DICOM-Datenautobahn an Rhein und Ruhr

Zunächst werden es 20 Kliniken sein, die über ein Jahr lang eine neugeschaffene Verbundstruktur für den Austausch radiologischer Bilddaten nutzen. Ist dieser Anfang erst einmal gemacht, sollen in einer späteren Phase dann bis zu 300 Teilnehmer von dem ehrgeizigen Projekt „Teleradiologieverbund Ruhr“ profitieren und DICOM-Daten sicher und schnell über den PC versenden.

Photo: DICOM-Datenautobahn an Rhein und Ruhr

Den Startschuss für die Pilotphase geben die Initiatoren und Projektverantwortlichen Prof. Dr. Lothar Heuser, Leiter des Institutes für Diagnostische & Interventionelle Radiologie, Neuroradiologie & Nuklearmedizin am Knappschaftskrankenhaus in Bochum und RKR-Kongresspräsident sowie der Verband der Gesundheitswirtschaft MedEcon Ruhr im Rahmen des diesjährigen Kongresses.

„Ein flächendeckendes teleradiologisches Netzwerk ist in unserer Region längst überfällig. Denn auch wenn die Wege im Ruhrgebiet in der Regel kurz sind, dauert der Versand einer Daten-CD, beispielsweise im Falle eines Fremdkonsils, viel zu lange. Auch die Alternative, nämlich die DICOM-Daten in übliche Bildformate umzuwandeln und über das normale E-Mail Netz zu verschicken, ist keine zufriedenstellende Lösung. Zum einen, weil dies rechtlich sehr fragwürdig ist, zum anderen aber auch, weil diese Bilder dann nicht mehr einer normalen diagnostischen Analyse unterzogen werden können und für eine Befundung nicht zugelassen sind“, erläutert Lothar Heuser die treibenden Gedanken, die zu dem Projekt führten.

Zwar bestehen bereits heute vernetzte Insellösungen, beispielsweise im Rahmen des Bochumer Modells, zwischen dem Großteil der Kliniken und Praxen der Region besteht jedoch keinerlei Verbindung. Ein Umstand, der auch bei den Beteiligten selbst für Unmut sorgt, wie eine Befragung von MedEcon Ruhr im Vorfeld der Pilotphase ergeben hat. „Das Interesse am Teleradiologieverbund Ruhr bei den befragten Kliniken ist riesig; und entsprechend hoch schätzen wir auch die Bereitschaft ein, sich an dem Projekt zu beteiligen“, so Dr. Denise Bogdanski, Projektmanagerin bei MedEcon Ruhr. Die Vorteile eines solchen Verbundes liegen klar auf der Hand: Von Fremdkonsilen über Bereitschaftsdienst via Teleradiologie bis hin zur Einrichtung einer zentralen Datei für Lehrfälle reichen die Möglichkeiten, die letztlich vor allem den Patienten zu Gute kommen.

„Um es auf den Punkt zu bringen: Der Teleradiologieverbund wird zu einer stark verbesserten Ressourcennutzung führen, sowohl in Kliniken als auch in Praxen und dadurch die Patientenversorgung erheblich verbessern. Denken wir doch nur an die untersuchungsbedingte Patiententransporte von einem Krankenhaus ohne Maximalversorgung hin zu einer großen Einrichtung in einer Nachbarstadt. Die verschlingen nicht nur Zeit, sondern stellen auch ein Risiko dar“, fasst Lothar Heuser zusammen.

Herzstück des Teleradiologieverbundes ist eine firmenunabhängige Struktur mit einem zentralen Server, der in einem Verzeichnis die individuell verschlüsselten Daten verwaltet. Jeder Teilnehmer erhält innerhalb des Verzeichnisses einen eignen Code, der sicherstellt, dass E-mails mit sensiblen Patientendaten auch den richtigen Adressaten erreichen. Darüber hinaus garantiert der Code, dass nur berechtigte Personen Zugriff zum Server erhalten. Entwickelt wurde dieses ausgeklügelte Verzeichnis vom Fraunhofer ISST Institut in Dortmund, das neben Visus Transfer Technology, contec sowie dem Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen ein wichtiger Partner innerhalb des Projektes ist. Die Anbindung in den Krankenhäusern und Praxen findet über eine spezielle Software statt, die bei vorhandenen PACS-Installationen problemlos implementiert werden kann.

Damit das Projekt von Erfolg gekrönt ist, kommt es vor allem auf eine hohe Beteiligung an, denn nur so können die Betriebskosten für das System finanziert werden, eine Förderung des Teleradiologieverbundes gibt es derzeit nämlich nicht. Potentielle Partner sind dabei nicht nur Radiologen, sondern auch Fachärzte zum Beispiel in der Orthopädie, der Chirurgie oder der Neurologie, die mit einer abgespeckten, kostengünstigen Hard-und Softwarelösungen in die Lage versetzt werden sollen, Patientendaten zu empfangen.
Einen Stau auf der DICOM-Datenautobahn braucht dabei niemand zu befürchten, dafür wird der Betreiber des Servers, die MedEcon Ruhr auch nach der Pilotphase gewissenhaft sorgen.

05.11.2010

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