Positronen-Emissions-Mammographie kommt nach Europa

Brustkrebsdiagnostik in der Nuklearmedizin?

Wie jeder Kongress, so hatte auch der diesjährige Deutsche Röntgenkongress einige Produktinnovationen zu bieten – eine fiel dem Team von European Hospital jedoch ganz besonders ins Auge: PEM, die Positronen Emissions Mammographie.

Photo: Positronen-Emissions-Mammographie kommt nach Europa

Auf dem Stand der Firma Medicor trafen wir Stefanie Groes, Regionalleiterin des Unternehmens, das dieses Gerät künftig in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreiben wird, und ließen uns das Prinzip sowie die Einsatzmöglichkeiten erklären.

Beim PEM handelt es sich zunächst einmal um eine mobile Einheit, ungefähr von der Größe eines Ultraschallgerätes. Mit zwei Detektoren werden zwölf Schichtaufnahmen erstellt, aus denen ein High-Value 3D PET-Bild entsteht, das mit einem Ganzkörper PET-Bild allein die Darstellung der FDG-Anreicherung gemeinsam hat, ansonsten jedoch um ein Vielfaches schärfere diagnostische Bilder produziert. Die hohe Sensivität (>90 Prozent) sowie die Spezifität (88 Prozent NPV und 92 Prozent Genauigkeit) der PEM könnten künftig der Schlüssel zur Erkennung von Karzinomen in der Größe zwischen ein bis zwei Millimeter sein.

„PEM findet Tumore, noch bevor sie im Ultraschall, in der Mammographie oder in der MRT überhaupt zu erahnen sind. Denn maligne Strukturen, egal welcher Größe, saugen Glukose regelrecht auf und speichern sie. Die MRT hingegen kann Tumore erst darstellen, wenn sie vaskularisiert sind, also an das Blutssystem angeschlossen sind“, so Groes. Trotz dieser beeindruckenden diagnostischen Präzision wird PEM wahrscheinlich niemals für den Einsatz im Mammographie-Screening geeignet sein, davon ist die Expertin überzeugt. In den USA, wo PEM, das von der Firma NaviScan produziert wird, bereits eingesetzt wird, hat es sich vor allem in der Nachsorge bewiesen. Wird hier ein Tumor identifiziert, kann dieser mittels Biopsie direkt rausgesaugt beziehungsweise quantifiziert werden. Groes: „In der Mammographie und auch in der MRT werden Tumore häufig als eine Gewebemasse erkannt. Auf den PEM-Bildern kann man hingegen sehr gut differenzieren und so beispielsweise multiple Metastasen erkennen. Darüber hinaus lässt sich innerhalb des gleichen FDG-Zyklus das Resultat der Biopsie überprüfen.“ Ebenfalls von Bedeutung kann der Einsatz der PEM zur Verlaufskontrolle einer Chemotherapie sein, um festzustellen, ob die Therapie überhaupt anschlägt.

Bevor das Gerät Einzug in deutsche Zentren findet, müssen zunächst noch die entsprechenden Richtlinien und Zulassungen erstellt und eingeholt werden, die Unterstützung der zuständigen Behörden ist Medicor jedoch gewiss. Klar ist bereits, dass PEM – im Gegensatz zu den etablierten Verfahren der Brustkrebserkennung – nicht in die Domäne der Radiologen fallen wird. Denn ebenso wie der Einsatz des Ganzkörper PET ist PEM an die strengen Richtlinien in Bezug auf den Umgang mit dem radioaktiven FDG gebunden. Laut Stefanie Groes werden die ersten Geräte ihren Einsatz darum in PET-Zentren und anschließend in radiologischen Praxen mit angeschlossener Nuklearmedizin finden: „Dies muss schon aus ganz praktischen Gründen so sein, da bei dem Einsatz von FDG, das eine Halbwertszeit von 110 Minuten hat, Eile geboten ist. Denn je später die Aufnahme stattfindet, desto länger sind die Scannzeiten, damit dem Gerät ausreichend Zeit zum Zählen bleibt.“

Neben den vielfältigen neuen Methoden, die sich derzeit zur Diagnostik des Mammakarzinoms auf dem Markt platzieren, verspricht auch die PEM in Zukunft eine diagnostische Lücke zu füllen.
 

16.06.2011

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