Mehr Optionen, bessere Chancen

Die medizinische Versorgung der Lungenfibrose wird immer komplexer. Denn dank neuer Medikamente stehen deutlich mehr Behandlungsoptionen zur Verfügung, die die Lebenserwartung der Patienten steigern können.

Prof. Dr. med. Dipl. oec. Felix Herth
Prof. Dr. med. Dipl. oec. Felix Herth

Warum die Radiologie so wichtig für die richtige Therapie ist und was das Ganze mit einer Buchstabensuppe zu tun hat, erklärt der Pneumologe Prof. Dr. Felix Herth, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg. Ein Gesprächsprotokoll.

„Im Wesentlichen kann man sagen, dass sich die Therapiemöglichkeiten bei der pulmonalen Fibrose aus zwei Gründen verbessert haben. Erstens, weil wir heute wissen, dass es viele verschiedene Subtypen dieser Erkrankung gibt, die auch unterschiedlich behandelt werden müssen. Die Klassifikation erfolgt anhand histopathologischer sowie radiologischer Muster. Es ist recht kompliziert, sich die Abkürzungen für diese Muster zu merken, deshalb sagen wir gern Buchstabensuppe dazu. Zweitens werden immer mehr Medikamente entwickelt, die die Lungenfibrose zwar nicht aufhalten, aber ihr Fortschreiten verlangsamen können. Das Grundproblem bei diesem Krankheitsbild ist ein überschießender Zellumsatz, der dazu führt, dass das Gewebe auf Dauer vernarbt und das Organ sich versteift. Die Medikamente sollen diese Narbenbildung eindämmen.

Es ist noch gar nicht lange her, da konnten wir unsere Patienten nur mit Cortison behandeln oder gar nicht. Das Problem dabei ist, dass Cortison nicht bei allen Arten der Lungenfibrose wirkt. Es kann sogar zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, die ein Risiko für den Betroffenen darstellen. Deshalb muss man genau abwägen, ob der Patient überhaupt von einer Therapie profitiert oder ihm mehr damit geholfen ist, ihn nicht zu behandeln. Eine nichtspezifische interstitielle Pneumopathie (NSIP) beispielsweise ist eine nur sehr langsam voranschreitende Erkrankung, bei der im Regelfall erst einmal abgewartet wird. Hinzu kommt, dass die Lungenfibrose häufig Folge einer primären Systemerkrankung ist, zum Beispiel von Rheumatismus. In dem Fall behandelt man erst die Grunderkrankung und dadurch natürlich auch sekundär die Lunge.

Seit vier Jahren steht für die gewöhnliche interstitielle Pneumonie (Usual Interstial Pneumonia; UIP) erstmals ein Medikament zur Verfügung, das auf einen spezifischen Typ der Lungenfibrose zugeschnitten ist. Die Erfahrungen sind gut. Wir können die Patienten zwar nicht heilen, aber stabilisieren. Bis Ende 2014 wird noch mindestens ein neues Medikament zugelassen und ich bin optimistisch, dass noch weitere folgen. Man muss ehrlicherweise sagen, dass es sich dabei um sehr kostspielige Therapien handelt. Zudem haben die Medikamente auch immer Nebenwirkungen. Umso wichtiger ist für uns eine saubere Diagnostik.

Seit die American Thoracic Society (ATS) und die European Respiratory Society (ERS) im Jahr 2011 eine gemeinsame neue Leitlinie veröffentlicht haben, hat die radiologische Bildgebung noch an Bedeutung für die Diagnostik gewonnen. Sie stellt einen Scheideweg dar, an dem sich ent-scheidet, ob beim Patienten eine Biopsie durchge- Veranstaltung führt werden muss oder nicht. Man versucht, die Gewebeentnahme nach Möglichkeit zu umgehen, denn bei Patienten mit einer gewissen Konstellation von Lungenfunktionswerten besteht ein erhöhtes Risiko, durch den Eingriff einen akuten Krankheitsschub auszulösen. Man vermutet, dass die Erkrankung durch die mechanische Manipulation angetriggert wird, genau erforscht ist das jedoch nicht. Eine sachgemäß durchgeführte Bildgebung leistet deshalb einen verantwortungsvollen Beitrag zum Wohl des Patienten.“


Im Profil
Seit 2004 leitet der Internist und Pneumologe Prof. Dr. med. Dipl. oec. Felix Herth die Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg. In der Thoraxklinik Heidelberg werden jährlich rund 19.000 Fälle von Lungenerkrankungen sowohl ambulant als auch teil- und vollstationär behandelt. Felix Herth ist außerdem Präsident der European Association for Bronchology and Interventional Pulmonology (EABIP) und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin.

Veranstaltung
Raum Peters
Fr., 30.05.2014,
08:00 - 09:30 Uhr
Pneumologie
Herth, F. / Heidelberg
Refresherkurs: Radiologie

30.05.2014

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