Mediziner-Impfschutz mangelhaft

Niedergelassene Ärzte sowie der medizinische Berufsnachwuchs sind nicht umfassend gegen Diphtherie, Hepatitis, Polio und andere schwere Infektionskrankheiten geschützt. Das ergab eine Studie des Lehrbereiches Allgemeinmedizin der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden.

Für die wissenschaftliche Arbeit wurde der Impfstatus von insgesamt 1.900 Ärzten, Medizinstudierenden sowie Auszubildenden der Krankenpflege aus Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt untersucht. Die Autorin der Studie wird am 12. Juni mit dem erstmals vergebenen Forschungspreis der Sächsischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM) ausgezeichnet. Überreicht wird der Preis auf dem 18. Jahreskongress der Gesellschaft in Chemnitz.
Die Zahlen der Untersuchung zeigen, dass viele Beschäftigte des Gesundheitswesens die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission ignorieren und keinen vollständigen Impfstatus vorweisen konnten. Besonders bedenklich ist dies beim Schutz vor Hepatitis-Infektionen. Obwohl gerade medizinisches Fach- und Pflegepersonal besonders infektionsgefährdet ist, war fast jeder dritte Arzt, fünfte Medizinstudierende und zehnte Auszubildende nach eigenen Angaben nicht gegen Hepatitis Typ A immunisiert. „Damit gefährden sie sich nicht nur selbst, sondern auch ihre Patienten“, sagt PD Dr. Antje Bergmann. Die Leiterin des Lehrbereichs Allgemeinmedizin betreute die Forschungsarbeit der Sozialwissenschaftlerin Karen Voigt, die hierfür den SGAM-Forschungspreis erhält.
Die Sächsische Impfkommission empfiehlt die Immunisierung insbesondere dieser Berufsgruppen, da Hepatitis-Infektionen leicht übertragbar sind und eine Ansteckung zu schwersten Leberschäden führen kann. Doch nur die Hälfte der Ärzte (52 Prozent) und Studierenden (47 Prozent) sowie 64 Prozent der Auszubildenden gaben im Rahmen der Studie an, über einen Vollschutz gegen diese Form der Gelbsucht zu verfügen.
Die Umfrageergebnisse zum Schutz weiterer Infektionskrankheiten wie Diphterie und Polio belegen, dass die „Impfmüdigkeit“ von Erwachsenen in Deutschland auch auf das in dieser Studie untersuchte medizinische Fachpersonal zutrifft: Zwar verfügen 92 Prozent der niedergelassenen Ärzte – befragt wurden 642 Allgemeinmediziner und Chirurgen – über eine umfassende Immunisierung gegen Diphterie, doch der berufliche Nachwuchs relativiert diesen positiven Wert: Nur die Hälfte der 962 Auszubildenden und knapp 66 Prozent der 298 Medizinstudierenden verfügen nach eigenen Angaben über einen vollständigen Impfschutz.
Die Untersuchungsergebnisse im Detail
Die Gruppe der Ärzte wies die jeweils höchsten prozentualen Quoten an Personen mit Vollschutz gegenüber Tetanus (96 Prozent), Diphtherie (91 Prozent) und Polio (64 Prozent) auf.
Bei den Auszubildenden lagen die Anteile der Personen mit Vollschutz bei 74 Prozent für Tetanus, 51 Prozent für Diphtherie und 48 Prozent für Polio. Diese Werte sind damit wesentlich niedriger als in der Ärzteschaft.
Der Anteil an Medizinstudierenden mit Vollschutz gegenüber Tetanus (81 Prozent), Diphtherie (66 Prozent) und Polio (59 Prozent) nimmt eine Mittelposition ein.
 

16.06.2009

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