Tumorzellen im Blutstrom (Illustration): Ein neuer Forschungsansatz geht der Frage nach, ob Krebszellen aktiv bleiben, nachdem sie von Makrophagen 'gefressen' wurden. Das würde ein völlig neues Licht auf die Entstehung von Metastasen werfen.

Bildquelle: Shutterstock/sciencepics

News • Forschung-Förderung

Gewagte Idee zur Bildung von Metastasen

Können Fresszellen wie ein trojanisches Pferd Tumorzellen in sich tragen und damit Metastasen bei Krebskranken verursachen?

Können Fresszellen wie ein trojanisches Pferd Tumorzellen in sich tragen und damit Metastasen bei Krebskranken verursachen? Mit dieser ungewöhnlichen Frage ist PD Dr. Heiko Bruns vom Universitätsklinikum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in das Förderprogramm „Experiment! – Auf der Suche nach gewagten Forschungsideen“ aufgenommen worden. Bis Ende 2021 fördert ihn die VolkswagenStiftung mit 120.000 Euro. Das Projekt startet im Frühjahr.

Die Forschung ist von großer Bedeutung, weil Metastasen als die größte Gefahr bei Krebserkrankungen gelten. Sie sind für fast 90 Prozent der Todesfälle bei Krebspatienten verantwortlich. Wie sich Metastasen bilden, ist aber nicht gut genug geklärt, berichtet Dr. Bruns. Bislang geht man davon aus, dass sie sich über die Lymphgefäße und über die Blutbahnen im Körper ausbreiten. „Ich bin sehr dankbar für die Förderung“, sagt der Forscher: „Damit kann ich ein Projekt starten, das mich leidenschaftlich interessiert.“

Dem Makrophagen-Paradox auf der Spur

Heiko Bruns, der die Arbeitsgruppe „Immunmodulation des Tumormikromilieus“ an der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie des Uni-Klinikums Erlangen leitet, geht nun von einer völlig neuen Hypothese aus. Der Biologe beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit Makrophagen. Dabei handelt es sich um Fresszellen des Immunsystems, die Bakterien, Pilze und fremde Keime unschädlich machen, sowie das Gewebe reparieren. Heiko Bruns promovierte über die Frage, wie Tuberkulosebakterien in einzelnen Makrophagen überleben können.

Ein ähnliches Phänomen hat er wiederholt auch bei einzelnen Tumorzellen beobachtet. „Makrophagen sind prinzipiell dazu in der Lage, Tumorzellen aufzufressen und zu eliminieren“, erläutert der Wissenschaftler, der über die Bedeutung von Makrophagen bei Tumorerkrankungen habilitiert hat. Deshalb werden die Fresszellen auch im Rahmen von Antikörpertherapien aktiviert. Paradoxerweise haben Krebskranke mit vielen Makrophagen aber eine geringere Lebenserwartung. Zudem wurde im Mausmodell festgestellt, dass das Tumorwachstum fast gestoppt werden konnte, wenn man die Makrophagen entfernte.

Dieser Artikel könnte Sie auch interessieren

Photo

Artikel • Auf Tumorsuche

CUP-Syndrom: Rauch ohne Feuer

Das CUP-Syndrom (von engl. cancer of unknown primary) schickt Radiologen auf eine mitunter frustrierende Schnitzeljagd: Beim Patienten werden Metastasen entdeckt, doch vom Primärtumor fehlt jede Spur. Prof. Dr. Alwin Krämer erklärt, worauf Mediziner im Umgang mit CUP-Patienten achten müssen.

Heiko Bruns geht nun davon aus, dass einzelne Tumorzellen zwar von den Fresszellen aufgenommen, aber nicht zwingend getötet werden. Stattdessen nutzten sie die Makrophagen als „Trojanische Pferde“. Dadurch könnten sie quasi unerkannt durch den Körper wandern und andere Standorte mit den Zellen besiedeln. „Dann könnten sie eine der Ursachen für Metastasen sein“, sagt der Forscher.

Um diese Hypothese zu testen, werden zunächst Makrophagen mit verschiedenen Tumorzellen gemischt. Sie werden unterschiedlich angefärbt, so dass sich im Fluoreszenzmikroskop erkennen lässt, ob sie gefressen worden sind. Dann wird in Langzeitversuchen beobachtet, ob überlebende Tumorzellen aus Makrophagen herauswachsen. Geplant sind Experimente mit Tumorzellen von Brustkrebs, Melanomen und Pankreas-Karzinomen. Sollte sich dieser Ansatz bewahrheiten, könnten die Krebsforscher mit Therapien gegen bestimmte Makrophagen oder ihre Mechanismen vorgehen: „Dann ließen sich Metastasen gezielter und schneller verhindern“, hofft der Wissenschaftler.


Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

20.02.2020

Mehr aktuelle Beiträge lesen

Verwandte Artikel

Photo

News • Krebsforschung

Wie Tumoren die Bildung von Metastasen unterdrücken

Warum treten Metastasen häufig erst dann auf, wenn der ursprüngliche Krebsherd chirurgisch entfernt worden ist? Wissenschaftler veröffentlichen nun einen Erklärungsansatz für das Phänomen.

Photo

News • Neuer mechanischer Zustand entdeckt

Hart und weich zugleich: die Metastasen-Tricks der Krebszellen

Verhärtete Lymphknoten, weiche Zellen: Krebszellen vereinen mehrere mechanische Eigenschaften. Forscher sind diesem scheinbaren Paradox auf den Grund gegangen - und entdeckten Erstaunliches.

Photo

News • Defekte an Mikrotubuli

Hautkrebs: Neuer Mechanismus zur Metastasierung entdeckt

Forschende an der Universitätsmedizin Göttingen haben entdeckt, dass Defekte in zellulären Skelettstrukturen entscheidend zur Metastasierung von Hautkrebs und anderen Krebsarten beitragen können.

Verwandte Produkte

Sarstedt – Low DNA Binding Micro Tubes

Research Use Only

Sarstedt – Low DNA Binding Micro Tubes

SARSTEDT AG & CO. KG
Shimadzu – CLAM-2030 CL (IVD)/ CLAM-2030 (RUO)

Mass Spectrometry

Shimadzu – CLAM-2030 CL (IVD)/ CLAM-2030 (RUO)

Shimadzu Europa GmbH
Shimadzu – LCMS-8060NX CL (IVD) / LCMS-8060 NX (RUO)

Mass Spectrometry

Shimadzu – LCMS-8060NX CL (IVD) / LCMS-8060 NX (RUO)

Shimadzu Europa GmbH
Shimadzu – MALDImini-1

Research Use Only

Shimadzu – MALDImini-1

Shimadzu Europa GmbH
Newsletter abonnieren