News • Behandlung von Lupus-Variante SLE

CAR-T-Zelltherapie: Wie ein "Reset-Knopf" bei Immunerkrankungen

An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) wurden weltweit erstmalig mehrere Patienten mit schweren Formen einer Autoimmunerkrankung mit körpereigenen gen-modifizierten Immunzellen – sogenannten CAR-T-Zellen – behandelt. Diese Behandlung erwies sich zum Erstaunen der Ärzte wie eine Art „Reset-Knopf“: Unmittelbar nach der Therapie löste sich die Autoimmunerkrankung völlig und nachhaltig auf.

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Prof. Dr. Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie des Universitätsklinikums Erlangen

Bildquelle: Michael Rabestein/Uni-Klinikum Erlangen

„Die Abkürzung ‚CAR‘ steht für chimäre Antigenrezeptoren und bezeichnet einen künstlichen Rezeptor“, erklärt Prof. Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5 für Hämatologie & Internistische Onkologie. „Immunzellen – auch bekannt als T-Zellen – des Patienten werden im Labor mit Hilfe eines gentechnischen Verfahrens mit dem CAR ausgestattet. Dieser erkennt spezielle Antigene auf der Oberfläche der Zielzellen und zerstört diese.“ Bisher sei die Zelltherapie mit CAR-T-Zellen bei der Behandlung von Leukämien und Lymphdrüsenkrebs erfolgreich eingesetzt, erläutert Mackensen. 

Im Falle der Patienten mit Autoimmunerkrankungen wurde den CAR-T-Zellen die Fähigkeit beigebracht, diejenigen Immunzellen unschädlich zu machen, die die selbstzerstörerischen Antikörper gegen die körpereigenen Zellen bilden: die B-Zellen.

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CAR-T-Zellen erstmals erfolgreich gegen Lupus eingesetzt

Forschenden des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) des Uni-Klinikums Erlangen ist es erstmals gelungen, eine Patientin mit der lebensbedrohlichen Autoimmunerkrankung SLE (Systemischer Lupus erythematodes) erfolgreich mit einer CAR-T-Zelltherapie zu behandeln.

Systemischer Lupus erythematodes („Roter Wolf“), kurz „SLE“, ist eine schwere Form einer Autoimmunerkrankung, die meist bei jungen Frauen auftritt und bei der sich Antikörper gegen die eigene Erbsubstanz (DNA) bilden. Dies führt zu einer Entzündung innerer Organe wie Nieren, Lungen und Herz. Oft benötigen SLE-Patienten große Mengen an Kortison und schwere Immunsuppressiva über lange Zeit hinweg, um die Erkrankung in Schach zu halten. 

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Vizepräsident Research, Prof. Dr. Georg Schett, Lehrstuhl für Innere Medizin III

Bildquelle: Erich Malter/Uni-Klinikum Erlangen

„Wir konnten mittlerweile sechs junge Patientinnen und Patienten, die lebensbedrohlich an einem SLE erkrankt waren, mittels CAR-T-Zellen vollständig von ihrem SLE befreien“, sagte Prof. Dr. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 (Rheumatologie und Immunologie). Dies sind weltweit die ersten Patienten mit Autoimmunerkrankungen, die CAR-T-Zellen erhielten. Die Daten zu den ersten fünf Erkrankten wurden nun in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht. „Das Besondere dabei ist, dass eine einmalige Infusion von CAR-T-Zellen das Kartenhaus aus Entzündung und Autoimmunität zum Einsturz brachte, und dass die Patientinnen und Patienten alle Therapie einschließlich Kortison absetzen konnten“. 

Der ebenfalls an der Studie beteiligte CAR-T-Zell-Spezialist Prof. Dr. Dimitros Mougiakakos von der Universität Magdeburg spricht von einem „Reset-Knopf“, der durch die Gabe der  CAR T Zellen im Immunsystem der betroffenen Patienten gedrückt wurde. „Erstaunlich ist, dass 100 Tage nach der CAR-T-Zelltherapie die B-Zellen zwar wieder zurückkommen, die Erkrankung aber weiterhin wegbleibt“, sagt Mougiakakos. „Wenn man das Immunsystem der behandelten Patienten untersucht, erstaunt, dass die neu-aufgetretenen B-Zellen ‚naiv‘ sind, ähnlich wie die im Körper eines Babys. Das zeigt, dass hier offensichtlich wirklich ein „Reset-Knopf“ gedrückt wurde“, sagt der ebenfalls an der Studie beteiligte Wissenschaftler Prof. Dr. Gerhard Krönke. 

Die Behandlungen wurden am Deutschen Zentrum Immuntherapie (DZI) in Erlangen durchgeführt und vom Sonderforschungsbereich 1181 (Schaltstellen für die Auflösung der Entzündung; Sprecher: Prof. Dr. Georg Schett) unterstützt. Die Wissenschaftler planen nun eine so genannten Basket Studie zu Beginn des Jahres 2023, in der es Patienten mit verschiedenen Formen schwerer Autoimmunerkrankungen ermöglicht wird, eine Therapie mit CAR-T-Zellen zu erhalten. 


Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

16.09.2022

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