Neues DIVI -Register schafft Transparenz und Vergleichbarkeit

Wie lässt sich Qualität in der Medizin sinnvoll messen und vergleichen?

Datenfluss-Diagramm DIVI-REVERSI
Datenfluss-Diagramm DIVI-REVERSI

Mit ihrem neu erarbeiteten, volldigitalisierten und detaillierten Register gibt die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in ihrem Fachbereich nun eine vielversprechende Antwort: Das DIVI-Register-Versorgungsforschung-Intensivmedizin (DIVI-REVERSI) soll die Versorgungsqualität durch datenschutzkonforme Transparenz, praxisnahe Vergleichsparameter und eine höchst anspruchsvolle technische Umsetzung dokumentieren und letztlich verbessern.

„Ein Register bietet die Möglichkeit, sehr heterogene Zustände so zu erfassen, wie sie in der Praxis stattfinden. Damit bildet es die Basis für eine faire Vergleichsmöglichkeit der Beteiligten untereinander und liefert wertvolle Hinweise für die tatsächliche Qualität in der Intensivmedizin insgesamt“, erklärt Prof. Dr. Gerhard Sybrecht, Geschäftsführer der Servicegesellschaft der Intensiv- und Notfallmedizin der DIVI (SIN). Die Idee, ein solches Register als Werkzeug für die Qualitätssicherung zu nutzen, ist bei der DIVI nicht neu. Bereits 1999 initiierte die Sektion „Qualitätssicherung in der Intensivmedizin“ ein solches, um den leitenden Ärzten auf den Intensivstationen die Möglichkeit zu bieten, anhand bestimmter Patienten- oder Indikationsselektionen die eigenen Leistungen zu vergleichen.

Der seinerzeit erarbeitete Datensatz entsprach jedoch mit den Jahren nicht mehr in allen Punkten der wissenschaftlichen Aktualität. So wurde beispielsweise der Score zur Beurteilung der Überlebenswahrscheinlichkeit verbessert und Qualitätsindikatoren, wie zum Beispiel die für eine schonende Beatmung oder die enterale Ernährung, überarbeitet. „Vor diesem Hintergrund entschlossen wir uns, eine komplett neue Infrastruktur für das Register auf der Basis einer neuen Software zu implementieren. Das war alles andere als trivial. Zum einen aufgrund der inhaltlichen Anforderungen, zum anderen wegen der Herausforderungen an die Software an sich. Diese musste den strengen Datenschutzrichtlinien gerecht werden, für Krankenhäuser mit unterschiedlichem Digitalisierungsgrad geeignet sein und die eingegebenen Informationen in einen sinnvollen Kontext stellen“, so Prof. Dr. Christian Waydhas, Leiter der unfallchirurgischen Intensivstation und kommissarischer Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Essen.

Datenerfassung und –auswertung auf höchstem Niveau
Aus diesem Grund legten die Verantwortlichen bei der DIVI besonderen Wert auf die Wahl des Technologiepartners: „Die hohe Komplexität erforderte einen Anbieter, der bereits über umfangreiche Erfahrungen mit medizinischen Registern verfügt und weiß, welche Anforderungen seitens der Ärzte und des Datenschutzes vorliegen. Letztlich entschieden wir uns für die Schweizer Firma Adjumed, die unter anderem die Software für die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Qualitätssicherung in der Chirurgie (AQC) konzipierte und für diese mehr als eine Millionen Datensätze betreut“, weiß Christian Waydhas.

Das Unternehmen brachte insbesondere seine Expertise in Sachen Patientendatenverwaltung und Analyse in das DIVI-REVERSI Register ein und entwickelte diese gemeinsam mit der DIVI weiter. Alle eingegebenen Daten sind doppelt anonymisiert, also weder Patientendaten noch die Klarnamen der Einrichtungen sind für die teilnehmenden Kliniken oder die DIVI ersichtlich. Auch Adjumed als Anbieter der Software hat keinen Zugriff auf die Information, welche Daten aus welchem Haus kommen. Alle administrativen Belange, beispielsweise die fallbezogene Abrechnung, erfolgt über einen Treuhänder. Die Patientendaten sind für alle an dem Register beteiligten anonym, mit Ausnahme des Hauses, in dem die Patienten betreut wurden.

Auch dem Umstand der unterschiedlichen Digitalisierungsgrade in deutschen Krankenhäusern wird die Software gerecht. Gerhard Sybrecht: „Es war oberste Priorität, die Hürden für die Teilnahme am Register und die Dateneingabe so niedrig wie möglich zu halten. Darum bedurfte es einer Lösung, welche die Daten aus hoch digitalisierten Häusern mit Patientendokumentationssystemen über eine Schnittstelle in das Register einfließen lässt, um Doppeleingaben zu vermeiden. Und die gleichzeitig am anderen Ende der Skala auch solche Intensivstationen mit aufnehmen kann, die bisher noch mit Papier arbeiten und die Daten mit geringem Aufwand digital einpflegen können.“

Geringer Aufwand, großer Nutzen
Um eine sinnvolle Vergleichbarkeit zu schaffen, werden zunächst die Strukturdaten der einzelnen Häuser und Intensivstationen dokumentiert, also Anzahl der Betten, Anzahl des Personals und die technische Ausstattung. Anschließend erfolgt die patientenbezogene Dateneingabe inklusive der Patientenhistorie sowie die Erfassung des täglichen Verlaufs. Dieser entspricht den Angaben, die jede Abteilung ohnehin dokumentieren muss. Erfasst werden sollen alle erwachsenen Patienten, die länger als einen Tag auf der Intensivstation liegen. Durch intelligente und strukturierte Filterrecherchen können die teilnehmenden Häuser sehr gezielt die eigenen Leistungen denen vergleichbarer Intensivstationen gegenüberstellen.

„Durch das Register haben wir die Möglichkeit, neben der routinemäßigen Qualitätskontrolle auch wissenschaftliche Fragestellungen unter realen Bedingungen zu beurteilen. Diese Art der Versorgungsforschung gerät mittlerweile auch zunehmend in das Blickfeld von Versicherungen und Politik, weil es ein verlässliches Werkzeug für Qualitätssicherung und Qualitätstransparenz darstellt“, so Christian Waydhas abschließend.

Die Dateneingabe der ersten Intensivstationen beginnt im Herbst 2014, mittelfristiges Ziel ist es, rund 15-20 Prozent aller deutschen Intensivstationen in das Register einzubringen.

 

Quelle: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V.

08.10.2014

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