Radiologie

Volldigitalisierung auf Knopfdruck

Die Installation einer Komplettlösung für die diagnostische Radiologie zur Vernetzung von sechs Standorten eines Klinikkonzerns, um damit Bilddaten aller Modalitäten zu verarbeiten, zu verwalten und zu archivieren, ist „eine echte Herausforderung“, so Prof. Dr. Peter Landwehr, Chefarzt der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Diakovere Henriettenstift. Mit dem Ergebnis ist er allerdings hoch zufrieden. Und nicht nur er. „Wie haben wir das eigentlich früher gemacht?“ Das fragten sich bereits kurz nach der Implementierung im Jahr 2010 alle am Prozess der Anschaffung Beteiligten unisono.

CT und MRI-Bildgebung haben steigende Erwartungen an einen schnelleren Zugang...
CT und MRI-Bildgebung haben steigende Erwartungen an einen schnelleren Zugang zu Bilddaten gebracht.
In der analogen Zeit mussten Röntgenbilder und andere Scans noch transportiert...
In der analogen Zeit mussten Röntgenbilder und andere Scans noch transportiert werden.

Wie alles begann

Ein aufwändiges Ausschreibungsverfahren zum Erwerb eines neuen Systems mit Viewer für die diagnostische Radiologie sowie Viewer und Archiv für die gesamte Krankenhausgruppe erbrachte sechs Hersteller, die in die engere Wahl kamen. Als Basis für die endgültige Entscheidungsfindung wurde ein umfangreicher Anforderungskatalog mit detailliertem Pflichtenheft entwickelt und von einer rund 15-köpfigen Kommission aus Nutzern aller Berufsgruppen und des IT-Bereichs systematisch abgearbeitet. Zu wissen, wie die Technologie im klinischen Alltag unterstützt wird, ist genauso wichtig wie die Technologie selbst. Während des ganzen Prozesses stand der Kommission ein marktkundiger externer Berater zur Seite. „Es war für uns sehr wichtig, professionelle Kompetenz mit im Boot zu haben, schließlich war das unsere erste unternehmensgruppenweite Lösung für die diagnostische und interventionelle Radiologie sowie die Nuklearmedizin.“ Die Hannoveraner Krankenhausgruppe war im Vergleich mit anderen Häusern ‚Spätstarter‘ in Bezug auf die digitale Radiologie, begründet durch eine aufwändige Holding-Bildung der lokalen diakonischen Krankenhäuser. „Aber daher sollte es auch von Beginn an ein komplettes System sein“, erinnert sich Landwehr. So wurden eine genaue Bedarfsanalyse und ein für den späteren Vollbetrieb relevantes Betriebskonzept erstellt mit dem Ziel, das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu optimieren und klassische Implementierungsfehler zu vermeiden.

The winner is…

Durchgesetzt hatte sich nach übereinstimmender Ansicht der Auswahlkommission der Anbieter mit der schon seinerzeit besten Funktionalität und dem besten Support, nämlich Carestream. Ausschlaggebend waren zudem ein hohes Maß an Komfort für die Nutzer in der Radiologie ebenso wie auch außerhalb der Radiologie, ein Mehr an innovativen Funktionen, ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis sowie eine innovatives Team, das an zukünftigen Entwicklungen arbeitet.

Von analog auf digital

„Vor Scharfschaltung der neuen Lösung galt es, restliche analoge Inseln zu beseitigen“, erläutert Landwehr. Es mussten einige CR-Systeme angeschafft und Ultraschallgeräte DICOM-fit gemacht werden. „Gleichzeitig haben wir dann  sehr gute Erfahrungen mit dem DRX1 gemacht“, ergänzt Landwehr. Das kabellose Detektorsystem im Kassettenformat wurde vor allem bei den MRTAs sofort sehr geschätzt, da es mobiles Arbeiten bei gleichzeitig guter Bildqualität ermöglicht.
 
Roll-out des Systems

Nach Beauftragung und intensiver Planungsphase über die Dauer von sechs Monaten erfolgte die technische Umsetzung: die Installation von Hardware wie zentrale IT-Komponenten, die Bereitstellung von lokalen Workstations mit modernen Monitoren und die Umrüstung einiger Modalitäten. Parallel wurde die Umstellung zahlreicher Arbeitsprozesse in Angriff genommen. Nach zehn Monaten war es geschafft. An einem Tag im Juni 2010 fiel der Startschuss: von jetzt auf gleich wurde komplett auf filmfrei umgestellt. Erlaubte Ausnahmen? Nur bei absolutem Systemstillstand zum Beispiel aufgrund eines Netzwerkausfalls oder einer Serverstörung sollten Filme ausnahmsweise ausgedruckt werden können – das war die Vorgabe. Das konsequente Vorgehen hat sich ausgezahlt, denn schon nach einem Jahr wurde nur noch 1 Prozent Restfilmverbrauch registriert. „Für ein Digitalisierungsprojekt ist das ein außerordentlich gutes Resultat, das uns schneller als erwartet in die ‚Gewinnzone‘ gebracht hat“, so Landwehr.

Allseits positive Resonanz

Trotz der zustimmenden Grundhaltung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, eine Spur Skepsis blieb zunächst nicht aus. Das ist Gang und Gäbe, wenn eine neue Technik Einzug hält und sich damit langjährig eingespielte Arbeitsabläufe ändern. „Als die neue digitale Lösung aber einwandfrei lief und jeder gut mit der Bedienung zurechtkam, waren alle begeistert – und nicht nur wir in der Radiologie, auch aus den nicht-radiologischen Kliniken, mit  denen wir zusammenarbeiten, kamen nur positive Rückmeldungen“, fasst Landwehr zusammen.

Ein System, das mitwächst

Sechs Jahre sind seitdem vergangen. Die Anforderungen sind kontinuierlich gestiegen, insbesondere durch die zunehmende Bilderflut in CT, MRT und Sonografie mit gleichzeitig steigenden Ansprüchen an den schnellen Bilderzugriff. Die interne Technologie wie auch das System des Anbieters haben sich stetig weiterentwickelt: hochperformante Rechner und hochgerüstete Datenspeicher hüben, Updates und aktualisierte Versionen mit neuen Funktionalitäten drüben. Der Radiologe betont: „Es geht uns nicht um den letzten Schrei bei unserer diagnostischen Plattform – wir erwarten intelligente und praktikable Entwicklungen, die unseren Workflow im Arbeitsalltag unterstützen“. Bisher seien sie noch nie enttäuscht worden, was die damalige Entscheidung aus seiner Sicht voll und ganz bestätigt. Klar ist aber auch, dass in einer schnelllebigen Zeit nichts für immer Bestand hat. Jeder Anbieter muss sich dem Wettbewerb stellen und steht ununterbrochen auf dem Prüfstand.

Aktuelle Highlights

Bisher gibt es keinen Grund zur Klage. Ein echtes Highlight war von Anfang an die voll integrierte 3D-/MPR-/MIP-Funktionalität. „Andere Hersteller schaffen das in dieser Form nicht“, so Landwehr. Ebenfalls hervorragend ist die Unterstützung von Workflows z. B. in den Bereichen Mammografie, Kontrastmittel-Ultraschall, bei Funktionsdarstellungen in der Farbduplexsonografie sowie bei der Hybridbildgebung. Sehr weit ist das System inzwischen auch in der Arbeitsunterstützung durch halbautomatische Auswertung onkologischer Untersuchungen. Für das Management von Läsionen und zum Größenvergleich können aktuelle und frühere Untersuchungsbilder auch in MIP oder 3D parallel angeschaut und sogar bei unterschiedlicher Schichtführung automatisch anatomisch korreliert werden. „Dies funktioniert auch modalitätenübergreifend zwischen CT und MRT“, schildert Landwehr erfreut.

Ein Blick in die Zukunft

Die Tendenz in der Radiologie scheint klar: Um immer mehr Informationen auswerten zu können, sind immer potentere technische Tools nötig, um die Radiologen trotz begrenzter menschlicher Ressourcen maximal zu unterstützen. „Radiologen mit ihrer fachlichen Kompetenz im Bereich der Diagnostik und der Interventionen wird es sicherlich auch in 30 Jahren geben“, so Landwehr, „aber sie werden immer mehr technischen Backup brauchen, um den klinischen  Anforderungen gerecht zu werden.“ Ein System muss also nicht mehr nur Bilder irgendwo abspeichern und dafür sorgen, dass sie jederzeit abrufbar sind. Seine Hauptaufgabe wird zukünftig darin bestehen, Workflows zur komplexen Aufbereitung von Bilddaten anzubieten – etwa in Form von teilweise automatisierten Protokollen für die Untersuchung von Läsionen, mit Erstellung von Querverweisen in unterschiedlichen klinischen und bildgebenden Datenquellen zum Beispiel aus der Endoskopie oder der Pathologie, zur Unterstützung des klinischen Entscheidungsprozesses oder mit intelligenten Funktionen für die Zuweisung von Aufgaben und Erstellung von Aufgabenlisten, damit die Befundung durch spezialisierte radiologische Subdisziplinen optimiert wird. Damit erhält der Radiologe dann auch die Möglichkeit, sich um komplexe klinisch-bildgebende Fragestellungen kümmern zu können. „Ausgerüstet mit Instrumenten der strukturierten Befundung können wir dann die Herausforderungen von morgen und übermorgen meistern“, so Landwehr.

Die Radiologie in der Verantwortung

So unabdingbar der technische Support und die innovativen Ansätze der Herstellerfirmen sind, aus Sicht von Landwehr sollte sich die Radiologie an die Spitze der Entwicklung krankenhausweiter Bildgebungssysteme stellen. Denn: Der Umgang mit großen Mengen bildgebender Information muss zunächst im geeigneten klinischen Kontext organisiert werden, dann können diese Daten für klinische und wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung gestellt werden. „Dies dürfen wir nicht allein den IT-Experten und der Industrie überlassen. Wir klinisch orientierten Radiologen können am besten entscheiden, wo ein Mehr an Information auch einen tatsächlichen Mehrwert für den Patienten mit sich bringt und wo nicht.“ Ein unreflektiertes ‚Hurra, Big Data wird es schon richten‘ ist nach Überzeugung von Landwehr der falsche Weg. „Dann stehen morgen Apple, Google und Co. vor unserer Tür und definieren Gesundheit und Krankheit auf eigene Weise. Das Datensammeln um des Sammelns willen macht keinen Sinn.“ Nach Überzeugung von Landwehr muss die zukünftige Radiologie in Diagnostik und Intervention noch innovativer, noch klinischer und noch effektiver sein. „Alle technologischen Werkzeuge wie etwa eine moderne gruppenweite Bildgebungslösung helfen uns dabei sehr.“   


PROFIL:
Peter Landwehr ist in Remscheid aufgewachsen, dem Geburtsort von Wilhelm Conrad Röntgen. Im Oktober 2015 hat der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover Dr. Peter Landwehr den Professorentitel verliehen. Professor Landwehr war 14 Jahre lang in der Radiologie an den Universitäten Bonn, Würzburg und Köln tätig. Sieben Jahre Oberarzttätigkeit am Institut und in der Poliklinik für Radiologische Diagnostik, Universitätskliniken Köln, davon dreieinhalb Jahre als leitender Oberarzt, prägten ihn in der Vorbereitung auf eine Leitungsfunktion. Im Januar 2001 trat er dann seine Chefarzttätigkeit an der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am DIAKOVERE Henriettenstift in Hannover an. 2016 war er Kongresspräsident des 97. Deutschen Röntgenkongresses in Leipzig. 2017 wird er Mitglied des Beirats der Geburtshaus Wilhelm Conrad Röntgen Stiftung in Remscheid-Lennep.

05.01.2017

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