Projekt zur Löschung des Rheuma-Gedächtnisses

Rheumatische Krankheiten zeichnen sich häufig durch chronische Entzündungen aus, bei denen das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift. Es sind Gedächtniszellen des Immunsystems, die das Krankheitsgeschehen immer wieder neu in Gang setzen. Die Rheumastiftung fördert mit 50.000 € ein Forschungsprojekt mit dem Ziel, dieses „Rheuma-Gedächtnis“ selektiv zu löschen. Dr. rer. nat. Hyun-Dong Chang vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ), einem Institut der Leibniz Gemeinschaft, wird damit die Genregulation der Gedächtniszellen charakterisieren, um auf diesem Wege dem Ziel, Rheuma heilbar zu machen, näherzukommen.

Dr. rer. nat. Hyun-Dong Chang.
Dr. rer. nat. Hyun-Dong Chang.
Quelle: Jacqueline Hirscher

Eine medikamentöse Unterdrückung des Immunsystems kann entzündlich-rheumatische Erkrankungen in vielen Fällen unter Kontrolle bringen. Sie sind jedoch bisher nicht heilbar, d. h. sie flammen wieder auf, wenn die Behandlung aufhört. Grund dafür sind spezifische Gedächtniszellen, die sich vermutlich in speziellen Nischen verstecken und die Krankheit jederzeit wieder aktivieren können. Ziel der Forscher ist es, die Entwicklung dieser Zellen zu krankmachenden Gedächtniszellen genauer zu verstehen, um sie auf der Basis dieser Erkenntnisse gezielt ausrotten zu können. Im Fokus des Interesses stehen dabei so genannte T-Helfer-Zellen; das sind Immunzellen, die auch für die Gedächtnisentwicklung des schützenden Immunsystems (z. B. nach Infektionen oder Impfungen) eine wichtige Rolle spielen. Dr. Chang will versuchen, schützende von krankmachenden T-Helfer-Zellen zu unterscheiden, denn Letztere sind für die Auslösung einer Immunreaktion gegen eigene Körperzellen verantwortlich.

Die Rheumastiftung wurde von der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und der Deutschen Rheuma-Liga gegründet. Sie ist die erste gemeinnützige Stiftung in Deutschland, die gemeinsam von der wissenschaftlichen Fachgesellschaft und der Patientenselbsthilfeorganisation getragen wird. Die Stiftung hat sich das Motto „Rheuma heilbar machen“ auf die Fahnen geschrieben. Neben der Versorgungssituation will die Rheumastiftung die Rheumaforschung in besonderem Maße unterstützen. Denn vor allem neue Forschungsergebnisse haben die Behandlungsmöglichkeiten von Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen in den letzten 20 Jahren revolutioniert. Die Stiftung ist dazu dringend auf Zuwendungen und Zustiftungen angewiesen, die den angestrebten Zweck zu verwirklichen helfen. Jeder Beitrag kann helfen, Rheuma heilbar zu machen. Die Idee für das Projekt von Dr. Chang war als Sieger aus dem Ideenwettbewerb der Rheumastiftung im Jahr 2011 hervorgegangen. Die nun im ersten Schritt dafür eingesetzten Mittel sind großzügigen Spenden, unter anderem durch die Firma AbbVie zu verdanken.

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) ist mit mehr als 1.400 Mitgliedern die größte medizinische Fachgesellschaft in Deutschland im Bereich der Rheumatologie. Sie repräsentiert seit mehr als 80 Jahren die rheumatologische Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung in Deutschland. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die DGRh unabhängig und ohne Verfolgung wirtschaftlicher Ziele zum Nutzen der Allgemeinheit.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

18.08.2015

Verwandte Artikel

Photo

News • Wirkung ohne Wirkstoffe

Was die Schulmedizin von der Homöopathie lernen kann

Homöopathie wird häufig als wirkungslos dargestellt, dennoch berichten viele Patienten von positiven Effekten. Eine neue Publikation zeigt, was die Schulmedizin daraus lernen kann.

Photo

News • Risikogene, neue Therapien, Subtypen-Forschung

Multiple Sklerose: 5 neue Erkenntnisse zu MS

Anlässlich des Welt-Multiple-Sklerose-Tags hat Experte Prof. Dr. Sven Meuth vom Universitätsklinikum Düsseldorf die 5 vielleicht wichtigsten Neuigkeiten aus der Forschung zusammengestellt.

Photo

News • Rückenmarkstimulation

Hochfrequenter Strom gegen Schmerzen

Forscher haben die Rückenmarkstimulation so modifiziert, dass die Schmerzentlastung länger anhält. Statt niederfrequenten (50 Hertz) leiten sie hochfrequenten Strom (10.000 Hertz) ins Rückenmark.

Verwandte Produkte

Newsletter abonnieren