Vergleich von CT (a.) mit CEUS (b.) innerhalb einer zystischen Nierenläsion...
Vergleich von CT (a.) mit CEUS (b.) innerhalb einer zystischen Nierenläsion zeigen sich sowohl im CT als auch im CEUS Septierungen (roter und gelber Pfeil) welche im CEUS eine deutliche Vaskularisation aufweisen und somit als malignomsuspekt gewertet wurden. Das histopathologische Ergebnis bestätigte die Diagnose Nierenzellkarzinom.

Ultraschall mit Kontrast

CEUS muss sich nicht verstecken

Sie sind ungefähr so groß wie ein einzelnes rotes Blutkörperchen: Jene gasgefüllten, von einer Lipidmembran umgebenen Mikrobläschen, die beim kontrastmittelverstärkten Ultraschall (CEUS) in die Blutbahn appliziert werden und im Körper einen zusätzlichen Kontrast erzeugen, den man mit Ultraschall darstellen kann.

„Weil diese Bläschen überall dort nachweisbar sind, wohin auch Erythrozyten gelangen, können damit potentiell alle Strukturen visualisiert werden, die vaskularisiert sind“, erklärt PD Dr. Johannes Rübenthaler von der Klinik und Poliklinik für Radiologie des Klinikums der Universität München in Großhadern. „Als reiner Marker für Vaskularisation ist CEUS sogar der Computertomographie und Magnetresonanztomographie überlegen“, weiß der Radiologe.

Die Klinik und Poliklinik für Radiologie Großhadern gehört zu den größten Zentren Deutschlands, in denen CEUS angeboten und durchgeführt wird. Daher waren Rübenthaler und seine Kollegen neugierig, wie denn CEUS im Vergleich zu Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) in der alltäglichen Diagnostik bei einer konkreten Untersuchung abschneidet. In einer retrospektiven Analyse über die letzten zehn Jahre verglichen sie bei Patienten mit unklaren renalen Raumforderungen CEUS mit dem höchsten verfügbaren Standard zur Diagnostik derartiger Raumforderungen, nämlich der Histopathologie und, soweit verfügbar, mit CT und MRT. 255 Patienten waren in die Studie einbezogen – damit handelt es sich um die bislang größte europäische Studie dieser Art. 

CEUS im Vergleich mit CT und MRT

portrait of johannes rübenthaler
PD Dr. Johannes Rübenthaler arbeitet seit 2015 an der Klinik und Poliklinik für Radiologie des Klinikums der Universität München und ist Privatdozent für Experimentelle Radiologie der LMU München

Das Ergebnis: CEUS ist ein sehr gutes diagnostisches Verfahren, um die Malignität bzw. Benignität einer Nierenläsion auszuschließen bzw. zu bestätigen. „CEUS muss sich nicht hinter CT und MRT verstecken“, resümiert Rübenthaler: „CEUS verfügt über eine genauso hohe diagnostische Genauigkeit wie die anderen Verfahren.“ Die Studie zeige im Vergleich mit dem histopathologischen Ergebnis deutlich das Potenzial des CEUS als dynamisches Bildgebungsverfahren.

Der Münchener Radiologe ist ein großer Fan dieser Untersuchungsmethode: „CEUS kostet nur einen Bruchteil der etablierten Verfahren und verfügt über ein deutlich geringeres Nebenwirkungsprofil.“ Es biete eine äußerst hohe Detailauflösung, mit der kleinste Strukturen dargestellt werden können, nennt er einen weiteren Vorzug von CEUS. Darüber hinaus handle es sich um eine dynamische Untersuchung, bei der man Anflutung, Verteilung und Abflutung des Kontrastmittels in Echtzeit beobachten könne. Würden Krankenhäuser verstärkt auf CEUS setzen, davon ist Rübenthaler überzeugt, hätte dies für die Planung in der Radiologie positive Auswirkungen, weil bei den CT- und MRT-Geräten Slots frei würden, die für andere Untersuchungen genutzt werden könnten.

CEUS: oft hilfreich, aber zu wenige beherrschen die Methode

Aufgrund des sehr niedrigen Nebenwirkungsprofils kann das CEUS-Kontrastmittel auch ,off label‘ unter Berücksichtigung des individuellen Nutzen-/Risikoprofils bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Schwangeren verwendet werden

Johannes Rübenthaler

Auf jeden Fall bietet sich CEUS an, wenn Kontraindikationen gegen den Einsatz von CT und MRT sprechen. Da CT-Kontrastmittel Jod enthalten, können sie nicht ohne weiteres bei Patienten mit unklaren Schilddrüsenfunktionsstörungen eingesetzt werden. Auch Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion kommen nicht immer für eine CT in Frage. Dasselbe gilt für die MRT: Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion können MR-Kontrastmittel potentiell kontraindiziert sein. Darüber hinaus können einige Patientengruppen nicht immer adäquat mit MRT untersucht werden, z. B. weil sie Fremdmetall im Körper haben: Implantate oder nicht MRT-taugliche Herzschrittmacher der älteren Generation. Beim Ultraschall-Kontrastmittel – derzeit ist in Europa nur ein zugelassenes verfügbar – gibt es hingegen nur eine einzige Kontraindikation: eine seltene Unverträglichkeit, die in der Literatur bei zirka einem von 10.000 Fällen beschrieben ist. „Aufgrund des sehr niedrigen Nebenwirkungsprofils kann das CEUS-Kontrastmittel auch ,off label‘ unter Berücksichtigung des individuellen Nutzen-/Risikoprofils bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Schwangeren verwendet werden“, bekräftigt Rübenthaler.

Ultraschall – und damit auch CEUS – hat freilich auch eine Schwäche: es handelt sich um eine relativ untersucherabhängige Methode. „Man muss das Sichtfenster manuell einstellen und Erfahrung bei der Interpretation der Bilddaten haben“, räumt Rübenthaler ein. Die AG Ultraschall der Deutschen Röntgengesellschaft bietet zwar mittlerweile ein Fortbildungszertifikat CEUS für Radiologen an, bei dem theoretische und praktische Kenntnisse erworben werden können. „Doch aktuell besteht noch das Problem, dass es insgesamt einfach zu wenige mit dieser Methode vertraute Radiologen gibt, die ihr Wissen weitergeben können“, wie Rübenthaler bedauert.


Profil:

PD Dr. Johannes Rübenthaler arbeitet seit 2015 an der Klinik und Poliklinik für Radiologie des Klinikums der Universität München und ist seit 2017 Privatdozent für Experimentelle Radiologie der LMU München. Er hat an der Universität Mainz Medizin studiert und bereits früh im Rahmen seines Studiums Forschungsprojekte mit dem Interdisziplinären Ultraschall-Zentrum am Klinikum der Universität München-Großhadern initiiert. Rübenthaler erhielt für seine Forschung im Bereich der Ultraschalldiagnostik bereits mehrere Stipendien, u. a. im Rahmen der Exzellenzinitiative sowie von der Europäischen und Deutschen Röntgengesellschaft. Rübenthaler hat als zweiten klinischen Schwerpunkt hybride Bildgebungsverfahren und ist Chairperson des „Young ESHI subcommittee“ der European Society for Hybrid, Molecular and Translational Imaging.

29.05.2019

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