Organisation ist alles

RöKo Heute hat Prof. Dr. Mathias Langer, Chefarzt der Klinik für Radiologie am Universitätsklinikum Freiburg und letztjähriger Kongresspräsident, um ein Update in Sachen Notfallradiologie gebeten.

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RöKo Heute: Herr Prof. Langer, wird in der Unfallchirurgie eigentlich immer noch das Hohelied der CT gesungen?

Langer: Ja, denn zu der CT gibt es insbesondere in der Versorgung von Akutverletzten keine Alternative. Die Begründung dafür ist einfach: Die Anfertigung konventioneller Röntgenaufnahmen ist signifikant zeitintensiver als die Durchführung einer CT. Zweitens sind die modernen CT-Systeme so gut, dass die Dosisexposition kaum noch eine Rolle spielt ...

… obwohl dieses Verfahren auch davor schon durchgeführt wurde.
Ja. Und die dritte Begründung, die auch erklärt, warum dieses Verfahren selbstverständlich schon früher anwendet wurde, ist die Art und Menge an Informationen über den Patienten, die mit konventionellem Röntgen nicht zu bekommen ist. Das fängt bei der klassischen Diagnose des epioder subduralen Hämatoms, die seit 20 Jahren eine Domäne der CT ist, an und geht weiter über Gefäßverletzungen im Thorax und Abdomen-Becken bis zu Leber- und Milzverletzungen. Wirbel Wirbelsäulenverletzungen wie Wirbelkörperfrakturen, die potenziell bei Umlagerungen einen Querschnitt auslösen können, sind sofort erkenntlich. Die Gefäßdiagnostik im Becken- und Beinbereich, um arterielle oder venöse Verletzungen zu diagnostizieren, damit zum Beispiel der drohende Blutungsschock bei einer Beckenfraktur erkannt wird, sind in der KM-CT eindeutig diagnostizierbar. Eine radiologische Intervention kann dem Patienten dann schnell helfen.

Was treibt dieses Fach momentan an, wenn es technologische Herausforderungen nicht gibt?
„Keine technologischen Herausforderungen“ ist übertrieben, ein derzeit sehr wichtiger Punkt ist die unmittelbare Anbindung der CT-Einheiten an die Unfallaufnahme – in anderen Worten: weniger Wegezeitverlust zwischen Schockraum und CT. Außerdem sind noch viele Systeme im klinischen Einsatz, die nicht die Anforderungen erfüllen, die im hochtechnologischen Bereich gestellt werden, nämlich initial sofort die Diagnostik von Knochen, Weichteilen und des gesamten vaskulären Systems in einem Untersuchungsgang mit deutlich unter einer halben Minute Datenakquisitionszeit zu realisieren.

Die leidige Geldfrage, oder?
Ja, natürlich.

Und wie behilft man sich, wenn man kein Gerät hat, dass alles unter einer Minute kann?
Mit einer guten Anästhesie, einer guten Überwachung des Patienten und einem optimalen Timing der Untersuchung in den verschiedensten Abschnitten, also mit sehr guter interdisziplinärer Zusammenarbeit, die auf Standard-Operation-Procedures, vom Team gemeinsam etabliert, basiert, sodass der Patient optimal überwacht, versorgt und auch bei längeren Untersuchungszeiten trotzdem in kürzester Zeit suffizient diagnostiziert wird. Denn ohne eine gute Organisation hilft auch die modernste Technik nicht wirklich.

02.06.2014

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