Behandelter Lebertumor unter dem Mikroskop. Während die Tumorzellen (oberer...
Behandelter Lebertumor unter dem Mikroskop. Während die Tumorzellen (oberer Bereich des Bildes) durch die lipotoxische Therapie stark angegriffen werden (es entstehen charakteristische Lipidtröpfchen und Zelltod), sind die normalen Leberzellen (unterer Bereich des Bildes) durch die Therapie kaum betroffen.

© Universitätsklinikum Tübingen

Vielversprechende präklinische Studie

Leberkrebs: Neue Behandlungsmethode erfolgreich getestet

Eine präklinische Studie am Universitätsklinikum Tübingen zeigt erfolgsversprechende Effekte eines neuen Therapieansatzes bei durch nicht-alkoholischer Steatohepatitis (NASH) hervorgerufenem Leberzellkarzinom (HCC).

Der als „induzierte Lipotoxizität“ bezeichnete Vorgang zielt darauf ab, Therapieresistenzen beim Leberzellkarzinom zu überwinden. Die neue Studie ist im Wissenschaftsjournal „Nature Cancer“ erschienen.

Unser neues Therapieverfahren muss jetzt bis zur klinischen Anwendung weiterentwickelt und nachfolgend in einer klinischen Studie getestet werden

Lars Zender

Beim neuen Ansatz wird therapeutisch in den Fettstoffwechsel der Tumorzellen eingegriffen. Durch Aktivierung des sogenannten LXRα Proteins kommt es zu einer Steigerung der Fettsäuresynthese. Diese kann zunächst von der Tumorzelle toleriert werden, weil anfallende gesättigte Fettsäuren (aus der Ernährungsmedizin auch als schlechte Fettsäuren bekannt) kontinuierlich durch das Enzym Stearoyl-CoA desaturase-1 (SCD1) zu ungesättigten (guten) Fettsäuren umgewandelt werden. Wird jedoch gleichzeitig ein zweites Protein, die sogenannte Raf-1 Kinase, gehemmt, so kommt es in der Tumorzelle zu einer Anreicherung von gesättigten Fettsäuren, welche von der Tumorzelle nicht toleriert werden kann und zum Zelltod der Tumorzelle führt. Von besonderer Bedeutung ist die Tatsache, dass das neue Therapiekonzept eine starke Wirksamkeit gegen Leberkrebs hat, welcher durch Leberverfettung (NASH) hervorgerufen wird. Klinische Studien haben gezeigt, dass diese sogenannten NASH-HCCs mit derzeit verfügbaren zielgerichteten oder Immuntherapien nur schwer zu beherrschen sind.

Mit den vielversprechenden präklinischen Daten blickt Prof. Dr. Lars Zender hoffnungsvoll in die Zukunft: „Leberkrebs ist bereits ein globales Problem und die Inzidenz wird durch Fettlebererkrankungen in den nächsten Dekaden weiter ansteigen. Unser neues Therapieverfahren muss jetzt bis zur klinischen Anwendung weiterentwickelt und nachfolgend in einer klinischen Studie getestet werden.“

Das HCC ist für 85-90 Prozent aller Fälle von primärem Leberkrebs verantwortlich und stellt weltweit eine der häufigsten krebsbedingten Todesursachen dar (mit mehr als 750.000 Todesfällen pro Jahr). Es wird erwartet, dass die Inzidenz des Leberzellkarzinoms aufgrund der stetig steigenden Raten von Fettlebererkrankungen weiter ansteigen wird. Umso erfreulicher sind die Daten der präklinischen Studie, die einen neuen therapeutischen Ansatz aufzeigen.


Quelle: Universitätsklinikum Tübingen

21.02.2021

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