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Neue Wege gehen

Dieses Jahr findet der Deutsche Röntgenkongress (RöKo) vom 4. bis 7. Mai erstmals in Leipzig statt. Bis zum Jahr 2020 wird das Radiologentreffen alljährlich in der sächsischen Kongressstadt sein Zuhause finden.

Kongresspräsident Prof. Dr. Peter Landwehr, Chefarzt der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Diakoniekrankenhaus Henriettenstiftung in Hannover, ist mit seinem Kongressteam auf das Ereignis bestens vorbereitet.

Was erwartet die Kongressteilnehmer in diesem Jahr?

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Prof. Dr. Peter Landwehr
Quelle: © Maren Kolf, Wedemark

Wir gehen zum ersten Mal nach der Wende mit unserem Kongress in ein neues Bundesland. Das war, wie ich finde, längst überfällig. „Neue Wege gehen“ lautet auch das Motto des Kongresses – und das gilt in mehrfachem Sinn.

Wir hoffen, dass unsere Zielgruppe uns voller Erwartungen und auch neugierig nach Leipzig folgt – und auch in den kommenden Jahren wiederkommt. Wir wollen aber nicht nur die aktiven Teilnehmer und die Zuhörer mitnehmen, sondern auch die Industrie ins Boot holen. So arbeiten wir bereits im Vorfeld daran, alle von unserem neuen Standort zu überzeugen. Und da gibt es einige Punkte, die begeistern: Das Leipziger Kongresszentrum ist hochgradig funktional und sehr professionell, hier machen wir einen großen Schritt nach vorn. Kurze Wege und eine offene, helle Architektur fördern Lernen und Kommunikation. Und Vortragssäle und Ausstellungshalle liegen sehr nah beieinander.

Neue Wege stellen wir natürlich auch unter inhaltlichem Aspekt vor: die neuesten technologischen Entwicklungen, aktuelle Entwicklungen in der Wissenschaft und in der klinischen Radiologie. Auch wenn wir das gesamte Spektrum abdecken wollen, gibt es doch vier Schwerpunkte, die wir konzentriert behandeln. Das erste Thema sind die „Wirbelsäulenerkrankungen“, das nächste ist die „Mammadiagnostik“, die weiteren sind „Ultraschall in der Radiologie“ sowie „Fehler und Komplikationen in der Radiologie“.

Bei den Veranstaltungsformaten geht der RöKo ebenfalls neue Wege: Wir werden mehr fallbasiertes Lernen anbieten, häufiger Hands-on-Workshops durchführen und mehr Referenten erleben, die Themen in Dialogform präsentieren. Denn wir setzen um, was wir aus Teilnehmerbefragungen gelernt haben: Gewünscht wird mehr Kommunikation und Interaktion.

Neue Wege gehen

Welche Herausforderungen gibt es im Bereich der Wirbelsäulenerkrankungen?

Bei den Wirbelsäulenerkrankungen ist die Radiologie sowohl bildgebend als auch interventionell vielfach gefordert. Das Gebiet ist sehr weit gefasst: Von degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen und der Traumadiagnostik bis zum schweren Polytrauma, von Tumorerkrankungen über entzündliche Erkrankungen bis zur postoperativen Bildgebung der Wirbelsäule – alles wird abgedeckt.

Der Rückenschmerz ist neben der arteriellen Hypertonie in Deutschland der häufigste Grund, warum Patienten ihren Arzt aufsuchen. Die Diagnose ist also medizinisch und volkswirtschaftlich ein enormer Posten. Es gibt gute Leitlinien und Studien, die vorgeben, in welcher Konstellation Bildgebung relevante Erkenntnisse bringt und wann nicht. Wir müssen verständlich machen, in welchen Fällen die Bildgebung unverzichtbar ist. Die Radiologie hat dank technischer Innovationen und neuer Verfahren immense Fortschritte gemacht – leider können ihr die Gesundheitspolitik und die Kostenträger nicht immer folgen. Da bildgebender Fortschritt oft mit Kosten verbunden ist, wird versucht, Entwicklungen über die Erlösseite einzudämmen. Die Gefahr besteht dann, an der falschen Stelle den Hahn zuzudrehen. Als wissenschaftliche Fachgesellschaft ist es unsere Aufgabe, frühzeitig Stellung zu beziehen und uns Gehör zu verschaffen.

Eine Kernfrage müssen wir Radiologen uns aber auch stellen: An welcher Stelle haben wir klinischen Einfluss? Wo beeinflussen wir tatsächlich mit unserer Diagnostik die Therapie des Patienten so, dass er davon profitiert? Wir müssen also auch darüber sprechen, wann keine Bildgebung gebraucht wird oder wann wir zu viel davon machen. Das ist ein anspruchsvolles Thema, aber eine wissenschaftliche Fachgesellschaft muss auch darauf Antworten haben, gerade in Zeiten finanzieller Verknappung.

Was können Sie zur Mammadiagnostik und zum Ultraschall sagen?

Wer Ultraschall macht, hat vielfach auch die Steuerungsfunktion für den Patienten, wie es mit der Bildgebung und in der Therapie weitergeht.

Prof. Dr. Peter Landwehr

Die Therapie des Mammakarzinoms hat sich geradezu revolutionär weiterentwickelt. So ist durchaus denkbar, dass in einigen Jahren viele Mammakarzinome gar nicht mehr operiert werden müssen. Individualisierte Systemtherapien spielen in der Onkologie eine immer größere Rolle. Entsprechend hat die Radiologie wichtige Aufgaben in der Früherkennung, der Indikationsstellung und der Individualisierung der Behandlung sowie bei Verlaufskontrolle und Nachsorge. Darüber hinaus liegen erste epidemiologische Daten des deutschen Mammographie-Screenings vor, zum Beispiel aus Nordrhein-Westfalen. Wir wissen, dass durch das Screening tatsächlich Tumoren in früheren Stadien diagnostiziert werden, und erwarten nun die ersten Bestätigungen der Epidemiologen, dass die Patientinnen auch wirklich davon profitieren.

Der bildgebende Ultraschall ist in der Radiologie groß geworden und kommt nun wieder näher in die Radiologie zurück. Radiologen sind die Bildgebungsexperten, die auf allen Instrumenten spielen können. Wir beschäftigen uns nicht nur mit den High-Sophisticated-Sonographietechniken wie Bildfusion und Kontrastmittelultraschall. Auch die grundlegenden Ultraschallanwendungen müssen mehr Berücksichtigung finden. Mit anderen Worten: Wir werden in Leipzig in zahlreichen Hands-on-Kursen gerade auch den jungen Assistenzärzten den Abdomenultraschall näherbringen. Wir zeigen in der Notfalldiagnostik, was der Ultraschall kann, und trainieren interventionelle Radiologen in der  vaskulären Sonographie. Für Studenten, die „hellsten Köpfe“ in der Radiologie – ein Programm, das seit Jahren beim Röntgenkongress läuft –, werden wir wieder ein umfangreiches Schulungsprogramm auf diesem Gebiet anbieten.

Allen Radiologen sage ich: Wer Ultraschall macht, hat vielfach auch die Steuerungsfunktion für den Patienten, wie es mit der Bildgebung und in der Therapie weitergeht.

Ist „Fehler und Komplikationen“ ein eher schwieriges Thema?

Wir lernen immer besser, mit unseren Fehlern umzugehen. Jeder Patient weiß, dass Fehler passieren, und nichts wäre schlimmer, als den Anschein zu pflegen, die Medizin wäre unfehlbar. Das ist selbst ein so technisiertes Fach wie die Radiologie nicht. Andere Fächer, insbesondere die operativen Disziplinen, waren uns eine Zeit lang im Umgang mit eigenen Fehlern voraus. Das zu ändern, ist ein wichtiges Ziel des Deutschen Röntgenkongresses 2016.

Jede Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Röntgengesellschaft und die assoziierten Fachgesellschaften werden aus ihrem Bereich dieses Thema bearbeiten. Darüber hinaus werden wir uns um einen übergeordneten Blick bemühen und beispielsweise die Fehlerstatistiken des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung und der Schlichtungsstellen genauer anschauen. Natürlich werden sich auch Vorträge mit typischen Fehldiagnosen in der Radiologie beschäftigen, damit wir auch am konkreten Beispiel lernen, wie wir weniger Fehler machen können.

Warum sollen Radiologen, MTRA, Physiker und die Industrie 2016 zum RöKo nach Leipzig kommen?

Weil der Röntgenkongress noch besser wird. Weil es in Leipzig viel Freude machen wird, Wissen zu erweitern und dabei Kolleginnen und Kollegen zu treffen. Und weil Leipzig eine tolle Stadt ist, die voller Tradition, Kultur und Flair ist – die ideale Heimat für den Deutschen Röntgenkongress!


Profil:
Im Oktober 2015 hat der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover Dr. Peter Landwehr den Professorentitel verliehen. Professor Landwehr war 14 Jahre lang in der Radiologie an den Universitäten Bonn, Würzburg und Köln tätig. Sieben Jahre Oberarzttätigkeit am Institut und in der Poliklinik für Radiologische Diagnostik, Universitätskliniken Köln, davon dreieinhalb Jahre als leitender Oberarzt, prägten ihn in der Vorbereitung auf eine Leitungsfunktion. Im Januar 2001 trat er dann seine Chefarzttätigkeit an der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Diakoniekrankenhaus Henriettenstiftung in Hannover an. 2016 wird er Kongresspräsident des 97. Deutschen Röntgenkongresses in Leipzig.

25.04.2016

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