Mara Mather

Physiologischen Veränderungen im Gehirn auf der Spur

Neue Forschung zu den Wechselwirkungen von Gehirn, Körper und Emotionen

Portraitfoto von Mara Mather
Mara Mather leitet seit dem 1. September 2026 den Forschungsbereich Affektive und Autonome Neurowissenschaften (CAAN) am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Bildquelle: MPIB; © Nico Wöhrle

Die Neurowissenschaftlerin Mara Mather übernimmt zum 1. September die Leitung des neu gegründeten Forschungsbereichs Affektive und Autonome Neurowissenschaften (CAAN) am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Als Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft wird sie sich der Frage widmen, wie Emotionen, körperliche Regulationsprozesse und die Alterung des Gehirns zusammenhängen – und welche Rolle diese Wechselwirkungen für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und deren Prävention spielen. 

Die Gesundheit des Gehirns entsteht nicht allein im Gehirn. Sie wird auch von Körpersystemen beeinflusst, die meist unbemerkt bleiben – etwa vom Autonomen Nervensystem, das Herzschlag, Atmung, Blutdruck und Stressreaktionen steuert. Genau an dieser Schnittstelle setzt Mathers Forschung an. Sie untersucht, wie sich Veränderungen dieser Regulationssysteme über die Lebensspanne auf Gedächtnis, Emotionen und Gehirngesundheit auswirken. 

Wir wissen erstaunlich wenig darüber, was zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr im autonomen Nervensystem geschieht

Mara Mather

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf biologischen Prozessen, die einer neurodegenerativen Erkrankung viele Jahre vorausgehen können. Mather untersucht, ob Veränderungen des autonomen Nervensystems bereits im frühen und mittleren Erwachsenenalter die spätere Gesundheit des Gehirns mitprägen. Im Mittelpunkt steht dabei der Locus coeruleus, eine winzige Region im Hirnstamm. Dieser steuert die Freisetzung des Botenstoffs Noradrenalin, der unter anderem Aufmerksamkeit, Wachheit und Stressreaktionen steuert. Gleichzeitig gehört der Locus coeruleus zu den ersten Hirnregionen, in denen sich Veränderungen zeigen können, die mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung gebracht werden. 

„Wir wissen erstaunlich wenig darüber, was zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr im autonomen Nervensystem geschieht“, sagt Mara Mather. „Dabei finden in diesem Zeitraum einige der stärksten physiologischen Veränderungen statt. Wir möchten verstehen, welche Folgen diese Veränderungen für die Gesundheit des Gehirns haben.“ 

Um diesen Fragen nachzugehen, verbindet Mather modernste Hirnbildgebung mit physiologischen Messungen und Langzeitstudien. Ein Schwerpunkt des neuen Forschungsbereichs ist die Entwicklung multimodaler 7-Tesla-Bildgebungsverfahren für den Locus coeruleus. Dabei profitiert das Team von der neu entstehenden Forschungsinfrastruktur des Instituts, zu der auch ein 7-Tesla-Magnetresonanztomograph gehört. Die hohe Auflösung des Systems ermöglicht Einblicke in kleine Hirnstrukturen, die bisher nur schwer untersucht werden konnten. 

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Darüber hinaus plant Mather die erste Langzeitstudie, die Veränderungen des autonomen Nervensystems über den Altersbereich von 20 bis 60 Jahren hinweg verfolgt und mit Biomarkern der Alzheimer-Krankheit in Beziehung setzt. Ergänzend untersucht der Forschungsbereich in randomisierten Studien, ob sichere und alltagstaugliche Interventionen wie langsame Atemtechniken oder die sogenannte 4-7-8-Atmung körperliche Regulationsprozesse beeinflussen und sich dadurch messbare Veränderungen bei Gehirnfunktion, Emotionen und kognitiven Leistungen ergeben. 

Mathers Arbeiten haben die Forschung zum Zusammenhang von Emotionen und Altern maßgeblich geprägt. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Arbeiten zum Positivitätseffekt: Zahlreiche Studien zeigen, dass ältere Menschen ihre Aufmerksamkeit und ihr Gedächtnis häufiger auf positive als auf negative Informationen richten. Künftig möchte sie diese Erkenntnisse mit ihrer Forschung zum autonomen Nervensystem verbinden. Dabei geht es um die Frage, wie Menschen trotz körperlicher Einbußen im Alter ihr emotionales Wohlbefinden bewahren können. 

Mit der Berufung von Mara Mather erweitert das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung seine kognitiv-neurowissenschaftliche Forschung um einen Bereich, der Körper, Gehirn und Emotionen gemeinsam betrachtet. 

„Mit Mara Mather gewinnen wir eine herausragende Forscherin, die das wissenschaftliche Profil unseres Instituts enorm bereichert“, sagt Ulman Lindenberger, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. „Unter anderem über ihr Humboldt-Forschungsstipendium und den Max Planck Sabbatical Award war sie bereits zweimal Gastwissenschaftlerin an unserem Institut. Umso mehr freut es uns, dass sie nun dauerhaft nach Berlin kommt. Ihre Forschung wird dazu beitragen, besser zu verstehen, wie Veränderungen des Körpers über die Lebensspanne hinweg die Gesundheit des Gehirns beeinflussen.“ 


Profil:

Mara Mather studierte Psychologie an der Stanford University und promovierte in Kognitionspsychologie an der Princeton University. Nach Stationen an der Stanford University und der University of California, Santa Cruz, war sie Professorin für Gerontologie, Psychologie und Biomedical Engineering an der University of Southern California. Seit dem 1. September 2026 leitet sie den Forschungsbereich Affektive und Autonome Neurowissenschaften (CAAN) am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Für ihre wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Mather zahlreiche Auszeichnungen, darunter ein Humboldt-Forschungsstipendium und den Max Planck Sabbatical Award. Gemessen an der wissenschaftlichen Resonanz ihrer Publikationen gehört sie zu den weltweit meistzitierten Forschenden. Darüber hinaus ist sie Fellow mehrerer internationaler Fachgesellschaften und engagiert sich in wissenschaftlichen Beiräten sowie Herausgebergremien. 


Quelle: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

02.09.2026

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