Droht die nächste Viruswelle?

Der Winter scheint gut überstanden, der befürchtete schwere Verlauf der Schweinegrippe-Pandemie blieb aus. Doch jetzt ist schon die nächste Viruswelle da: Durchfall und Erbrechen, häufig begleitet von Fieber und Schüttelfrost betreffen derzeit immer mehr Menschen in
Deutschland − alles typische Symptome für das Norovirus.

Prof. Dr. Helmut Fickenscher ist seit April 2005 Professor für Virologie an...
Prof. Dr. Helmut Fickenscher ist seit April 2005 Professor für Virologie an der CAU, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

"Wir stellen einen starken Anstieg von Erkrankungen mit dem Norovirus fest, die Zahl der aktuell gemeldeten
Fälle liegt über den Durchschnittswerten der letzten fünf Jahre", so Prof. Dr. Fickenscher, Virologe der Christian-Albrechts-Universität  zu Kiel und Experte des Exzellenzclusters Entzündungsforschung in Schleswig-Holstein.

Noroviren sind hoch ansteckend

Das Norovirus wird von Mensch zu Mensch durch die Ausscheidungen  eines bereits erkrankten Menschen übertragen. Der Erreger ist stabil und überlebt auch einige Tage auf Handtüchern, Geschirr, Spielzeug, Lebensmitteln oder Türklinken. Deswegen ist die Ansteckungsgefahr in gemeinschaftlich genutzten Einrichtungen wie Büros, Krankenhäusern oder Kindergärten besonders hoch. "Hat man das Norovirus gefangen,  erkrankt man an einer Magen-Darm-Entzündung. Wer betroffen ist, leidet unter Krämpfen, Durchfall, Erbrechen, auch unter
Schüttelfrost, Glieder- oder Kopfschmerzen.", erläutert Prof. Fickenscher. "Gegen diese Symptome gibt es keine Medizin, sie klingen meistens nach zwei bis drei Tagen von selber wieder ab und, wenn sich der Erkrankte danach vollständig auskuriert, wird das Norovirus auch  ohne Folgen überwunden. Der Körper sollte ausreichend mit Flüssigkeit wie Wasser und Tee versorgt werden, je nach Schweregrad der Symptome auch mit Elektrolytlösungen. Das Norovirus ist zwar heftig in der  Wirkung, aber vergleichsweise harmlos und schnell überwunden."
Allerdings können Noroviren bei Patienten mit Immunsuppression, z.B. in der Tumor- oder Rheumatherapie besonders schwer und länger andauernd erkranken.

Vorbeugen hilft

Wer sich gar nicht erst anstecken will oder selber betroffen ist und  andere keinem erhöhten Ansteckungsrisiko aussetzen möchte, sollte auf eine verstärkte persönliche Hygiene achten. "Gründliches Händewaschen ist das einfachste Mittel, um sich zu schützen.", so Prof. Dr.  Fickenscher, und weiter: "Das Norovirus zeigt sich unbeeindruckt von vielen Desinfektionsmitteln, so dass besonders stark viruswirksame  Mittel benötigt werden. Die Kleidung und Bettwäsche von Erkrankten sollte bei mindestens 60 Grad gewaschen und wenn möglich gekocht werden. Handtücher, Geschirr, Spielzeug sollten nicht gemeinsam von Erkrankten und Nicht-Erkrankten benutzt werden."

Vom 20. bis 30. April 2010 finden in Berlin eine Ausstellung sowie Vorträge von Experten des Exzellenzclusters zu unterschiedlichen Aspekten des Phänomens Entzündung statt.

Details: www.entzündungsforschung.de
 

10.04.2010

Mehr aktuelle Beiträge lesen

Verwandte Artikel

Photo

COVID-Schutzausrüstung für Klinikpersonal

Lassen sich FFP2-Schutzmasken mehrfach verwenden?

Die von Krankenhaus-Personal und Rettungskräften getragenen Atemschutzmasken vom Typ FFP2 können bedenkenlos mehrfach benutzt werden und erfüllen weiterhin strenge Hygiene-Standards, wenn sie…

Photo

Virologen nehmen Stellung

Welches Desinfektionsmittel bei Coronavirus-Verdacht?

Die gemeinsame Kommission „Virusdesinfektion“ der Gesellschaft für Virologie (GfV) und der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten (DVV) hat eine Stellungnahme zum Einsatz von…

Photo

Krankenhaus-Infektionen

Hygieneradar: Lücken bei Vorgaben und Kontrollen

Ob Infektionsschutzgesetz oder Krankenhausstrukturgesetz – fast ein Drittel der Teilnehmer am WISAG Hygieneradar 2018 hält die Vorgaben für nicht ausreichend, um nosokomiale Infektionen in den…