"Hat...jemand mein Skalpell gesehen?"

Bildquelle: Sasin Tipchai auf Pixabay

RFID-Transponder für Skalpell, Schere & Co.

Neue Technik verhindert 'vergessenes' OP-Besteck

Dank eines winzigen Funketiketts soll jedes OP-Besteck jederzeit online auffindbar sein. Das verhindert Fehler und macht Operationen besser planbar.

Die Technik dafür entwickelt ein Konsortium im Projekt „Digitales Abbild des Sterilgutkreislaufs mittels Transpondertechnik“, kurz DAST. Das Projekt unter Federführung der Firma Smartrac Speciality, an dem der Lehrstuhl für Integrierte Systeme der Ruhr-Universität Bochum (RUB) beteiligt ist, wird mit rund 2,3 Millionen Euro ab November 2019 für drei Jahre aus dem Fonds für regionale Entwicklung der Europäischen Union gefördert.

xray of human chest with medical scissors
Quelle: Shutterstock/luk

Sterilgüter wie OP-Bestecke werden in Krankenhäusern täglich gebraucht und sind ständig in einem Kreislauf aus Nutzung, Reinigung, Sterilisierung, Prüfung, Verteilung im Haus unterwegs. Komplette Sets für Eingriffe werden in Sieben zusammengestellt und transportiert. Studien haben ergeben, dass dabei hohe Fehlerraten von bis zu 30 Prozent auftreten, sodass bei der Operation improvisiert werden muss, indem zum Beispiel Teile aus anderen Sieben herausgenommen werden, die dadurch wiederum lückenhaft sind.

Das Projektkonsortium von DAST will es mit einer technischen Lösung ermöglichen, den Sterilgutkreislauf in Echtzeit zu verfolgen, damit jederzeit sicher ist, wo sich jedes Instrument befindet. Auch das versehentliche Vergessen von Instrumenten im Körper von Patienten soll somit ausgeschlossen sein. Sämtliche Bestecke werden dafür mit RFID-Chips ausgestattet, die berührungslos von Lesegeräten abgelesen werden können, auch wenn viele Teile kreuz und quer in einem Sieb liegen. „Die Auslesung für ein ganzes Sieb kann in einem Rutsch erfolgen“, beschreibt Prof. Dr. Nils Pohl von der RUB.

Die Innovation besteht darin, dass wir den Transponder so klein und auch unter schwierigen Bedingungen auslesbar machen

Nils Pohl

Die Transponder müssen aus hygienischen Gründen in winzige Glasröhrchen von nur 1,4 mal 8 Millimeter eingekapselt und dann in das Besteckteil integriert werden. „Die Innovation besteht darin, dass wir den Transponder so klein und auch unter schwierigen Bedingungen auslesbar machen“, so Pohl. „Für beides ist es essenziell, eine hohe Frequenz von 5,8 Gigahertz zu verwenden, die deutlich kleinere Antennen ermöglicht als bisherige Transponder-Tags bei 13,56 oder 866 Megahertz.“

Da mittels der Technologie DAST zu jedem Sterilgut eine digitale Lebenszyklusakte anlegt und automatisch während des Kreislaufs pflegt, kann jedes Teil von den Klinikzuständigen überwacht und in Echtzeit zurückverfolgt werden. Für die Anwender wird beispielsweise ersichtlich, wo sich das Sterilgut befindet, ob, wann und wofür es genutzt wurde und ob es prozesskonform sterilisiert und gehandhabt wurde. Damit erlaubt es DAST erstmals, die Anforderungen der „EU-Medizinprodukteverordnung EU 2017/745", auch bekannt unter dem Begriff 'Medical Device Regulation', automatisiert zu erfüllen, ohne dass die Sterilgüter oder Siebe an den Lesepunkten vereinzelt werden müssen.


Quelle: Ruhr-Universität Bochum (RUB)

31.01.2020

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