Neue Erkenntnisse auf der 8. Wittenberger Konferenz

Chirurgen diskutieren aktuelle Brennpunkte und „heiße Eisen“

Wittenberg. Zum 8. Mal fand die Wittenberger Konferenz statt, bei der Brennpunkte in der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, technische Entwicklungen und auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit diskutiert wurden.

Photo: Neue Erkenntnisse auf der 8. Wittenberger Konferenz

Vom 4. bis 6. Juli 2013 tauschten unter der Leitung von Prof. Dr. Helmut Zühlke, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie/ Phlebologie und Medikamentöse Tumortherapie am Paul Gerhardt Stift, hochkarätige Mediziner aus ganz Deutschland aktuelle Erkenntnisse und Erfahrungen aus.

Die zahlreich vertretenen jüngeren Ärzte gaben beim ganztägigen „Jungen Forum“ mit experimentellen und klinischen Ergebnissen aus den Bereichen Allgemeine, Unfallchirurgie und Viszeralchirurgie Einblicke in aktuelle Forschungsgebiete. Kontroverse Diskussionen mit dem fachärztlichen Nachwuchs brachte ein aktuelles Thema zum Beruf des Mediziners hervor. Solche „heißen Eisen“ gehören zum speziellen Programm der Wittenberger Konferenz.

Ausgehend von der Frage, „Was macht heute einen Chirurgen aus?“ wurde die „Generation Y“ mit dem angeblichen Lebensmotto „Leben statt Planen“ kritisch hinterfragt: junge, hoch qualifizierte Berufseinsteiger, die flexibel arbeiten und wenig Verantwortung tragen wollen und es vorziehen, viel Geld zu verdienen und mehr Freizeit zu genießen. Dagegen setzte Prof. Helmut Zühlke das anzustrebende Gleichgewicht von Arbeit und Freizeit: „Life-Work-Balance ist ein Idealzustand, der verantwortungsvolles Handeln in allen Lebensbereichen erfordert, wenn er eintreten und Bestand haben soll“.

Der Tagungsleiter stellte die weitreichenden medizinischen Konsequenzen vor dem Hintergrund des akuten Ärztemangels heraus: „Die Flucht aus der patientenbezogenen Versorgung und die Zuwendung zu anderen Fachgebieten sind Alarmzeichen für die Chirurgie!“ Das vielschichtige chirurgische Selbstverständnis wurde mit Vorträgen aus dem Chirurgenleben über mehrere Generationen, über das Verhältnis zum Nachwuchs, zum Thema Frauen in der Chirurgie, zur Lebensqualität und Kommunikation sowie zum Umgang mit Fehlern zu einer aktuellen Standortbestimmung des Chirurgen in der heutigen Zeit.

Derart mit kritischen Denkanstößen eingestimmt, präsentierten die Fachärzte im wissenschaftlichen Programm Brennpunkte in der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie. Themenschwerpunkte lagen bei der nach wie vor problematischen Behandlung von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und der Gallenwege sowie der Peritonitis: Die Bauchfellentzündung mit der Veränderung des Keimspektrums und differenzierten Therapiemöglichkeiten wie neuen Ansätzen in der Chemotherapie war ein wichtiges Diskussionsthema.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse gab es im Bereich der Onko-Chirurgie. Nach aktuellen Studien bieten neue medikamentöse Therapien beim metastasierten kolorektalen Karzinom (Krebserkrankungen des Dickdarms und des Mastdarms) deutliche Überlebensvorteile für die Patienten. Im Fokus standen außerdem zentrale Themen aus der Allgemein- und Thoraxchirurgie sowie aus der Gefäßchirurgie, etwa die durch zunehmend resistente Bakterien bedingten Gefäßinfektionen, der Frühverschluss von Gefäßrekonstruktionen sowie Komplikationen bei interventionellen Techniken. Durch fortgeschrittene technische Entwicklungen, medikamentöse Weiterentwicklungen und auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit immer neuen Problemen und Fragestellungen konfrontiert, hatten die Fachärzte an allen drei Kongresstagen zahlreiche Diskussionspunkte und führten Fachgespräche auf hohem Niveau. (ka)
 

21.08.2013

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