Verstehen Sie DICOM?

Bildquelle: Adobe Stock/pholidito (Montage: HiE/Behrends)

Artikel • Kommunikation zwischen Mensch und Maschine

Verstehen Sie DICOM?

Damit die Abläufe in einer radiologischen Abteilung reibungslos funktionieren, müssen Mensch und Maschine gut zusammenarbeiten. „Das Gesundheitssystem ist in Bewegung, und das gilt auch für die Radiologietechnologie“, sagt David Rupprecht, Experte für IT in der diagnostischen Bildgebung. Entsprechend gibt es immer mehr Berührungspunkte mit ausgeklügelter Technik.

Bericht: Wolfgang Behrends

Das geht nicht immer reibungslos vonstatten, und viele Nutzer haben das Gefühl, nicht die Sprache ihrer Systeme zu sprechen. Auf dem Österreichkongress des Berufsfachverbands rtaustria erklärte der Radiologietechnologe, warum es sich lohnt, sich einmal näher mit den technischen Bezeichnungen rund um DICOM, HL7 & Co. zu befassen. 

portrait of david rupprecht
David Rupprecht, MA, MSc

Bildquelle: rtaustria

‚Das Produkt ist leider nicht mit diesem System kompatibel‘ – diese Fehlermeldung kennt wahrscheinlich jeder, der versucht hat, eine neue App auf einem älteren Smartphone oder – noch schlimmer – auf dem Gerät eines anderen Herstellers zu installieren. Während der Schaden in diesem Beispiel übersichtlich ist, kann mangelnde Kompatibilität in der Medizin ein lebensgefährliches Problem sein. Umso wichtiger ist es, dass die IT-Systeme wie RIS, KIS und PACS mit den wichtigsten Standards wie DICOM oder HL7 zusammenpassen. Mittlerweile sind diese Standards weitgehend etabliert, so dass Systeme, die ihre Daten in einem abweichenden Format zur Verfügung stellen, zur Ausnahme geworden sind.

Vokabelübung: DICOM – Deutsch / Deutsch – DICOM

Aber: „Jedes System ist nur so gut wie der, der es bedient“, gibt Rupprecht zu bedenken. Und wenn alle IT-Lösungen die gleiche Sprache sprechen, kann es nicht schaden, wenn auch der Nutzer bildgebender Systeme zumindest ein grundlegendes Verständnis für die Eigenheiten dieser Sprache hat. Das hilft Radiologietechnologen im Zweifelsfall auch bei der Kommunikation mit der IT-Abteilung, gibt der Experte zu bedenken: Jemand, der wissen möchte, ob er seine CT-Bilder an eine bestimmte Workstation schicken kann, erhält oft sehr technische Aussagen wie ‚Wir unterstützen die CT Image Storage SOP Class als SCU‘. Auch das Wissen um die Kürzel SCU (Service Class User) und SOP (Service Object Pair) hilft da nur bedingt weiter. „Im Grunde wird aber nichts anderes gesagt, als dass das Produkt DICOM-Bilder sendet, um sie speichern zu lassen“, erklärt Rupprecht. Umgekehrt bedeutet die Unterstützung der CT Image Storage SOP Class als SCP (Service Class Provider), dass DICOM-CT-Bilder empfangen und gespeichert werden.  

Doch nicht nur die kryptischen DICOM-Bezeichnungen, sondern auch der Aufbau der Datenstruktur kann abschreckend wirken: 

„Adams^John Robert Quincy^^Rev.^B.A. M.Div.“

Wenn man sich ein bisschen Zeit nimmt, dann findet man heraus, welche Bedeutung die einzelnen Werte haben

David Rupprecht

Schon das vergleichsweise einfache Textfeld zum Patientennamen zeigt, warum es lohnt, sich etwas genauer mit der Syntax zu befassen. Wichtig sind in diesem Beispiel die Separatoren (^): Sie zeigen dem System, welche Information in welches Datenfeld zugeordnet werden soll – Nachname, drei Vornamen, kein Mittelname, ein Präfix, zwei Suffixe. „Gerade bei alten PACS ist es ein Problem, wenn man den Namen ‚Rupprecht David‘ ohne Separatoren eingibt – dann sucht das System nach einer Person, die mit Nachnamen ‚Rupprecht David‘ heißt, und wird niemanden finden.“

Nun soll die Standardisierung nach HL7-Kriterien dafür sorgen, dass die Informationen, die beispielsweise zwischen einem MRT und dem RIS ausgetauscht werden, nach dem gleichen Muster aufgebaut sind und auch dann für die beteiligten Systeme verständlich bleiben, wenn etwa der Scanner durch das Modell eines anderen Herstellers ersetzt wird. Ein Blick auf einen typischen Laborbefund macht deutlich, dass es sich hierbei um eine Sprache von Maschinen für Maschinen handelt: 

MSH|^~\&|SYSTEM|LABOR|||200409301045519||ORU^R01|5013|P|2.4||||||8859

PID|1|17637|157168^^^^^LABOR||MUSTER^Max||19381212|M|||Leidensweg10^^

Specimendorf^^9999|||| OBR|1|12345678|YA9999000202^SYSTEM|02^^SYSTEM||

2004092 3000000|20040925062851|||||||||ARZTCD^NAME VORNAME^^^^^^^^^^

SYSTEM|||||||||^^^20040925062851^^R|||||||||||||||||||||

Doch auch für einen Menschen lassen sich aus diesem vermeintlichen Zeichenchaos relevante Informationen entnehmen, ermutigt Rupprecht: „Wenn man sich ein bisschen Zeit nimmt, dann findet man heraus, welche Bedeutung die einzelnen Werte haben.“ Wichtig ist etwa das Verständnis für die Klassifizierung nach dem Referenz-Informations-Modell von HL7 (RIM): Hier werden vier sogenannte Basisklassen als Bausteine verwendet, um einen klinischen Vorgang abzubilden: 

  • Entity: dient der Zuordnung zu einer bestimmten Person (z.B.: Anton, Berta, Cäsar)
  • Role: weist der Entität eine Rolle zu (z.B. kann der Entität „Berta“ die Rolle „Arzt“ zugewiesen werden und Entität „Anton“ die Rolle „Patient“)
  • Participation: erläutert die Rolle der beteiligten Entitäten zueinander (z.B. kann „Arzt“ „Berta“ die Partizipation „Untersucher“ in Bezug auf „Patient“ „Anton“ ausüben)
  • Act: benennt die ausgeführte Tätigkeit (z.B. eine Lungenauskultation, die „Arzt“ „Berta“ als „Untersucher“ an „Patient“ „Anton“ ausführt)

Das Ausschreiben der Basisklassen macht deutlich, warum der strukturierte Aufbau so wichtig ist: Wird jeder Vorgang in freier Textform dokumentiert, gibt es Raum für Mehrdeutigkeiten und Missverständnisse. Besonders Maschinen sind auf einen immer dem gleichen Muster folgenden Aufbau angewiesen, denn während ein Mensch im Zweifelsfall aus dem Kontext schließen kann, welche Person welche Tätigkeit ausführt – beispielsweise, weil er weiß, dass es sich bei „Berta“ um die diensthabende Ärztin handelt – fehlt der Maschine diese Fähigkeit, und ist bei falscher Zuordnung anfällig für Fehler, die im klinischen Alltag gefährliche Folgen haben können.

„Maschinen können, anders als der Mensch, Zusammenhänge nicht flexibel herstellen“, gibt Rupprecht zu bedenken. Dahe sind sie darauf angewiesen, Daten in einem standardisierten Format zu erhalten, um deren Inhalt sinnvoll verarbeiten zu können. 

Aus diesem Grund werden Dokumente in der Patientenversorgung nicht als Word- oder PDF-Dateien verschickt, sondern folgen der Clinical Document Architecture (CDA) von HL7 – diese Struktur sorgt für gute Maschinenlesbarkeit. Zum Teil sind die Bestandteile mehrfach hinterlegt, um die Verarbeitung unvollständiger Befunde zu vermeiden. 

Um reibungslose Abläufe bei der Befundung, Patienten-Administration und Bildakquise sicherzustellen, bringt es der Experte abschließend auf den Punkt, sind radiologische Abteilungen auf wache Mitarbeiter angewiesen, die verstehen, wie die Systeme, mit denen sie arbeiten, ‚ticken‘, um eingreifen zu können, wenn es mal hakt.

18.08.2022

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