Ein Jahr als Senhance-Referenzzentrum

Robotersystem entlastet Chirurgen und erhöht Patientensicherheit

Als erstes Krankenhaus in der Region Niederrhein ging das Evangelische Krankenhaus Wesel (EVK) im August 2019 mit einem Robotersystem an den Markt. Das Senhance® Surgical Robotic System der Firma Transenterix wurde zunächst für minimal-invasive Operationen in der Allgemeinchirurgie eingesetzt, inzwischen konnte der Einsatzbereich deutlich erweitert werden.

Die Erfahrungen sind durchweg positiv. „Wir würden diesen Schritt jederzeit wieder gehen“, sagt EVK-Geschäftsführer Heino ten Brink. „Diese Form der digitalen OP-Assistenz ist für uns die Zukunft, und wir sind uns sicher, dass sie sich auf lange Sicht durchsetzen wird.“

Die Evangelisches Krankenhaus Wesel GmbH betreibt neben dem Krankenhaus auch zwei Medizinische Versorgungszentren, drei Seniorenheime, einen ambulanten Pflege- sowie einen ebenfalls ambulanten Palliativpflegedienst. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen ein viertes Seniorenheim sowie ein Hospiz hinzukommen. Hauptsächlich versorgen die Einrichtungen Patienten aus der Region, doch zwei Abteilungen sind auch darüber hinaus von großer Bedeutung: Die Neurologie mit ihrer Stroke Unit und Frührehabilitation sowie die Viszeralchirurgie im Rahmen des onkologischen Zentrums. In den vergangenen zwei Jahren hat das Haus zudem einen großen Schritt in Richtung Digitalisierung gemacht. Zunächst wurde das Krankenhausinformationssystem erneuert, und im Anschluss wurden alle Mitarbeitenden mit iPads ausgestattet, um Befunde überall abrufbar zu machen. „Für uns trägt diese digitale Unterstützung enorm zur Arbeitsentlastung bei“, sagt ten Brink. „Da passte das Senhance-System sehr gut ins Konzept.“

© EVK Wesel

Beschränkten sich die Operateure anfangs noch auf leichtere Hernien- und Gallenblasen-Eingriffe, sind sie inzwischen so routiniert, dass sie das System auch bei zahlreichen weiteren gutartigen Baucheingriffen wie Zwerchfellbrüchen, chronischem Reflux oder Darmleiden einsetzen, aber auch in der onkologischen Tumorchirurgie. Eine Ausweitung auf den gynäkologischen Bereich ist fest eingeplant und geht mit einem Chefarztwechsel Anfang 2021 einher. Der neue Leiter der Abteilung war zunächst skeptisch, was das Operieren mit einem Roboter angeht, erinnert sich ten Brink. Aber: „Nachdem er sich mit dem Senhance-System intensiv beschäftigt hat, ist er nun begeistert und freut sich auf die neuen Möglichkeiten, die es mit sich bringt.“

Das System liefert dem Chirurgen, der während der Operation in einer bequemen Position an einer offenen Konsole neben dem Patienten sitzt, gestochen scharfe, hochaufgelöste Bilder in bis zu 6-facher Vergrößerung. Die Steuerung der Kamera erfolgt durch die Augenbewegungen des Operateurs, die Steuerung der Instrumente im Bauchinnern des Patienten über die Hände. Ein eingebauter Tremorfilter eliminiert die feinen, bei jedem Menschen vorhandenen Zitterbewegungen. Dadurch ist eine derart präzise Arbeitsweise möglich, wie sie menschliche Hände niemals erlangen könnten. Die Vorteile für den Patienten sprechen für sich: Die Operationen sind schonender dank kleinerer Schnitte und somit auch kleinerer Narben mit weniger Wundschmerz.

portrait of heino ten brink
Heino ten Brink, Geschäftsführer der Evangelisches Krankenhaus Wesel GmbH (EVK)
Quelle: EVK Wesel

Inzwischen hat sich die neueste Errungenschaft des Krankenhauses auch herumgesprochen. „Patienten kommen zu uns, weil sie eine Behandlung wünschen, die State-of-the-art ist“, berichtet ten Brink. „Sie vertrauen darauf, dass sie bei uns bestmöglich operiert werden, und fragen explizit nach dem Senhance-System.“ Seine anfängliche Befürchtung, die Patienten könnten möglicherweise negativ auf den OP-Roboter reagieren, war unbegründet. „Das Vertrauen der Patienten zahlt sich am Ende in vielerlei Hinsicht für uns aus.“

Das EVK Wesel ist eines von weltweit 31 und deutschlandweit zwei Referenzzentren für das Senhance Robotic System mit insgesamt 32 installierten Systemen und zudem eine Hospitationsstätte: Interessierte Chirurgen und Studenten sollen einen Eindruck von den Operationstechniken der neuen Generation gewinnen können, und dadurch animiert später als Arbeitnehmer zurückkehren. Die bisherigen Mitarbeitenden spiegeln dem Geschäftsführer schon jetzt wider, dass sie stolz sind, in einem Krankenhaus zu arbeiten, das sich eine so moderne Ausstattung leistet. Ten Brink: „Mit dem Roboter-System haben wir ein Alleinstellungsmerkmal in der Region geschaffen, das uns einen Wettbewerbsvorteil bringt. Langfristig wirkt sich das sicherlich auch auf die Wirtschaftlichkeit aus.“

Mehr Informationen zum Senhance-System gibt es auf senhance.com


Profil:

Heino ten Brink folgte zum 1. Juli 2020 Rainer Rabsahl auf den Posten des Geschäftsführers der Evangelisches Krankenhaus Wesel GmbH (EVK), nachdem dieser in den vorzeitigen Ruhestand gegangen war. Ten Brink ist Diplom-Kaufmann und war bereits seit 2016 stellvertretender Geschäftsführer des EVK Wesel. Zuvor war er kaufmännischer Leiter des Immanuel Klinikums Bernau Herzzentrum Brandenburg sowie Leiter für strategisches Controlling, Unternehmensentwicklung und Prokurist im Evangelischen Krankenhaus in Mühlheim an der Ruhr.

01.10.2020

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