Die Entdeckung eines neuen HIV-Subtyps soll helfen, verbesserte Behandlungsmethoden gegen das Virus zu entwickeln (Die Abbildung zeigt HIV-1-Retroviren).

Quelle: Hans R. Gelderblom. Kolorierung: Andrea Schnartendorff/RKI

Humanes Immundefizienz-Virus

Subtyp L: Neuer HIV-Stamm entdeckt

Forscher des global tätigen Gesundheitsunternehmens Abbott haben einen neuen Subtyp des humanen Immundefizienz-Virus (HIV) identifiziert, der als HIV-1 Gruppe M, Subtyp L bezeichnet wird.

Die Ergebnisse, die nun im Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes (JAIDS) veröffentlicht wurden, zeigen, welche Rolle die Genomsequenzierung der nächsten Generation spielt, um der Forschung zu helfen, mutierenden Viren einen Schritt voraus zu sein und neue Pandemien zu vermeiden. Abbott macht den neuen Stamm der Forschungsgemeinschaft zugänglich, damit sein Einfluss auf diagnostische Tests, Behandlungen und potenzielle Impfstoffe bewertet werden kann.

In einer zunehmend vernetzten Welt können wir uns nicht mehr vorstellen, dass sich Viren auf einen Ort eingrenzen lassen

Carole McArthur

Seit Beginn der globalen AIDS-Pandemie wurden 75 Millionen Menschen mit HIV infiziert; heute leben 37,9 Millionen Menschen mit dem Virus (Quelle WHO). Dank der Arbeit der globalen Gesundheitsgemeinschaft in den letzten Jahrzehnten wird das Ziel, die HIV-Pandemie zu beenden, immer realisierbarer. Dennoch müssen Forscher nach wie vor wachsam bleiben und nach neuen Stämmen suchen, um sicherzustellen, dass Tests und Behandlungen weiterhin funktionieren.

„In einer zunehmend vernetzten Welt können wir uns nicht mehr vorstellen, dass sich Viren auf einen Ort eingrenzen lassen“, sagte Dr. Carole McArthur, Professorin an den Abteilungen für Mund- und Kieferheilkunde der Universität Missouri, Kansas City und eine der Studienautorinnen. „Diese Entdeckung erinnert uns daran, dass wir, um die HIV-Pandemie zu beenden, dieses sich ständig ändernde Virus weiterhin erforschen und die neuesten Fortschritte auf den Gebieten der Technologie und der Ressourcen nutzen müssen, um seine Evolution zu überwachen.“

Seit im Jahr 2000 Richtlinien für die Klassifizierung neuer HIV-Stämme festgelegt wurden, ist dies das erste Mal, dass ein neuer Subtyp des „Gruppe M“ HI-Virus identifiziert wurde. Die „Gruppe M“-Viren sind für die globale Pandemie verantwortlich, die auf die Demokratische Republik Kongo (DRK) in Subsahara-Afrika zurückzuführen ist (Worobey et al., 2008 / Faria et al., 2014)

Klassifizierung des neuen HIV-Subtyps
Klassifizierung des neuen HIV-Subtyps

Quelle: Abbott

Genetische Sequenzierung zur Entdeckung neuer Viren

Um festzustellen, ob ein ungewöhnliches Virus tatsächlich ein neuer HIV-Subtyp ist, müssen drei Fälle unabhängig voneinander entdeckt werden (Robertson et al., 2000). Die ersten beiden Proben dieses Subtyps wurden in den 1980er und 1990er Jahren in der DRK entdeckt. Die dritte, die 2001 gesammelt wurde, war zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Virusmenge in der Probe und der vorhandenen Technologie schwer zu sequenzieren.

Die Sequenzierungstechnologie der nächsten Generation ermöglicht es Forschern heute, ein ganzes Genom schneller und kostengünstiger nachzubauen. Um diese Technologie nutzen zu können, mussten Abbott-Wissenschaftler neue Techniken entwickeln und anwenden, um den Virusanteil der Probe zu verengen und das Genom komplett zu sequenzieren und zu vervollständigen (Yamaguchi et al., 2018).

„Neue Viren wie diese zu identifizieren, ist wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen“, sagte Dr. Mary Rodgers, leitende Wissenschaftlerin und Leiterin des Global Viral Surveillance Program bei Abbott Diagnostics und eine der Studienautoren. „Durch die Weiterentwicklung unserer Techniken und den Einsatz der Sequenzierungstechnologie der nächsten Generation ziehen wir die Nadel mit einem Magneten heraus. Diese wissenschaftliche Entdeckung kann uns helfen, sicherzustellen, dass wir neue Pandemien in ihrer Verbreitung stoppen.“


Quelle: Abbott

13.11.2019

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