Thorax

Die vielen Gesichter der Pneumonie

Bei der Abklärung eines Verdachts auf eine Pneumonie geht fast nichts ohne das Thoraxröntgen. Denn allein anhand von klinischen Symptomen wie Husten oder Fieber lässt sich eine eindeutige Diagnose kaum stellen. Doch dreht sich in der Bildgebung längst nicht alles nur um die Frage: Lungenentzündung – ja oder nein?

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Prof. Dr. Stefan Diederich ist Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Marienhospital Düsseldorf.

Vielmehr gibt der Radiologe häufig entscheidende Hinweise darauf, welche Therapie zum Erfolg führt. Denn nicht jede Lungenentzündung spricht auf Antibiotika an. Prof. Dr. Stefan Diederich, Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Marienhospital Düsseldorf, schildert, wie unterschiedlich Pneumonien aussehen können und warum die Frage, wo sich der Patient angesteckt hat, wegweisend ist.

„Es gibt Patienten, die fangen sich eine Lungenentzündung auf der Straße ein, sind aber ansonsten gesund. Bei solch einer ambulant erworbenen Pneumonie, im Englischen community acquired pneumonia, kann man mit relativer Sicherheit davon ausgehen, dass die Infektion auf Streptococcus pneumoniae zurückzuführen ist“, erklärt er. „Diese klassische Form der bakteriellen Lungenentzündung betrifft häufig nur einen Lungenlappen, der dann stark verändert aussieht, während alle anderen Lungenlappen völlig unauffällig sind.“

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Befall der Lunge durch ein malignes Lymphom bei einem 61-jährigen Patienten.

Dem gegenüber stehen die stationär erworbenen Pneumonien, die ein ganz anderes Kaliber darstellen: „Krankenhauspatienten haben häufig Risikofaktoren für eine Lungenentzündung wie Bettlägerigkeit, Aspirationsneigung oder eine Immunschwäche, z. B. durch Chemotherapie oder eine Bestrahlung. Dann ist ein sehr breites Spektrum an Erregern möglich. Für die Klassifikation dieser Erkrankungen stehen sowohl Röntgen- als auch CT-Kriterien zur Verfügung, die es erlauben, anhand bestimmter Verschattungsmuster einzuschätzen, ob es sich um einen Virus, Pilz oder einen seltenen Erreger handelt. Unter Einbeziehung der Laborwerte, des Risikoprofils und Beschwerdebilds des Patienten lässt sich so ein präzises Krankheitsbild zeichnen.“

Besonders gefährdet, sich eine Lungenentzündung zuziehen, sind immunsupprimierte Patienten mit einer Leukämieerkrankung. Eine Pilzpneumonie stellt bei dieser Subgruppe eine lebensbedrohliche Situation dar, die sowohl schnell als auch fundiert diagnostiziert werden muss. Denn die Behandlung ist nicht nur kostenintensiv und aufwendig, sondern auch sehr aggressiv und daher mit Nebenwirkungen verbunden.

Es kommt sogar vor, berichtet. Diederich, dass sich jemand als Risikopatient herausstellt, der nicht als Risikopatient bekannt ist: „Pneumocystis jirovecii ist ein seltener Erreger, der in enger Verbindung mit einer HIV-Infektion steht. Solch eine Pneumocystis-Pneumonie zeigt sich im Röntgenbild so diffus und wenig ausgeprägt, dass man sie gar nicht erkennen kann. In der CT dagegen weist sie eine recht charakteristische Manifestation auf, die sich als feiner Schleier von milchglasartigen Trübungen zeigt. Wenn man so etwas sieht und es ist keine Immuneinschränkung bekannt, dann sollte man auch als Radiologe empfehlen, den Patienten auf HIV zu testen.“

Links: Bakterielle Pneumonie bei einem 72-Jährigen mit bekannter chronisch...
Links: Bakterielle Pneumonie bei einem 72-Jährigen mit bekannter chronisch obstruktiver Lungenerkrankung.
Rechts: Pneumonie durch Cytomegalie-Virus bei einem 64-jährigen HIV-positiven Patienten.

Neben der Suche nach dem wahrscheinlichen Erregertyp spielt bei der radiologischen Diagnostik einer stationär erworbenen Pneumonie außerdem die Frage nach möglichen Komplikationen eine Rolle. So kann sich beispielsweise bei manchen Patienten ein Pleuraerguss, also eine Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustkorbwand, bilden, der sich wiederum mit Erregern infizieren und bis hin zu einem Pleuraempyem führen kann. Je früher solche schwerwiegenden Komplikationen erkannt werden, desto besser sind sie behandelbar.

Nie außer Acht gelassen werden sollte darüber hinaus die Tatsache, dass nicht alles, was im Röntgenthoraxbild wie eine Pneumonie aussieht auch tatsächlich eine ist, gibt der Lungenspezialist abschließend zu Bedenken: „Es gibt Entzündungen, die nicht durch Erreger ausgelöst werden, sondern durch autoimmunologische Prozesse oder eine Tumorerkrankung. Von daher sollte insbesondere bei klinisch auffälligen Zeichen wie Gewichtsverlust oder starkes Rauchen die Möglichkeit eines Bronchialkarzinoms stets mitgedacht werden.“


Profil:

Prof. Dr. Stefan Diederich ist seit 15 Jahren Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Marienhospital Düsseldorf. 2004 verlieh ihm die medizinische Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster die außerplanmäßige Professur. Er ist Träger des Hanns-Langendorff- und des Eugenie-und-Felix-Wachsmann-Preises der Deutschen Röntgengesellschaft und zahlreicher weiterer Auszeichnungen, Gutachter für zahlreiche wissenschaftliche Zeitschriften und hat zahlreiche Funktionen in namhaften Fachgesellschaften inne. Diederich war Kongresspräsident des Radiologie Kongress Ruhr 2010 und 2011.


Veranstaltungshinweis:

Samstag, 11.11.2017, 8:00 – 8:45

Pneumonien – Diagnose und Diffentialdiagnostik

Prof. Dr. Stefan Diederich, Düsseldorf

Session: Thoraxdiagnostik

Congress-Saal

10.11.2017

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