Die Erkenntnisse der Forscher sollen helfen, Erkrankungen der Niere besser zu verstehen und behandeln.

Quelle: Shutterstock/Nerthuz

EU-Förderung

Forscher verwandeln Haut- in Nierenzellen

Forscher des Universitätsklinikums Freiburg wollen im Labor menschliche Hautzellen in Nierenzellen umwandeln und daran Nierenkrankheiten erforschen. Dafür stattete der Europäische Forschungsrats (ERC) die Wissenschaftler mit einer Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro aus.

Bei dem fünf Jahre laufenden „ERC Starting Grant“ handelt es sich um die höchstdotierte Förderung für Nachwuchswissenschaftler der Europäischen Union. Erste Erfolge bei ihrem Vorhaben konnte die Arbeitsgruppe um PD Dr. Soeren Lienkamp, Arzt und Forschungsgruppenleiter an der Klinik für Innere Medizin IV des Universitätsklinikums, im Versuch an Mäusen verzeichnen. „Die Fördermittel der Europäischen Union erlauben es uns jetzt, das Verfahren für menschliche Zellen zu optimieren“, sagt Dr. Lienkamp.

portrait of soeren lienkamp
PD Dr. Soeren Lienkamp
Quelle: privat

Da es einfacher und sicherer ist, die Zellen umzuwandeln als Nierengewebe von Patienten zu entnehmen, könnte die Methode dazu beitragen, neue Medikamente gegen Nierenerkrankungen schneller auf ihre Wirksamkeit zu untersuchen. "Aber auch mögliche nierenschädigende Nebenwirkungen von Medikamenten wären besser abzuschätzen“, sagt Dr. Lienkamp.

Funktioniert die Umwandlung von Haut- in Nierenzellen, lässt sich untersuchen, wie individuelle genetische Unterschiede sich auf die Nierenfunktion auswirken. Bis im Labor voll funktionsfähige Nierenzellen erzeugt werden können, wird es nach Ansicht der Forscher allerdings noch einige Jahre dauern. Doch bereits in der Zwischenzeit wirft die Forschung wertvolle Erkenntnisse über die Entstehung und Funktion der Niere ab, etwa in der Embryonalentwicklung.

Wir hoffen, durch den neuen Ansatz Erkrankungsmechanismen von Zystennieren, Nierenfehlbildungen oder anderen Störungen der Nieren besser zu verstehen und so neue Therapieansätze zu finden

Gerd Walz

Das vor kurzem am Universitätsklinikum Freiburg entwickelte Verfahren zur künstlichen Herstellung von Nierenzellen beruht auf der Aktivierung von nur vier Genen und wird als „direkte Reprogrammierung“ bezeichnet. Hiermit lassen sich Bindegewebszellen der Haut, sogenannte Fibroblasten, in Nierentubuluszellen umwandeln. Diese Zellen sind dafür zuständig, dass aus den etwa 150 Litern Primärharn rund 99 Prozent der Flüssigkeit und Mineralstoffe zurückgewonnen werden. „Wir hoffen, durch den neuen Ansatz Erkrankungsmechanismen von Zystennieren, Nierenfehlbildungen oder anderen Störungen der Nieren besser zu verstehen und so neue Therapieansätze zu finden“, sagt Prof. Dr. Gerd Walz, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin IV (Schwerpunkt: Nephrologie und Allgemeinmedizin), in der die Arbeiten durchgeführt werden.


Quelle: Universitätsklinikum Freiburg

01.08.2018

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