Bildgebung statt Bauchgefühl

Wertigkeit der MDCT bei Appendizitis

Bis zu 320 Schichten lassen sich mittels Mehrzeilen-Detektor-Computertomographie (MDCT) in nur einer Röhrenrotation aufnehmen. Große und kleine Untersuchungsvolumina können so in sehr kurzer Zeit und mit hoher Präzision gescannt werden. Deshalb ist die MDCT auch aus keiner zentralen Notaufnahme mehr wegzudenken

68-jährige Frau mit perforierter akuter Appendizitis und Schlingenabszess...
68-jährige Frau mit perforierter akuter Appendizitis und Schlingenabszess (Stern) im rechten Unterbauch und verkalkter Appendicolithe (Pfeil).
Prof. Dr. Gerhard Adam
Prof. Dr. Gerhard Adam

Eine der häufigsten Ursachen von Notfällen in der Ambulanz stellt der akute Bauchschmerz dar. Schnell fällt da der Verdacht auf die Appendizitis, aber nicht immer lässt sich diese Annahme klinisch eindeutig belegen. Wie die MDCT dabei hilft, eine Reihe wichtiger Entscheidungen beim akuten Abdomen nicht aus dem Bauch heraus, sondern mithilfe der Bildgebung zu treffen, erklärt Prof. Dr. Gerhard Adam, Direktor der Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

„Während die Abdominal-CT in den USA routinemäßig zum Einsatz kommt, um den Verdachtsmoment einer Appendizitis zu bestätigen und andere Differenzialdiagnosen auszuschließen, stellt das Verfahren in Deutschland noch keinen Standard in der diagnostischen Aufarbeitung dar“, sagt Prof. Adam, „hierzulande spielt die MDCT vor allem dann eine Rolle, wenn die klinische Diagnostik einer Appendizitis nicht eindeutig ausfällt.“

Eine Ultraschalluntersuchung ist bei akutem Bauchschmerz häufig schwierig. Denn weil die Patienten unter großen Schmerzen leiden, kommt es zu Abwehrspannungen oder zu Luftansammlungen im Bauch, die die Aussagekraft der Sonographie stark einschränken. „Die CT bietet nicht zuletzt deshalb zunehmend eine Alternative zum Ultraschall, weil sie mittlerweile im Niedrigdosisverfahren durchgeführt werden kann“, meint der Hamburger Radiologe. Im vergangenen Jahr erst wurde im Rahmen einer randomisierten Studie aus Südkorea (Kim K, Kim YH, Kim SY, et al., NEJM 2012; 366: 1596–605) die kontrastmittelverstärkte CT bei reduzierter Strahlendosis gegenüber einer CT mit normaler Strahlendosis bei Verdacht auf eine Appendizitis verglichen. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass die Rate der falschnegativen Appendektomien beim Einsatz der Niedrigdosis-CT nicht wesentlich höher liegt als bei der Standard-CT. Ein wichtiges Startsignal auch für deutsche Radiologen, die Möglichkeiten der MDCT adäquat zu nutzen.
„Wichtig hierbei ist, dass man auch die Potenziale der zur Verfügung stehenden Rekonstruktionsverfahren beim Mehrzeilen-Spiral-CT unbedingt ausschöpft“, ergänzt Adam, „das spart zusätzliche Dosis. Unter diesen Voraussetzungen stellt die MDCT dann ein hervorragendes Diagnoseinstrument dar, um einerseits den Verdacht einer Entzündung des Blinddarms zu erhärten und andererseits die Differenzialdiagnosen auszuschließen, die klinisch das Bild einer Appendizitis imitieren können.“

Diese Differenzialdiagnostik kann im Fall einer Blinddarmentzündung extrem vielfältig ausfallen. Bei Frauen könnte eine gynäkologische Erkrankung vorliegen, bei Männern möglicherweise eine Entzündung des Dickdarms und bei jüngeren Patienten etwa die ersten Schübe einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn. Diese Krankheitsbilder gilt es vor der operativen Entfernung des Wurmfortsatzes auszuschließen. Auf der anderen Seite lassen sich mithilfe der MDCT auch Komplikationen einer Blinddarmentzündung bereits vor dem chirurgischen Eingriff feststellen, insbesondere eine Perityphlitis.

„Auch heute noch werden Appendektomien vorgenommen, die auf dem falschen klinischen Verdacht auf Blinddarmentzündung basieren“, so Prof. Adam, „nicht zuletzt deshalb bietet die MDCT den Schlüssel zu einer aussagekräftigen Diagnostik. Als wesentliche computertomographische Kriterien für eine Appendizitis sind beispielsweise eine Verdickung der Wurmfortsatzwand, eine entzündliche Infiltration im umliegenden Gewebe, Flüssigkeitsretentionen oder Darmsteine zu nennen.“


IM PROFIL

Prof. Dr. Gerhard Adam ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Stellvertretender Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG). Von 2009 bis 2011 war er Präsident der DRG. Adam ist Mitglied im Apparateausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und im Fachkollegiat der DFG für die Fachgruppe Radiologie und Nuklearmedizin, wo er Forschungsvorhaben und Großgeräteanträge bewertet. Seine wissenschaftlich- klinischen Schwerpunkte bilden die CT, MR-Verfahren, onkologische Bildgebung und die Interventionelle Radiologie.

31.05.2013

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