Akute Myeloische Leukämiezellen.
Medizinische Klinik I / Universitätsklinikum Dresden

Neuer Antikörper

Neuer Ansatz zur Behandlung von Akuter Myeloischer Leukämie

Der in Dresden unter Leitung der TU Dresden-Professoren Gerhard Ehninger und Michael Bachmann im ausgegründeten BioTech-Unternehmen GEMoaB neu entwickelte bispezifische Antikörper „GEM333“ erkennt bei Patienten mit Akuter Myeloischer Leukämie (AML) eine Struktur namens CD3 auf den Abwehrzellen und den Rezeptor CD33 auf den Blutkrebszellen.

Durch seine Brückenfunktion löst der Antikörper eine Abwehrreaktion aus, die den Krebs zurückdrängen kann. „Das Medikament könnte vor allem für Patienten mit einem Rückfall oder schlechtem Therapieansprechen neue Chancen eröffnen. Die bisherigen Labor-Untersuchungen sind sehr vielversprechend. Ab Jahresbeginn 2018 wollen wir den neuen Wirkstoff in einer klinischen Phase-I-Studie testen. Anhand von 35 Patienten soll am Dresdner Standort und am Uniklinikum in Würzburg zunächst die geeignete Dosis ermittelt werden“, sagt Prof. Gerhard Ehninger, Direktor am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen NCT Dresden und am Universitäts KrebsCentrum Dresden sowie Direktor der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus.

Mithilfe eines passenden bispezifischen Antikörpers ist das immunsystem wieder in der Lage, aktiv gegen den Krebs anzukämpfen

Michael Bachmann

Die Akute Myeloische Leukämie (AML) ist mit jährlich 3,5 Neudiagnosen pro 100.000 Einwohner eine seltene Erkrankung, aber die häufigste Form akuter Leukämien in Deutschland. Obwohl die Heilungschancen in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gestiegen sind, liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei nur 30 Prozent, langfristig können etwa 20 Prozent der Patienten geheilt werden. Ein Schlüssel für bessere Überlebenschancen könnten neue Immuntherapien und zielgerichtete Therapien sein. Dresdner Wissenschaftler haben ein vielversprechendes Medikament entwickelt, das ab Anfang 2018 in klinischen Studien erprobt werden soll.

Das Prinzip ähnelt dem eines Legosteins, der sich sowohl auf seiner Ober- wie auch auf seiner Unterseite mit anderen Steinen verbinden lässt: Künstlich erzeugte, bispezifische Antikörper können mit ihrem einen Ende an ein Oberflächenmolekül einer Krebszelle binden, mit dem anderen an Strukturen in der Membran bestimmter Immunzellen, T-Zellen genannt. „Über diese Verbindungsbrücke gelangen Giftstoffe aus der T-Zelle in die Leukämiezelle und können diese zerstören. Ohne eine solche künstliche Hilfe kann das Immunsystem die Krebszellen nicht als Feinde erkennen. Mithilfe eines passenden bispezifischen Antikörpers ist es wieder in der Lage, aktiv gegen den Krebs anzukämpfen“, erklärt Prof. Michael Bachmann, Direktor am NCT Dresden sowie Direktor am Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) und Professor für Translationale Radiopharmazie an der TU Dresden.

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Akute Myeloische Leukämiezellen.
Quelle: Medizinische Klinik I / Universitätsklinikum Dresden

Bispezifische Antikörper sind verglichen mit anderen Behandlungsoptionen „Neulinge“ in der Therapielandschaft. In den Jahren 2014 und 2015 wurde ein erster bispezifischer Antikörper zur Behandlung der Akuten Lymphatischen Leukämie (ALL) – einer Form der Leukämie, die vor allem Kinder betrifft –zugelassen. Prof. Bachmann und sein Team haben nun einen bispezifischen Antikörper zur Therapie der Akuten Myeloischen Leukämie konstruiert. Von dieser, durch bösartige, genetische Veränderungen im Knochenmark ausgelösten Krankheit betroffen sind vor allem ältere Patienten – die Hälfte der Erkrankten ist über 70 Jahre alt.


Quelle: Technische Universität Dresden

14.11.2017

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