Kardio-MRT

Die MRT prognostisch nutzen

Die MRT wird zur Prognoseabschätzung im klinischen Alltag bei kardialen Erkrankungen sicher bei der koronaren Herzerkrankung und hier in ihrer extremsten Form, nach einem Herzinfarkt, am häufigsten eingesetzt. Prof. Matthias Gutberlet und Leiter der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Herzzentrum – Universität Leipzig, nutzt die Kardio-MRT, unter anderem, um wichtige Daten zur Risikostratifizierung und Prognoseabschätzung bei Patienten mit akutem Herzinfarkt zu erhalten.

Patient mit einem akuten Anteroseptalinfarkt mit ausgeprägtem Ödem (a) in der...
Patient mit einem akuten Anteroseptalinfarkt mit ausgeprägtem Ödem (a) in der STIRSequenz (Pfeile), mikrovaskulärer Obstruktion (MVO) im „late enhancement“ (b) und Einblutung in der T2*-gewichteten Sequenz (c) und im Parameterbild (d). Aus Kandler et al. (2014) Eur Radiol.

Bei der Prognoseabschätzung werden die Folgen eines Herzinfarktes bestimmt. „Mithilfe der MR-Bildgebung können wir verschiedene Aspekte des Infarktes darstellen – den Erfolg der akuten Therapie sowie potenzielle Risiken und Begleiterscheinungen“, kommentiert Gutberlet. Dazu werden die Herzfunktionen und die Größe der beiden Herzkammern angeschaut – beides Felder, auf denen die MRT seit vielen Jahren der Goldstandard ist. „Je schlechter die Herzfunktion, desto schlechter ist auch die Prognose für die Lebenserwartung oder das Auftreten weiterer kardialer Ereignisse wie zum Beispiel Rhythmusstörungen“, erklärt der Spezialist. Mithilfe ödemsensitiver T2-gewichteter Sequenzen in der Kardio-MRT und der Methode der Narbendarstellung mittels des late enhancement kann ein akutes von einem chronischen Infarktgeschehen unterschieden werden. Die mikrovaskuläre Obstruktion (MVO) ist eine typische Begleiterscheinung eines akuten, reperfundierten Infarktes und geht mit einer verschlechterten Prognose einher, eine weitere Begleiterscheinung kann das Einbluten in einen akuten Infarkt sein, das mit T2* gewichteten MR-Bildern gut zu erkennen ist (Abb. 1). „Das ist ebenfalls ein prognostisch ungünstiger Aspekt für den Patienten“, so der Radiologe.


Risikoabschätzung Myokard
Heutzutage können Radiologen aber noch viel differenziertere Daten mit der MRT erhalten. Ein neuer Aspekt in der Prognoseabschätzung ist die Ermittlung der diffusen Fibrosierung des Myokards. Der MR-Gewebedifferenzierung ist nicht mehr nur die Bestimmung der Infarktgröße, und ob es sich um einen akuten oder chronischen Infarkt handelt vorbehalten. Mittlerweile können Diagnostiker mit der T1-, T2-Mapping-MRT und der extra-zellulären Volumenbestimmung auch diffuse Veränderung des Myokards quantifizieren. Gutberlet: „Die absolute Quantifizierung ist das neueste Feld für die Prognoseabschätzung mittels MRT, wozu wir bereits eine ganze Menge Daten haben.“ Bereits diffuse Veränderungen des Myokards haben prognostische Bedeutung zum Beispiel für die Herzinsuffizienz oder die Entstehung von Herzrhythmusstörungen.


Angeborene Herzfehler
Prognoseabschätzungen werden aber auch bei Patienten mit angeborenen Herzfehlern durchgeführt. „Die Zahl dieser Patienten ist zwar nicht steigend, aber immer mehr Menschen erreichen das Erwachsenenalter aufgrund verbesserter Therapieverfahren. Mit der MR-Flussmessung können wir in solchen Fällen die Quantifizierung von Insuffizienzen der Klappen zum Beispiel nach einer Operation ermitteln“, erklärt Gutberlet. Durch Daten, wie Funktion der Herzkammern, Narbengewebe und Fibrosedarstellung können Radiologen ein sehr differenziertes Bild über den Zustand des Patienten geben und eventuelle Re-Operationen zeitgerecht einplanen. „Auch in diesem Bereich sind die neuen MRT-Techniken sehr hilfreich, um die Prognose zu verbessern“ (Abb. 2), so der Professor.


Prognose zur Prävention
„Diese Art der prognostischen Diagnostik bezieht sich auf Patienten, die noch nicht erkrankt sind. Somit können wir eventuell durch Beratung bei der Lebensführung oder Einleiten einer medikamentösen Therapie eingreifen bevor ein irreversibler Schaden eingetreten ist.“ Zum Beispiel, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für einen Patienten ausfällt, in Zukunft an einer stenosierenden Herzerkrankung zu erkranken. Gutberlet: „Prognostische Aussagen lassen sich heute für den Patienten viel besser abschätzen und ableiten und helfen die Vision von einer stärker personalisierten Medizin Wirklichkeit werden zu lassen“.


PROFIL:
Prof. Dr. Matthias Gutberlet ist seit 2007 Leiter der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Herzzentrum der Universität Leipzig. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen unter anderem im Dopplerultraschall und in der kardialen CT und MRT vor allem bei Patienten mit angeborenen Herzfehlern, Kardiomyopathien, Myokarditis und koronarer Herzkrankheit (KHK). Seine medizinische Ausbildung erfuhr Gutberlet in Marburg und Berlin, wo er auch seine Habilitationsarbeit in diagnostischer Radiologie zum Thema „MR bei angeborenen Herzfehlern“ vorlegte. Er ist Vorsitzender der AG Herz- und Gefäßdiagnostik in der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) und seit Oktober 2014 Vorsitzender der Europäischen Gesellschaft für Herzradiologie (ESCR).

23.02.2015

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