PD Dr. Ann-Kathrin Lederer

Gendersensible Medizin in Praxis, Forschung und Lehre verankern

Krankheiten und Symptome können sich je nach Geschlecht unterscheiden. Spätestens bei der Behandlung spielen auch gesellschaftliche Aspekte eine Rolle.

Portraitfoto von Dr. Ann-kathrin Lederer
PD Dr. Ann-Kathrin Lederer

Bildquelle: Universitätsmedizin halle; Foto: privat 

Seit April 2026 hat PD Dr. Ann-Kathrin Lederer die Gastprofessur für „Gendersensible Medizin” an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) inne. Sie setzt sich dafür ein, dieses Thema in Praxis, Forschung und Lehre zu verankern. Zudem möchte sie einen reflektierten Austausch unter Studierenden als auch unter ärztlichem und pflegerischem Personal fördern. 

Dr. Lederer arbeitet derzeit als Oberärztin in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Ulm. In der Medizin sind ihr sowohl fachliche Inhalte als auch soziale Belange wichtig: „Ein klassisches Beispiel ist der Herzinfarkt: Während Männer meist starke Brustschmerzen verspüren, zeigen Frauen häufiger diffuse Symptome wie Übelkeit, Müdigkeit oder Schmerzen im Rücken und Kiefer. Dadurch fällt ein Herzinfarkt bei Frauen leider oftmals erst später auf. Gendersensible Medizin bedeutet jedoch mehr als nur biologische Unterschiede zu berücksichtigen. Sie steht auch für ein Verständnis von Medizin, das den Menschen mit seinen individuellen Bedürfnissen und seiner sozialen Rolle wahrnimmt.“ 

Im aktuell laufenden Sommersemester 2026 bietet sie an der Universitätsmedizin Halle eine Online-Vorlesungsreihe zum Thema an. Unterstützt wird sie dabei von Gastrednern, die Sichtweisen unterschiedlicher Fachbereiche wie Kardiologie, Chirurgie und Onkologie beleuchten.

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In zusätzlichen Workshops geht die Ulmer Chirurgin näher auf Geschlechterrollen in der Medizin und die Bedürfnisse von Patient:innen ein. „Scham, Intimität, aber auch Grenzüberschreitungen werden im Klinikalltag oft nicht wahrgenommen. Da spielen gesellschaftliche und kulturelle Aspekte eine große Rolle. Ein Perspektivenwechsel kann dabei helfen, das eigene professionelle Handeln zu reflektieren“, betont die 37-Jährige. 

Prof. Dr. Heike Kielstein, Dekanin der Medizinischen Fakultät der MLU, erklärt: „Gendersensible Medizin trägt zur Qualität in Ausbildung, Forschung und Versorgung bei. Mit der Gastprofessur möchten wir als Universitätsmedizin einen Beitrag für eine sich wandelnde Medizin leisten, die biologische und soziale Geschlechteraspekte gleichermaßen berücksichtigt.“ 

Die Gastprofessur ist an die Universitätsklinik und Poliklinik für Viszerale, Gefäß- und Endokrine Chirurgie an der Universitätsmedizin Halle angebunden und gilt für die Dauer eines Semesters. 


Quelle: Universitätsmedizin Halle 

23.04.2026

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