

Infectious diseases testing

Atlas Genetics - Atlas Genetics io system

Atlas Genetics Ltd
Eppendorf – Mastercycler nexus X2

Research Use Only (RUO)

Eppendorf – Mastercycler nexus X2

Eppendorf AG
Sarstedt – Low DNA Binding Micro Tubes

Research Use Only (RUO)

Sarstedt – Low DNA Binding Micro Tubes

SARSTEDT AG & CO. KG
Shimadzu – CLAM-2030

Research Use Only (RUO)

Shimadzu – CLAM-2030

Shimadzu Europa GmbH
Siemens Healthineers – Versant HCV Genotype 2.0 Assay (LiPA)

Infectious Disease/Hepatitis

Siemens Healthineers – Versant HCV Genotype 2.0 Assay (LiPA)

Siemens Healthineers