Ähnlich wie bei diesem Seil verklumpen die Proteine in den resistenten Bakterien - dadurch werden sie unschädlich gemacht.
Quelle: Pixabay/Engin_Akyurt

Neue Medikamente?

Eiweißklumpen töten resistente Bakterien

Belgische Wissenschaftler finden neue Klasse von Medikamenten

Photo
EHEC HUSEC 41. EHEC-Bakterium des Ausbruchsstammes O104:H4. Transmissions-Elektronenmikroskopie, Negativkontrastierung. Maßstab = 500 nm
Quelle: Michael Laue, Janett Piesker/RKI

Forscher der Katholischen Universität Löwen (KU Löwen) haben ein neues Medikament entwickelt, das gegen ganze Familien von antibiotikaresistenten Bakterien wirkt. Es dringt in die Bakterien ein und sorgt dort für eine Zusammenballung von Proteinen, also Eiweißen. Dieser Prozess ähnelt dem, was beim Kochen von Eiern passiert: Das Eiweiß wird fest. Das neue Medikament braucht dazu keine Wärme. Dennoch verklumpen die Proteine, die für die Bakterien eine essenzielle Bedeutung haben, etwa beim Stoffwechsel. Jetzt können sie ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen, sodass das Bakterium abstirbt. Die Wissenschaftler am Flämischen KU-Löwen-Institut für Biotechnologie in Gent und der Universitätsklinik Löwen wollen das Mittel zusammen mit dem flämischen Jungunternehmen Aelin Therapeutics zur Marktreife bringen. Das Unternehmen plant die Entwicklung zahlreicher Antibiotika auf gleicher Basis. Damit sollen zahlreiche andere Infektionskrankheiten behandelbar werden.

Immer mehr Tote durch Infektionen

Wenn wir nicht bald neue Medikamente haben, fallen wir auf den Behandlungsstandard der 1940er-Jahre zurück

Weil Antibiotikaresistenzen zunehmen, sind neue Medikamente nötig. Denn Bakterien entwickeln ständig neue Strategien, um zu überleben, sodass immer mehr Patienten an unheilbaren Infektionen sterben. "Wenn wir nicht bald neue Medikamente haben, fallen wir auf den Behandlungsstandard der 1940er-Jahre zurück", befürchten die Wissenschaftler. Vor allem die sogenannten gramnegativen Bakterien bereiten den Medizinern weltweit Sorgen, weil sie vor allem in Krankhäusern wüten, mit oft tödlichen Folgen. Zu dieser Gruppe gehört Escherichia coli, ein für den Darm wichtiges Bakterium. Es gibt jedoch Stämme, die pathogen sind, also Infektionen innerhalb und außerhalb des Darms auslösen können.

Das Problem mit den heutigen Antibiotika ist, dass die Bakterien sich so verändern, dass sie nicht nur gegen ein bestimmtes Antibiotikum resistent werden, sondern gegen eine ganze Familie. Aus diesem Grund kann nur eine völlig neue Klasse von Medikamenten Hilfe bringen. Die Wissenschaftler wollen diese jetzt gefunden haben.


Quelle: KU Leuwen/pressetext

03.03.2018

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