Versorgung mit Impfstoffen ist sicher zu stellen

Immer wieder kommt es in Deutschland zu Lieferengpässen bei zahlreichen Impfstoffen, etwa bei den Vakzinen gegen Masern-Mumps-Röteln-Windpocken, Tollwut, Gelbfieber, Grippe, Typhus oder Cholera.

Photo: Versorgung mit Impfstoffen ist sicher zu stellen

„Schuld daran sind die Monopolisierung der Hersteller, die Globalisierung der Impfstoffmärkte und die Rabattvertragspolitik der gesetzlichen Krankenkassen“, kritisiert die Gesellschaft für Virologie (GfV). Das ohnehin zu geringe Forschungsinteresse nehme so immer weiter ab. Die aktuellen Entwicklungen gefährden aber vor allem die Versorgung der Bevölkerung mit Impfstoffen, warnen die Experten. In einer Stellungnahme fordert die Fachgesellschaft die Gesundheitspolitiker der Länder und des Bundes auf, umgehend Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Weltweit agieren immer weniger Impfstoffhersteller auf dem Markt. „Wir erwarten eine kritische Monopolbildung“, sagt Professor Dr. med. Hartmut Hengel, Vizepräsident der GfV. Bereits jetzt werden die meisten Standardimpfstoffe nicht mehr in Deutschland hergestellt. Es sei nun Aufgabe von Bund und Ländern, die nötigen Schritte einzuleiten, um diese Entwicklung aufzuhalten. Nur so könne verhindert werden, dass Krankheiten wie Masern, Mumps und Röteln in Europa aufgrund von Lieferengpässen bei Impfstoffen wieder vermehrt auftreten.

In der aktuellen Stellungnahme hat die GfV klare Forderungen an die Gesundheitspolitiker von Bund und Ländern gestellt: Unter anderem muss die zuständige Bundesoberbehörde, das Paul-Ehrlich-Institut, Lieferengpässe systematisch erfassen. Rabattverträge sollen abgeschafft werden, so dass Ärzte und Patienten wieder frei zwischen Impfstoffen wählen können. „Stattdessen müssen in Deutschland neue Methoden der Kostenkontrolle eingeführt werden“, ergänzt Professor Dr. med. Thomas Mertens, Präsident der GfV. Die Forschung benötige Anreize, neue Impfstoffe zu entwickeln und auch die Schutzwirkung bereits zugelassener Impfstoffe zu vergleichen. „Dafür wäre mehr finanzielle Unterstützung nötig, aber auch zusätzliche Förderinstrumente etwa des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) oder der EU würden helfen“, so Hengel. Die Gesellschaft für Virologie appelliert dabei nicht nur an die Politik – auch Impfstoffhersteller und Krankenkassen sollten Verantwortung für das Gemeinwohl und eine moderne Vorsorgemedizin übernehmen.

www.g-f-v.org

17.04.2014

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