Schmerztherapie für Kinder optimieren

Vor allem Kinder fürchten im Krankenhaus nichts so sehr wie Schmerzen nach einer Operation. Doch diese sind heute gut behandelbar. Zuständig dafür sind Kinderchirurgen und Anästhesisten gemeinsam. Um die Behandlungsergebnisse weiter zu verbessern, ist ein klinikübergreifender Ergebnisvergleich und Erfahrungsaustausch geplant. Das Besondere daran: Die Aussagen der kleinen Patienten stehen im Mittelpunkt.

Photo: Schmerztherapie für Kinder optimieren

„Schmerzen nach einer Operation können heute meist gut gelindert werden“, betont Privatdozent Dr. med. Winfried Meißner vom Universitätsklinikum Jena. Den Narkoseärzten und Kinderchirurgen stünden wirksame Methoden zur Verfügung. Neben den herkömmlichen Schmerzmitteln könnten gezielt bestimmte Körperregionen mittels Regionalanästhesie oder auch nur das unmittelbare Operationsgebiet mit einer Lokalanästhesie betäubt werden. Aber auch eine Akupunktur oder eine Reizstromtherapie könnten in manchen Fällen wirksam sein, so der Experte. „Wir kennen zwar gute Methoden zur Schmerzlinderung – aber ob sie angewendet und richtig dosiert werden, wissen wir zurzeit kaum”, sagt Meißner. Sein Team hat deshalb begonnen, Kinder nach der Operation zu befragen. Er verwendet dabei einen Fragebogen, der sich an das Projekt „Qualitätssicherung in der postoperativen Schmerztherapie“ – kurz QUIPS – anlehnt. QUIPS Infant – kurz QUIPSI – wurde an die Bedürfnisse und Möglichkeiten von Kindern angepasst. Meißner: „Die Kinder geben durch Ankreuzen von freundlich oder weniger freundlich blickenden Gesichtern an, wie stark ihr Schmerz ist. Auch Nebenwirkungen und die Zufriedenheit werden erfasst.“

Dieser Fragebogen wurde in Jena und an zehn weiteren Kliniken erprobt und soll demnächst allen Anästhesisten zur Verfügung gestellt werden. Über das Internet können die Ärzte dann ihre Ergebnisse vergleichen und Erfahrungen austauschen. „Beim QUIPS-Projekt für Erwachsene hat sich dies bereits bewährt“, sagt Meißner. Ein speziell entwickeltes Programm analysiere die Daten und gebe den Ärzten wöchentlich eine Rückmeldung über die Qualität ihrer Schmerztherapie. Meißner: „Auf diese Weise können die ‚guten’ den weniger gut bewerteten Kliniken Tipps zur Verbesserung ihrer Schmerztherapie geben.“ Den Nutzen hätten am Ende die Kinder. Meißner hofft, dass sich auf diese Weise die Angst der Kinder vor Schmerzen im Krankenhaus deutlich reduzieren lässt.“

Welches Verfahren ist in welcher Situation bei kleinen Patienten das Richtige? Wie ist das subjektive Schmerzempfinden bei Kindern? Wird das Potenzial der Schmerzmittel ausgeschöpft? Wie kann zukünftig eine postoperative Schmerztherapie für Kinder auf einem hohen Qualitätsniveau sichergestellt werden? Erste Ergebnisse werden auf dem Deutschen Anästhesiecongress (DAC), 19. bis 22. Juni, in Nürnberg vorgestellt.

Foto: pixelio/Heike Berse

08.06.2010

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