Quelle: KU Leuven - Junbin Qian

Neuer Ansatz

"Wecker" in Zellen bremst Krebswachstum

Neue Erkenntnisse könnten effektivere Therapien ermöglichen

Körperzellen tragen in sich einen "Timer". Er schrillt, wenn es Zeit ist für eine Zellteilung. Forscher an der Katholischen Universität Löwen wissen nun, wie sich dieser "Wecker" an- und ausschalten lässt. Das eröffnet eine neue Art der Krebsbekämpfung. Wenn der Timer in Krebszellen lahmgelegt wird, fällt das Teilen-Signal aus. Folglich wächst der Tumor nicht weiter.

Fehler bei Zellteilung

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Zelle in zwei Stadien der Teilung.
Quelle: KU Leuven - Junbin Qian

Der menschliche Körper bildet durch Teilung ständig neue Zellen. Überalterte sterben ab und werden entsorgt. Hautzellen etwa werden einen Monat alt, ehe das Signal zur Teilung, die rund 30 Minuten dauert, kommt und die Mutterzelle abstirbt. Dass es einen Timer gibt, ist schon lange bekannt. Wie er arbeitet, war dagegen bis jetzt ein Geheimnis.

Mathieu Bollen vom Lehrstuhl für Zell- und Molekularmedizin: "Als erstes werden die Chromosomen in der Zelle kopiert. Dann erhalten sie einen Antrieb, der es ihnen ermöglicht, sich in gegensätzliche Richtungen zu bewegen." Jedes dieser Chromosome bildet eine neue Zelle. Das klappt nicht immer so reibungslos. Mal landeten beide Chromosome wegen eines fehlerhaften Antriebs in der gleichen Zelle, mal bilde sich keine neue Zelle. "In den meisten Fällen sterben die Fehlbildungen ab", so Bollen. Manchmal aber beschleunige die Mutterzelle die Teilung. Dies sei bei Krebszellen oft der Fall.

Timer verschafft Zeit

Jetzt, wo wir wissen, wie es geht, können wir Medikamente entwickeln, die den Timer eingeschaltet lassen

Mathieu Bollen

Junbin Qian, der zum Bollen-Team gehört, fand heraus, dass der Timer den Zellen Zeit verschafft, Fehler bei der Teilung zu korrigieren: "Die Uhr beginnt zu ticken, wenn sich eine Phosphatgruppe an ein Schlüsselprotein in der Zelle hängt." Nach 30 Minuten werde diese Phosphatgruppe wieder abgekoppelt. Das verschaffe der Zelle Zeit, Fehler beim Kopieren der Chromosomen zu korrigieren. "Jetzt, wo wir wissen, wie es geht, können wir Medikamente entwickeln, die den Timer eingeschaltet lassen", sagt Bollen. Damit werde verhindert, dass die Zelle ihre Teilung abschließen kann. In Kombination mit bekannten Methoden der Krebsbekämpfung, etwa einer Strahlentherapie, könne eine effektive Therapie entwickelt werden. Der Krebs werde dann an mehreren Fronten bekämpft.


Quelle: Katholische Universität Löwen/pressetext

20.11.2017

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