Eine Tasse schwarzer Kaffee aus der Vogelperspektive. Um die Tasse herum sind...
Viele halten Kaffee für den vielleicht wichtigsten Motor für wissenschaftliches Arbeiten – doch der schwarze Wachmacher kann offenbar noch mehr, wie neue Forschung zeigt.

© Toni Cuenca – pexels.com

News • Kontrastmittel mit Koffein

Kaffee für die Wissenschaft: Espresso macht Zellen sichtbar

Espresso eignet sich bei der Untersuchung biologischer Proben als günstige Alternative für das hochgiftige und radioaktive Uranylacetat. Dies haben Forschende der TU Graz nun nachgewiesen.

Damit die Gewebestrukturen von biologischen Proben unter dem Elektronenmikroskop gut erkennbar sind, werden sie mit einem Kontrastmittel behandelt. Das Standardmittel hierfür ist Uranylacetat. Diesen hochgiftigen und radioaktiven Stoff dürfen jedoch einige Labore aus Sicherheitsgründen nicht verwenden. Ein Forschungsteam am Institut für Elektronenmikroskopie und Nanoanalytik der TU Graz (FELMI-ZFE) hat nun eine umweltfreundliche Alternative gefunden: gewöhnlichen Espresso. Bilder der damit behandelten Proben hatten eine ebenso gute Qualität wie Aufnahmen von Vergleichsproben, bei denen Uranylacetat zum Einsatz kam. Diese Erkenntnisse haben die Forschenden im Fachmagazin Methods veröffentlicht

Eine runde Form mit Flecken in unterschiedlichen Brauntönen. Am unteren linken Bildrand zeigt ein schwarzer Balken den Größenmaßstab (1 µm)
Elektronenmikroskopische Aufnahme einer Alge, die mit Espresso vorbehandelt wurde, um stärkere Kontraste zu erzeugen.

Bildquelle: Mayrhofer/FELMI-ZFE 

„Auf die Idee, Espresso als Kontrastmittel zu verwenden, haben mich die kreisrunden eingetrockneten Flecken in vergessenen Kaffeetassen gebracht“, sagt Claudia Mayrhofer, die am Institut für die Ultramikrotomie zuständig ist: Sie schneidet als Vorbereitung Gewebeproben in hauchdünne Scheiben und fixiert sie auf Probenträgern. Das Kontrastieren erfolgt als letzter Schritt vor der Untersuchung im Elektronenmikroskop. „Erste Versuche haben gezeigt, dass Kaffee biologische Proben anfärbt und für stärkere Kontraste sorgt“, sagt Mayrhofer. 

Wie gut Espresso im direkten Vergleich mit Uranylacetat abschneidet, untersuchte Claudia Mayrhofer gemeinsam mit Teamleiterin Ilse Letofsky-Papst und dem Masterstudenten Robert Zandonella. Unter identischen Bedingungen behandelten sie ultradünne Schnitte von Mitochondrien mit verschiedenen Kontrastmitteln und bewerteten die Qualität der Mikroskopaufnahmen mit einer speziellen Bildanalysesoftware. „Espresso hat im Vergleich für sehr gute Kontrastwerte gesorgt, teilweise waren sie sogar besser als beim Uranylacetat“, sagt Claudia Mayrhofer. 

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Kaffee eine ernstzunehmende Alternative zu Uranylacetat ist“, sagt Ilse Letofsky-Papst. Für eine breite Anwendung in der biologischen Elektronenmikroskopie seien jedoch noch weitere Untersuchungen an unterschiedlichen Gewebearten erforderlich. 


Quelle: TU Graz 

10.01.2026

Verwandte Artikel

Photo

News • Überleben in der Mundschleimhaut

Forscher decken Pathogenitätsmechanismus von Hefepilz auf

Am Beispiel des Hefepilzes Candida albicans zeigen Forschende, wie das Immunsystem auf unterschiedliche Pilzstämme reagiert – und decken dabei einen Überlebensmechanismus des Pilzes auf.

Photo

News • Probenzuordnung bei Endometriose

Anticlustering für bessere Verteilung medizinischer Daten

Treten bei der Verteilung medizinischer Daten Cluster auf, kann das die Ergebnisse verfälschen. Am Beispiel von Endometriose zeigen Forscher ein Verfahren, das dieses Clustering verhindert.

Photo

News • Neue Einblicke in Zell-Interaktion

Unter dem Super-Mikroskop: Wie Influenzaviren Wirtszellen kapern

Influenzaviren zählen zu den wahrscheinlichsten Auslösern künftiger Pandemien. Ein Forschungsteam hat eine Methode entwickelt, die das Eindringen der Viren in Wirtszellen detailliert darstellt.

Verwandte Produkte

Newsletter abonnieren