Welt-Hepatitis-Tag

Virushepatitis: Die unerkannte Gefahr

Millionen sind infiziert, kaum einer weiß davon: Am 28. Juli findet der diesjährige Welt-Hepatitis-Tag statt – der Aktionstag soll auf die häufig unerkannte Gefahr aufmerksam machen. Wie im vergangen Jahr lautet das Motto: "Hepatitis: Findet die fehlenden Millionen!"

Denn viele Patienten schöpfen erst Verdacht, wenn die Krankheit Beschwerden verursacht. "Dann ist jedoch oft schon der ideale Zeitpunkt für eine Therapie vorbei", sagt UKL-Leberexperte Prof. Thomas Berg. "Dabei gibt es sehr gute Screeningmethoden und sehr effektive Therapien. Je früher man damit beginnt, desto besser", ergänzt der Leiter der Sektion Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig. Bis zu 325 Millionen Menschen sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO von chronischer Hepatitis B oder C betroffen, 290 Millionen davon ahnen nichts von ihrer Infektion, berichtet die Deutsche Leberhilfe, die hierzulande Ausrichter des Welt-Hepatitis-Tages ist.

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Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO sind weltweit mindestens 70 Millionen Menschen an einer chronischen Hepatitis C erkrankt. Die Virusinfektion kann – meist unbemerkt – die Leber zerstören. In den letzten Jahren wurden auf dem Gebiet der Hepatitis C-Therapie große Fortschritte erzielt. Behandelt werden kann die Erkrankung aber nur, wenn sie auch erkannt wird.

Deutschland erreicht WHO-Ziele nicht

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UKL-Hepatologe Prof. Thomas Berg bedauert, dass in Deutschland bei normalen Gesundheits-Voruntersuchungen keine Leberuntersuchung enthalten ist.
Quelle: Universitätsklinikum Leipzig

Während die chronische Hepatitis-B-Infektion bereits gut kontrollierbar, aber selten heilbar ist, könnte Hepatitis C heute weltweit eingedämmt werden und ist praktisch immer heilbar. "Doch gerade im Vergleich mit anderen Infektionskrankheiten wie HIV, Malaria oder Tuberkulose liegen Diagnose- und Therapierate weltweit zurück", betont Prof. Berg. Die WHO hat sich vorgenommen, bis 2030 die Häufigkeit von Hepatitis C Infektionen um 90 Prozent zu senken.

Wie diese Ziele erreicht werden sollten, sei allerdings auch in Deutschland derzeit noch unklar, sagt Prof. Berg: "Zwar haben hier alle Patienten einfachen Zugang zur Therapie, aber ein Konzept für ein Screening und für Überweisungen zum behandelnden Facharzt existieren immer noch nicht." Laut Deutscher Leberhilfe ist von einer großen Dunkelziffer von Menschen mit unentdeckter Hepatitis B und C auszugehen und es gibt kaum Bemühungen, dies zu ändern. Deshalb rechnet die WHO derzeit nicht damit, dass Deutschland die bis 2030 gesteckten Eindämmungsziele erreichen kann.

5000 neu entdeckte Fälle pro Jahr

Der beste Schutz gegen Hepatitis B ist immer noch die Impfung. Da die Viren nur von Mensch zu Mensch übertragen werden, ist es wichtig, die Infektionsquellen auszutrocknen

Thomas Berg

Dass bei den normalen Gesundheits-Voruntersuchungen in Deutschland keine Leberuntersuchung enthalten ist und eine mögliche Hepatitis so nicht entdeckt werden kann, bedauert der UKL-Experte sehr. "Andere Länder denken schon über ein Bevölkerungs-Screening nach oder zumindest eines für bestimmte Risiko- oder Altersgruppen", so Prof. Berg, "in Deutschland geht man jedoch davon aus, dass sich bei einem Anteil Infizierter von zirka 0,5 Prozent der Gesamtbevölkerung ein Screening der Allgemeinbevölkerung nicht 'rechne'." Schätzungen zufolge gibt es hierzulande wohl rund 150.000 unentdeckte Erkrankte. Pro Jahr werden dem Robert-Koch Institut etwa 5000 neuentdeckte Hepatitis-Fälle gemeldet.

Therapierbar ist die Krankheit heutzutage auf jeden Fall. Für Hepatitis C gibt es zwar keine Impfung. Doch ist eine einfache und nebenwirkungsarme Therapie auf Tablettenbasis möglich, die nur wenige Wochen dauert. Auch Hepatitis B ist mittlerweile sehr gut behandelbar, bisher aber meist mittels Dauertherapie. Kurzzeittherapien seien allerdings in Entwicklung, meint UKL-Experte Berg und ergänzt: "Der beste Schutz gegen Hepatitis B ist immer noch die Impfung. Da die Viren nur von Mensch zu Mensch übertragen werden, ist es wichtig, die Infektionsquellen auszutrocknen." Solche Quellen fänden sich verstärkt bei so genannten Risikogruppen, wie beispielsweise Menschen mit intravenösem Drogenkonsum. "Diese Menschen muss man erreichen, um die Infektionsketten zu unterbrechen", sagt der UKL-Leberexperte. Dazu bräuchte es neben Gesundheitsprogrammen auch politischen Willen.

Die Hepatitis als chronische Leberentzündung gilt als Krankheit, der viele Jahre lang zu wenig Beachtung geschenkt wurde - selbst bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Erst 2010 wurden die Hepatitis-Viren in die Liste "globaler Killer" aufgenommen. Seit 2011 wird der Welt-Hepatitis-Tag immer am 28. Juli begangen, zu Ehren des in jenem Jahr verstorbenen Entdeckers des B-Virus, Baruch Samuel Blumberg, eines US-amerikanischen Mediziners, der dafür den Nobelpreis erhielt.


Quelle: Universitätsklinikum Leipzig

25.07.2019

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