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Transsexualität

Geschlechtsanpassung: Experten warnen vor Hormontherapie auf eigene Faust

Eine Hormontherapie zur Geschlechtsanpassung von Transsexuellen ist ein massiver Eingriff. Unsachgemäß angewandt birgt sie deutliche Risiken für Körper und Seele. Dies können etwa Leberschäden, hormonempfindliche Tumoren oder psychische Erkrankungen wie Depressionen sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE) warnt deshalb vor einer Eigentherapie ohne ärztliche Aufsicht – etwa mit Präparaten aus dem Schwarzmarkt und dem Internet. Werden die körperlichen Veränderungen von erfahrenen Experten begleitet, kann die Hormonbehandlung das Befinden der Betroffenen jedoch deutlich verbessern, so die DGE im Vorfeld der Hormonwoche vom 18. bis 25. September 2021.

[Geschlechtsentwicklungsstörungen und psychische Erkrankungen] können zwar ähnliche Symptome wie Transsexualität hervorrufen, bedürfen jedoch einer unterschiedlichen Behandlung

Günter K. Stalla

Von Transsexualismus oder Transsexualität spricht die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsproblem (ICD), wenn bei einer Person der Wunsch besteht, als Angehörige oder Angehöriger des anderen Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden (ICD-Code F64.-). Transsexuelle Frauen, die sich zu Männern haben umwandeln lassen, bezeichnet man als Transmänner. Sie sind also biologisch weibliche Menschen, die sich als Männer wahrnehmen. Entsprechend umgekehrt sind biologisch männliche Menschen mit weiblicher Geschlechtsidentität Transfrauen. „Je nach epidemiologischer Berechnung, Definition und Untersuchungsmethode geht man davon aus, dass etwa 0,5 bis 0,6 Prozent der Bevölkerung von Transsexualität betroffen sind. Weltweit leben geschätzt circa 25 Millionen transidente Personen“, sagt Professor Dr. Günter K. Stalla, Präsident der DGE und Leiter des Medicover Neuroendokrinologie, München. „Wir nehmen jedoch an, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist.“ Der Leidensdruck und der Wunsch nach einer Geschlechtsangleichung seien oft groß, berichtet der Endokrinologe, der bisher etwa 1000 transsexuelle Patienten betreut hat.

Vor Behandlungsbeginn und im ersten Schritt müssen Psychiater die Diagnose „Transsexualität“ bestätigen. Dies ist Voraussetzung für die Therapie. Zudem gilt es, anderweitige Geschlechtsentwicklungsstörungen und psychische Erkrankungen auszuschließen: „Diese können zwar ähnliche Symptome wie Transsexualität hervorrufen, bedürfen jedoch einer unterschiedlichen Behandlung“, so Stalla. Danach folgt die Abklärung möglicher Risiken einer Hormontherapie, etwa vorbestehende Leberschäden oder hormonempfindliche Tumoren. Anschließend kann die geschlechtsangleichende Hormontherapie (GAHT) durch einen Endokrinologen beginnen. Männer, die Frauen werden wollen, erhalten Östrogen in Kombination mit Antiandrogenen. Die Behandlung der Frau zu Mann-Transsexualität enthält als Basis Testosterongaben. Die Hormongaben führen rasch zu deutlichen, teilweise irreversiblen Veränderungen des Körpers. So wachsen Transfrauen Brüste, die Libido nimmt ab, ebenso das Volumen von Prostata und Hoden. Bei Transmännern nimmt die Körperbehaarung zu, es wächst ein Bart und die Fett- und Muskelverteilung entwickeln sich zu einer typisch männlichen Silhouette.

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Aufgrund des erheblichen Eingriffs in den Hormonhaushalt können jedoch, insbesondere bei unkontrollierter oder überdosierter Behandlung, unerwünschte Wirkungen auftreten. Dazu gehören etwa Stoffwechselstörungen, Thrombosen, Tumoren oder Depressionen. „Wir raten deshalb dringend, sich zur Behandlung in ärztliche Hände zu begeben“, sagt Stalla. Idealerweise findet die Behandlung im interdisziplinären Team aus erfahrenen Psychiatern, Psychologen, Endokrinologen und spezialisierten Chirurgen statt. „Eine engmaschige Kontrolle im Laufe der Hormonbehandlung sowie eine regelmäßige jahrelange Nachsorge durch den behandelnden Arzt sind für eine verantwortungsvolle Therapie entscheidend“, fasst DGE-Mediensprecher Professor Dr. Stephan Petersenn von der ENDOC Praxis für Endokrinologie und Andrologie in Hamburg, zusammen.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie

02.09.2021

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