3D-illustration einer Frau, die an einem Schachbrett einen Bauern bewegt. Vor...
Illustration zum Prinzip der Optogenetik

© The Nobel Committee for Physiology or Medicine. Ill. Mattias Karlén 

News • Hirnforschung

Medizin-Nobelpreis für Pioniere der Optogenetik

Georg Nagel, Karl Deisseroth und Peter Hegemann werden für ihre Entdeckungen über lichtgesteuerte Ionenkanäle ausgezeichnet

Georg Nagel, Karl Deisseroth und Peter Hegemann erhalten in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin. Das Nobel-Komitee würdigt mit der mit rund einer Million Euro dotierten Auszeichnung ihre gemeinsamen Entdeckungen über lichtgesteuerte Ionenkanäle und zur Optogenetik. 

Georg Nagel (73) hat von 2004 bis 2021 als Professor für Molekulare Pflanzenphysiologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) geforscht und war danach bis Ende Juni 2026 als Seniorprofessor am Physiologischen Institut der JMU aktiv. Karl Deisseroth forscht an der Stanford University, Peter Hegemann an der Humboldt-Universität Berlin.

Dass dieses System hilfreich für die Erforschung des menschlichen Gehirns sein dürfte, wurde sehr früh erkannt

Dirk Becker

Die drei Forscher haben bei der Erforschung des Gehirns für außerordentliche Fortschritte gesorgt: Ihre Entdeckungen ermöglichen es, die Aktivität einzelner Nervenzellen in einem lebenden Gehirn mit Hilfe von Licht an- oder abzuschalten. Diese Methode mit dem Namen Optogenetik wird mittlerweile in Laboren auf der ganzen Welt eingesetzt. 

Dank der Arbeiten der drei Nobelpreisträger sind Forschende nun dazu in der Lage, Erinnerungen zum Leben zu erwecken, Gefühle zu erzeugen, Verhaltensweisen zu steuern und die Arten von Nervenzellen zu untersuchen, die an psychiatrischen und neurologischen Störungen beteiligt sind, so das Komitee. Die Optogenetik habe das Wissen über das Gehirn grundlegend geändert. Zudem habe sie wichtige Erkenntnisse darüber geliefert, wie das Nervensystem mit Zellen in anderen Bereichen des Körpers zusammenspielt, beispielsweise im Herzen und im Darm. 

Die Optogenetik hat ihre Ursprünge in Pflanzenzellen, in Algen. „Dass dieses System hilfreich für die Erforschung des menschlichen Gehirns sein dürfte, wurde sehr früh erkannt. Die Arbeiten von Georg Nagel und seinen Mitforschenden waren in dieser Hinsicht wirklich bahnbrechend", sagt Prof. Dirk Becker vom Lehrstuhl für Botanik I der JMU, der über 20 Jahre lang mit Nagel zusammengearbeitet hat. 

Portraitfoto von Georg Nagel
Georg Nagel zählt zu den diesjähigen Nobelpreisträgern er für seine Grundlagenforschung zur Optogenetik.

Bildquelle: Universität Würzburg; Foto: Rudi Merkl

Georg Nagel, geboren 1953 in Weingarten, studierte Biologie und Biophysik an der Universität Konstanz und promovierte 1988 an der Goethe-Universität Frankfurt. Nach einer Post-Doc-Zeit an der Yale University und der Rockefeller University in New York kehrte er 1993 als Forschungsgruppenleiter an das Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt zurück. 2004 erhielt er den Ruf an die JMU. 

Karl Deisseroth, Neurowissenschaftler und Psychiater an der Stanford University, trieb die Anwendung der Optogenetik in der Neurowissenschaft entscheidend voran. Peter Hegemann, Biophysiker an der Humboldt-Universität Berlin, leistete grundlegende Arbeiten zur Charakterisierung der lichtempfindlichen Proteine, die das Fundament der Optogenetik bilden. 

Alle drei Forscher wurden bereits vielfach für ihre Arbeiten geehrt. Zu den wichtigsten gemeinsamen Auszeichnungen zählen unter anderem der Brain Prize (2013), der Rumford-Preis (2019) und der Shaw Prize (2020). Georg Nagel und Peter Hegemann erhielten zudem 2010 gemeinsam mit Ernst Bamberg den Wiley Prize in Biomedical Sciences und den Karl Heinz Beckurts-Preis. Die Universität Würzburg verlieh Nagel 2024 die Röntgenmedaille. Der Nobelpreis für Medizin 2026 krönt nun die lange Liste an Auszeichnungen. 

An der Universität Würzburg löste die Nachricht große Begeisterung aus: „Im Namen der JMU gratuliere ich unserem 15. Nobelpreisträger von ganzem Herzen zu dieser Spitzen-Auszeichnung", sagt Universitätspräsident Prof. Paul Pauli. 


Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg 

06.10.2026

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