Prof. Hubertus Pietsch steht neben einem Photon-counting CT-Scanner in einem...

© Bayer 

Artikel • Neue Studiendaten vom ECR 2026

Die Dosisgrenzen in der MRT-Bildgebung werden neu gezogen

Auf dem diesjährigen European Congress of Radiology (ECR) in Wien präsentierte Bayer neue Daten zu einem Kontrastmittel, das die MRT-Bildgebung grundlegend verändern könnte: Gadoquatrane, das bei gleicher diagnostischer Aussagekraft mit bis zu 60% weniger Gadolinium auskommt als bisherige makrozyklische Standardpräparate. Prof. Hubertus Pietsch, Leiter der MRT- & CT-Kontrastmittelforschung bei Bayer und einer der maßgeblichen Köpfe hinter der Entwicklung von Gadoquatrane, erklärt, wie es zu dieser Entwicklung kam – und warum sie weit mehr ist als ein rein technischer Fortschritt.

Artikel: Wolfgang Behrends

Gadoliniumhaltige MRT-Kontrastmittel können Ärzten helfen, wichtige medizinische Fragen bei der Diagnosestellung, Charakterisierung und Überwachung von Erkrankungen zu beantworten, und unterstützen Ärzte im Rahmen der Behandlung.  Doch unerwünschte Nebenwirkungen bestimmter gadoliniumhaltiger Kontrastmittel – darunter Gewebeveränderungen bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sowie Gadolinium-Ablagerungen im Gehirn nach wiederholten Gaben – hatten die Radiologie-Community über Jahre beschäftigt. Ein Teil dieser Präparate wurde in Europa schließlich vorsorglich vom Markt genommen. Während das positive Nutzen-Risiko-Profil gadoliniumhaltiger MRT-Kontrastmitteln bei der großen Mehrheit der Patienten wiederholt bestätigt wurde,  empfehlen Gesundheitsbehörden und medizinische Fachgesellschaften konsistent, die Gadoliniumdosis so niedrig wie möglich zu halten, um die angestrebte Diagnose zu erzielen.  Für das Team von Prof. Pietsch bei Bayer wurde daraus eine klare Konsequenz: Der Fokus kann nicht allein in höchstmöglicher Stabilität liegen – sie muss sich auch auf eine deutlich reduzierte Dosis richten. 

Die Lösung lag in der Erhöhung der Relaxivität – also der Fähigkeit das Signal eines Kontrastmittels in der MRT zu verstärken. Je höher die Relaxivität, desto weniger Wirkstoff wird benötigt, um diagnostisch aussagekräftige Bilder zu erzeugen. „Wir wollen die MRT mit einem Kontrastmittel ausrüsten, das mit der möglichst geringen Dosis von Gadolinium diagnostisch aussagekräftige Bilder generieren kann. Das war praktisch die Initialzündung", erklärt Pietsch. Das Ergebnis ist Gadoquatrane, das mit einer Dosis von 0,04 mmol Gd pro Kilogramm Körpergewicht auskommt – verglichen mit den bei makrozyklischen Standardpräparaten üblichen 0,1 mmol/kg. 

Wer profitiert besonders?

„Eine geringere Dosis von Kontrastmitteln stellt für jeden grundsätzlich eine Verbesserung dar – aber die Patienten, die regelmäßig bildgebende Untersuchungen vornehmen müssen, profitieren davon natürlich noch einmal mehr." Pietsch nennt konkrete Beispiele: junge Patientinnen mit genetisch bedingtem erhöhtem Brustkrebsrisiko, die regelmäßig gescreent werden; MS-Patienten mit jährlichen Verlaufskontrollen; Kinder mit Gefäßmissbildungen oder Herzerkrankungen, bei denen operative Eingriffe und ihre Nachsorge bildgebend begleitet werden müssen. Hinzu kommen onkologische Patienten, bei denen eine engmaschige Therapiebegleitung – etwa beim Magenkarzinom mit mehreren Therapielinien bis hin zu Checkpoint-Inhibitoren – zunehmend Standard wird. 

QUANTI-Programm liefert neue Daten zu Subgruppen

Auf dem ECR 2026 präsentierte Bayer Subgruppenanalysen aus der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie QUANTI, die Patienten in 15 Ländern in den wichtigsten MRT-Indikationen untersuchte: ZNS, Abdomen, Gefäßdarstellung und kardiale Bildgebung. Alle Studienendpunkte wurden erreicht, die diagnostische Gleichwertigkeit mit den bisherigen Standardpräparaten – bei bis zu  60% weniger Gadolinium – damit klinisch bestätigt. 

Pietsch erläutert, warum dafür jede Indikation einzeln untersucht wurde: Je nach Fragestellung und eingesetzter Technik stellen sich grundlegend verschiedene Anforderungen – von der Weichteildarstellung im ZNS bis zur Bildgebung eines schlagenden Herzens. Ziel war es, für jede klinisch relevante MRT-Indikation den Nachweis zu erbringen, dass das Konzept der erhöhten Relaxivität trägt – und dieser Nachweis gelang in allen untersuchten Bereichen. 

Steigender Bildgebungs-Bedarf und die Auswirkungen auf die Umwelt

Hinter der wachsenden Bedeutung von Dosisreduktion steht ein demografischer Trend: Die Weltbevölkerung wird älter, und damit steigt die Zahl der Menschen, die bildgebende Diagnostik benötigen. Gleichzeitig eröffnen immer wirksamere Therapien neue Möglichkeiten, die ihrerseits ein engmaschigeres Monitoring erfordern. Das hat Konsequenzen – nicht nur medizinisch, sondern auch ökologisch und versorgungstechnisch. Gadolinium ist eine Seltene Erde, deren Gewinnung ressourcenintensiv ist und deren Eintrag in die Umwelt zunehmend kritisch betrachtet wird. Weniger Gadolinium pro Untersuchung bedeutet damit sowohl einen Gewinn für den einzelnen Patienten als auch eine Entlastung für Umwelt und nachhaltige Sicherung der Versorgungsketten. 

Bayer hat auf Basis der QUANTI-Daten Zulassungsanträge in mehreren Märkten weltweit eingereicht, darunter die EU, die USA, Japan und China. Sollte die Zulassung erteilt werden, wäre Gadoquatrane das makrozyklische gadoliniumhaltige Kontrastmittel mit der niedrigsten zugelassenen Dosis auf dem Markt – und ein weiterer Schritt hin zu einer Radiologie, die nicht nur diagnostisch präziser, sondern auch verträglicher und nachhaltiger wird. 


Profil:

Prof. Dr. Hubertus Pietsch leitet die Abteilung für MRT- & CT-Kontrastmittelforschung bei der Bayer AG. Der studierte Tiermediziner verantwortet dort die Forschung und Charakterisierung von Kontrastmitteln für unterschiedliche Bildgebungsmodalitäten in der radiologischen Bildgebung, mit besonderem Fokus auf Sicherheit, Verträglichkeit und Dosisreduktion bei gleichbleibender diagnostischer Bildqualität. Prof. Pietsch ist außerdem außerplanmäßiger Professor für experimentelle Radiologie am Universitätsklinikum Essen. 

19.03.2026

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